Berlinale-Liveblog
Asher - "Ich wurde plötzlich zur Sex-Königin stilisiert"
Tag 8 der Berlinale. Die Berliner Morgenpost berichtet von goldenen Bären, Stars, Filmen und dem bunten Treiben darumherum.
Heute wird der erste goldenen Bär verliehen, der Ehrenbär an den französischen Regisseur Claude Lanzmann. Im Wettbewerb laufen "Harmony Lessons" und "Dark Blood" an.
+++ 21.52 Uhr - In der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" hat am Donnerstagabend der Film "Zwei Mütter" von Anne Zohra Berrached Premiere gefeiert. Darin geht es darum, wie schwer es für lesbische Paare ist, ein Kind in Deutschland zu kriegen. Nach dem Film waren viele gerührt, denn auf der Bühne konnte man echte Emotionen sehen. Die Regisseurin des Films ist noch Studentin, und ihr ganzes Team auch sehr jung.
+++ 19.14 Uhr - Die Premiere von "Dark blood" hat begonnen. Die Schauspieler und der 80-jährige Regisseur George Sluizer sind auch im Berlinale-Palast. 1961 hat der Niederländer bereits einen Silbernen Bären bekommen - für den Film "Land aus Menschenhand".
+++ 18.21 Uhr Hagar Ben Asher fasst sich an den Kopf in stöhnt: "Ach, jetzt kommt die moralische Diskussion." Dann erzählt sich aber doch ganz launig davon, dass sie mit ihrem Film kein feministisches Statement abgeben wollte.
Sie wollte einfach eine Geschichte erzählen. John Cameron Mitchell stimmt ihr zu: "Ja, es geht nicht immer um eine Gender-spezifische Aussage, manchmal kann man explizite Szenen einfach einsetzen, wie man auch Musik im Film einsetzt."
Er wolle auch niemanden anturnen durch die Szenen im Film "Shortbus". "Es hat ja auch keiner Spass bei den Szenen, sie sind nicht erotisch gemeint." Er orientiere sich an Werken des Autors Harold Pinter. Das Publikumsbaby ist jetzt seit 10 Minuten still. Offenbar eingeschlafen.
+++ 18.12 Uhr Auch Travis Mathews, der Co-Regisseur von "Interior. Leather Bar", nimmt an der Diskussion im Hau1 teil. Ein kleiner Ausschnitt aus diesem Film wird gezeigt. James Franco kritisiert darin die Art und Weise, wie (und wie wenig) Sex im Mainstreamkino gezeigt wird.
+++ 17.55 Uhr Während Hagar Ben Asher und John Cameron Mitchell darüber sprechen, wie man Sex-Szenen schreibt, macht ein kleines Baby im Saal lustige Geräusche. Hagar Ben Asher hat sich gewundert, wie ihr Film "The Slut" in ihrem Heimatland aufgenommen wurde. "Die Kritiken waren sehr gut", sagt sie, "aber ich wurde plötzlich zur Sex-Königin stilisiert." Dabei sei der Film doch komplexer als nur ein Zusammenschnitt von Liebesszenen. "Aber ich habe mich auch gefreut, dass er so aufgenommen wurde."
John Cameron Mitchell stimmt ihr aber zu, dass man doch nicht Szenen nur aus Scham herausnehmen kann. Das wäre einfach schade, weil es auch im Subtext sagt, dass es etwas schlechtes ist, was man nicht mit Bildern erzählen will.
Auch im zweiten Teil des Vortrag sorgt das Baby im Zuschauerraum für eine angenehm lockere Atmosphäre, einfach durch ein leises Wimmern an den richtigen Stellen.
+++ 17.15 Hau1 - Die letzte Veranstaltung des Campus dreht sich um Sex in Film. Nach einigen Sehr deutlichen Szenen ist, die zu deutlich sichtbaren Höhepunkten führen, ist es ausgerechnet ein Baby im Publikum, dass die Situation entspannt, mit einem ... lauten Bäuerchen. Regisseur John Cameron Mitchell ("Shortbus") nimmt die Tatsache in seiner ersten Rede gleich mit auf: "Super, dass ein Baby hier ist - es wird viel über seine Herkunft lernen." Er macht eine Pause und sagt: "Selbstbefruchtung ist möglich, glaub mir."
Doch gleich danach geht es darum, dass man doch nicht der Porno-Industrie das Filmen über Körperliche Liebe überlassen dürfe. "Sex sagt doch etwas aus über eine Person, wie ein guter Dialog."
