11.02.13

Berlinale-Wettbewerb

Bärenfalle, nichts geht über eine Bärenfalle

Es gibt viele gefährliche Orte, der gefährlichste der Berlinale ist der Wald. "Vic und Flo" in Denis Cotés Film wissen das genau.

Von Elmar Krekeler
Foto: dpa

Draußen gruseln die Wälder: Pierrette Robitaille (Vic) und Romane Bohringer (Flo) sehen zwar keine Bären, aber sonst ist allerlei los in der kanadischen Wildnis. Man beachte vor allem die Bärenfallen
Draußen gruseln die Wälder: Pierrette Robitaille (Vic) und Romane Bohringer (Flo) sehen zwar keine Bären, aber sonst ist allerlei los in der kanadischen Wildnis. Man beachte vor allem die Bärenfallen

Das gefährlichste Land der Welt ist gefunden. Es ist nicht Rumänien, nicht China, nicht der Iran. Es ist Kanada. So ein weites Land. So schöne Wälder. Wilde Tiere. Und was für ein Pech, sagt der deutsche Pionier auf dem Weg nach Klondike in Thomas Arslans "Gold", in dieser Weite ausgerechnet in eine Bärenfalle zu latschen. Blödsinn. Ist kein Pech. Wissen wir seit Denis Cotés "Vic und Flo sehen einen Bären".

In den Wäldern Kanadas gibt's nämlich haufenweise Bärenfallen. Und Vic und Flo treten hinein. Aber wir greifen vor.

Victoria und Florence lieben sich. Meistens. Vic ist gerade aus dem Gefängnis gekommen, sie ist 61 und das Leben sieht man ihr an. Florence ist jünger, das Leben spielt ihr aber auch übel mit. Jetzt jedenfalls leben sie erstmal in den Wäldern.

Ein merkwürdiges Liebespaar im merkwürdigen Wald

Im Haus von Vics Onkel Émile, der nach einem Schlaganfall teilnahmslos im Rollstuhl sitzt. Zweimal die Woche taucht der seltsame und schwule Bewährungshelfer auf. Sehr nett sind sie nicht. Weder zu Onkel Émile noch zum Bewährungshelfer.

Könnte trotzdem alles so schön sein, würden die beiden ein bisschen locker bleiben. Tun sie aber zu selten. Sie fahren wie die Wilden auf einem Golfwagen durch die Gegend. Die Menschen sind seltsam da hinten im Wald von Kanada. Könnten auch Gespenster sein.

Manchmal spielen sie Trompete. Manchmal schlagen sie zu. Gefährliche Gespenster erkennt immer schön daran, dass eine Trommel geschlagen wird. Platte Musiksymbole scheinen überhaupt eine Angewohnheit kanadischer Wälder zu sein. Bei Arslan klampfte eine Sideguitar drei Akkorde aus den Lautsprechern bis man Ohrenerbrechen bekam.

Und die Trommel schlägt dazu

Immer näher lässt Denis Coté das Grauen und das Zerwürfnis an sein Paar heranschleichen. Flo irrt gerne ab, in fremde Betten, karge Kneipen, auf die Go-Kart-Bahn. Die Trommel schlägt.

Die Bilder sind grünlich. Die Dialoge – auch schon mal ein Fortschritt auf dieser Berlinale, allerdings einer auf ganz niedrigem Niveau – ganz lustig. Die Geschichte schleppt sich durch die Rätsel ihrer selbst von Grün zu Grün wie ein mit einer Fußballmannschaft besetztes Golfmobil.

Von Kanada haben wir jetzt jedenfalls erstmal die Nase voll. Wälder soll es aber dem Vernehmen nach in diesem Wettbewerb noch häufiger geben. Solang keiner in Bärenfallen tritt, soll uns das recht sein.

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