+++ 17.06 Uhr Im "Berlinale Talent Campus" wird gleich über den Sex auf der Leinwand gesprochen. Die Experten sind für die Podiumsdiskussion "Some like it hot - The Power of Sex" da: israelische Regisseurin Hagar Ben Asher ("The Slut") und amerikanischer Regisseur John Cameron Mitchell ("Shortbus").
+++ 16.35 Uhr Es war eine sehr gemütliche Pressekonferenz mit Greta Gerwig. Eine Journalistin meinte zurecht, "Frances Ha" sei einer der wenigen Filme, die über das Leben einer Frau als Single erzählen, ohne dass sie sich im Film verlieben muss. Auch am Tag der Liebe ein gutes Thema. Und ein Film, der trotzdem romantisch ist und gute Laune bringt.
+++ 16.17 Uhr Eine Journalistin vergleicht bei der Pressekonferenz "Frances Ha" mit "Oh Boy". Beide schwarz-weiß und ein bisschen melancholisch, beide erzählen von Leben der jungen Generation in den modernen Traumstädten. Der eine spielt in New York, der andere in Berlin.
+++ 16.14 Uhr Schade, dass die Pressekonferenz so leer ist. Noah Baumbach: "Frances Ha ist ein road-movie, mit dem Unterschied, dass Frances nirgendwohin fährt." Greta Gerwig: "Ein Film über die Suche nach dem Zuhause in einem selbst."
+++ 15.59 Uhr Gauck auf der Berlinale: Die Berlinale bekommt hohen Besuch. Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt werden am Freitag zur Premiere des Dokumentarfilms "Gold – Du kannst mehr als du denkst" erwartet.
Der Film von Michael Hammon begleitet drei behinderte Spitzensportler auf dem Weg zu den Paralympics in London: die deutsche Schwimmerin Kirsten Bruhn, den australischen Rennrollstuhlfahrer Kurt Fearnley und den Marathonläufer Henry Wanyoike aus Kenia.
+++ 15.51 Uhr Die wunderschöne Greta Gerwig ("To Rome with Love") ist in der Stadt. Gleich wird sie zusammen mit dem Regisseur Noah Baumbach die Fragen der Journalisten zum Film "Frances Ha" (Panorama-Sektion) beantworten. Die beiden haben das Drehbuch zusammen geschrieben.
+++ 15.33 Uhr Nicolae, Ticket-Verkäufer im Cinemaxx, erzählt aus seinen Alltag: "Oft wollen die Leute Karten für irgendeinen Film, der gerade läuft, kaufen. Nach dem Film kommen sie wieder und fragen:"Warum haben Sie mich in diesen blöden Film hingeschickt?" Viele beschweren sich auch darüber, dass es kein Popcorn hier verkauft wird." Dann lächelt Nicolae und fügt hinzu: " Entschuldigung, aber wir sind ein anspruchsvolles Filmfestival!"
+++ 14.45 Uhr Die Schlange zum Ticketcounter in den Arkaden ist ziemlich klein geworden, viele Filme leuchten rot auf dem Bildschirm, sind also ausverkauft. Roy und Shiran Erez aus Israel stehen an. Sie sind erst heute angereist und sind bereit, in die Filme zu gehen, für die es noch Karten gibt.
Ausgerechnet heute, am Valentinstag, feiert das Paar ein privates Liebesfest - genau vor 8 Jahren haben die beiden geheiratet. Nach Berlin sind sie gezielt zur Berlinale gekommen - Roy ist selbst Schauspieler und hat Freunde in der Branche. Vielleicht sehen wir ihn auf dem roten Teppich bei der nächsten Berlinale?
+++ 13.09 Uhr Gleich geht es los beim Photocall mit Claude Lanzmann, der dieses Jahr einen goldenen Ehrenbären bekommt. Der französische Regisseur hat viele großartige Dokumentarfilme gedreht, unter anderem den neunstündigen Film "Shoah" über den Holocaust. Da kommt er plötzlich um die Ecke, zusammen mit Dieter Kosslick. Die Fotografen werden sofort wach und tausend Blitze prasseln auf die beiden nieder.
+++ 12.47 Uhr Udo Beyer gibt Doping im Berlinale-Film zu. Kugelstoß-Olympiasieger Udo Beyer aus Potsdam hat erstmals die Einnahme verbotener Substanzen in seiner erfolgreichen Karriere eingeräumt. Im Dokumentarfilm "Einzelkämpfer", der am Freitag auf der Berlinale Premiere feiert, gab der 57-Jährige an, stets selbst über die Einnahme der Mittel entschieden zu haben.
"Über alles, was mit mir gemacht wurde, wusste ich Bescheid. Dinge, die ich gemacht habe, habe ich selbst entschieden. Das Recht habe ich mir herausgenommen", sagt Beyer in dem Film von Sandra Kaudelka.
+++ 12.20 Uhr - Cinema 7: Nachdem alle begrüßt wurden mit dem Satz, dass es sehr früh sei - war es das offenbar auch für den Server: zu früh. Denn beim Film "Out in East Berlin" schaffte es der Server des Kinos offenbar nicht, den Ton zu laden. "Früher gab es nur eine Stereo-Tonspur", sagt einer der Techniker entschuldigend. "Heute gibt es sechs Tonspuren." Nach zwei Minuten wurde also alles noch einmal neu gestartet. Jemand ruft "Peinlich". Beim zweiten Versuch klappt es dann.
+++ 12.09 Uhr: Mehrmals betont der Regisseur von "Harmony Lessons" Emir Baigazin bei der Pressekonferenz, es sei nicht möglich, mit dem Verbrecher eine andere Sprache zu sprechen, als die der Gewalt. Die Gewalt sei aus unserer Welt nicht wegzudenken, denn "der Mensch kommt und geht mit Schmerzen." Eine widersprüchliche These, die sicher noch viel diskutiert wird...
+++ 11.53 Uhr: Der Regisseur Emir Baigazin will über Religion nicht sprechen. "Wir verlieren nur die Zeit so," sagt er. Denn wenn man "Lampe" sagt, versteht sowieso jeder etwas eigenes darunter, es gebe zu viele Arten. Insgesamt spricht er viel in Metaphern und Symbolen.
+++ 11.41 Uhr: "Nein, ich habe für den Film kein echtes Schaf getötet. Allein aus Respekt zu meinen Kameramann nicht. Er ist Vegetarier", sagt Emir Baigazin, Regisseur von "Harmony Lessons".
+++ 11.38 Uhr: Während der Regisseur und die Produzentin des Films "Harmony Lessons" ernste Fragen über den Sinn und die Finanzierung beantworten, flirten die jungen Schauspieler Aslan Anarbayev und Anelya Adilbekova einbisschen miteinander.
+++ 11.34 Uhr: "Harmony Lessons", der erste kasachische Film im Wettbewerb, also. Ein wichtiger Moment in der Berlinale-Geschichte. Regisseur Emir Baigazin erzählt, seine eigenen traumatischen Erfahrungen aus seiner Schulzeit haben ihn inspiriert.
+++ 11.20 Uhr: Gleich beginnt die Pressekonferenz mit dem Team von "Harmony Lessons" an. Alle jungen Schauspieler sind bereits da.
+++ 10.10 Uhr: Partys gibt es viele. Dieser Mittwochabend war jedoch mehr als das - ein Event der Extraklasse. In ein leerstehendes Loft, das einem Picasso-Erben gehören soll, feierte das Modelabel Hugo Boss. Den Vips´s gefiel es.
+++ 9:52 Uhr: Es gibt unterschiedliche Stimmen zum bosnischen Film von gestern "An Episode in the Life of an Iron Picker" unter den Filmkritikern im Berlinale-Palast. Von "das ist der goldene Bär" bis "ein schlechter Film von Tanovic, die früheren waren viel besser". Eine unglaubliche Authentizität habe er aber auf jeden Fall. Nun wird der kasachische Film "Harmony Lessons" geguckt und viel gehustet.
+++ 8:40 Uhr: Tag 8 der Berlinale fängt an. Journalistenmassen strömen in den Berlinale-Palast. Heute geht's los mit dem kasachischen Film "Harmony Lessons" (Harmonielektionen).
+++ Nachtrag: Der britische Oscar-Preisträger Jeremy Irons (64) hat sich bei der Weltpremiere des Films "Nachtzug nach Lissabon" in Berlin als wahrer Gentlemen gezeigt. Er verbeugte sich am Mittwochabend vor dem Publikum im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz, bedankte sich mit Kusshänden und unterhielt Filmpartnerin Martina Gedeck (51) offensichtlich bestens. Schon auf dem Roten Teppich hatten sich beiden trotz der Kälte viel Zeit für Fans, Fotografen und Autogrammjäger genommen.
+++Nachtrag: Partys gibt es viele. Dieser Abend war jedoch mehr als das - ein Event der Extraklasse. In ein leerstehendes Loft, das einem Picasso-Erben gehören soll, feierte das Modelabel Hugo Boss am Mittwoch. Den VIPs gefiel's.
















