09.02.13

Filmfestspiele

Was Isabella Rossellini die Berlinale-Kamera bedeutet

Die Schauspielerin ist ein Dauergast des Festivals. Diesmal ist sie in vierfacher Mission unterwegs. Nun erhielt sie eine Berlinale-Kamera.

Von Thomas Abeltshauser
Foto: Berlinale

Hier piept’s wohl: In ihren Kurzfilmen „Mammas“ schlüpft Isabella Rossellini in die unterschiedlichsten Tierkostüme.
Hier piept's wohl: In ihren Kurzfilmen "Mammas" schlüpft Isabella Rossellini in die unterschiedlichsten Tierkostüme.

Sie ist schon fast Dauergast der Berlinale. Isabella Rossellini war immer wieder als Schauspielerin hier, stellte aber auch ihre ersten eigenen Regiearbeiten vor. 2011 war sie Präsidentin der Jury.

Und jetzt präsentiert die 60-Jährige nicht nur ihre neuen Kurzfilme "Mammas" und den Eröffnungsfilm "Nono, the Zigzag Kid" der Reihe Generation, sondern am Sonntagabend die Vorführung des Klassikers "Casablanca", mit dem ihre Mutter Ingrid Bergman unsterblich wurde.

Am Sonnabend wurde Isabella Rossellini im Kino Delphi mit einer Berlinale-Kamera geehrt. Die Berliner Morgenpost hat mit ihr gesprochen.

Berliner Morgenpost:

Frau Rossellini, wie schön, Sie wiederzusehen!

Isabella Rossellini:

Danke, ich bin immer wieder gerne hier. Letztes Jahr leider nicht. Ich dachte nur: "Komisch, es ist Februar. Und ich bin gar nicht in Berlin! Was ist los?"

Sie kennen Berlin aber auch als Drehort...

Stimmt, ich habe hier Anfang der Neunziger "...und der Himmel steht still" mit John Schlesinger gedreht, unter anderem auf dem Flughafen Tempelhof, und vorletztes Jahr "Huhn mit Pflaumen".

Und jetzt sind Sie gleich in vierfacher Mission auf dem Festival. Lassen Sie uns mit "Mammas" beginnen. Wie kam es dazu?

Das war im Grunde ein natürlicher Prozess. Wenn man älter wird, gibt es als Schauspielerin immer weniger gute Rollen, zumindest keine Hauptrollen. Man hat plötzlich viel mehr Zeit. Als ich anfing, mit dem Filmemacher Guy Maddin zu arbeiten, sah ich, dass er mit einer sehr kleinen Crew und wenig Budget arbeitete. Das inspirierte mich. Wir drehten zusammen den Kurzfilm "Mein Papa ist 100 Jahre alt" über meinen Vater, den Regisseur Roberto Rossellini. Ich habe das Drehbuch geschrieben und auch alle Rollen gespielt. Das war das Sprungbrett für mich, eigene Filme zu drehen. Und weil mich Biologie fasziniert, geht es jetzt in "Mammas" um den Mutterinstinkt in der Natur und wie sich verschiedene Tierarten um ihren Nachwuchs kümmern.

Sie schlüpfen dabei selbst in Tierkostüme, was sehr komisch ist...

Ich wünsche mir zwei Reaktionen: dass die Zuschauer lachen und dass sie etwas lernen. Es musste wissenschaftlich absolut korrekt sein, sonst funktioniert der Humor nicht. Weibliche Tiere haben oft hervorragende Managementfähigkeiten. Wenn Hamsterweibchen zum Beispiel zu viele Junge hat, selektiert sie, wie viele sie ernähren kann. Aber nicht nur das, sie frisst auch noch die anderen auf, um nicht auch noch auf Nahrungssuche gehen zu müssen. Und das zeige ich dann.

Verkleiden Sie sich gerne?

Ich will vor allem Spaß haben, bei dem was ich tue. Es gibt hervorragende Tierfilme. Aber kaum etwas mit Humor. Und wenn ich Biologiebücher lese, finde ich vieles rasend komisch. Und das will ich mit anderen teilen. Wissenschaft kann auch Spaß machen! Ich bekomme so viele Mails und Briefe von Lehrern, die mir schreiben, dass sie meine Kurzfilme im Unterricht zeigen. Vorher hieß es immer, meine früheren Kurzfilme über Fortpflanzung seien zu gewagt, aber ich habe die Natur ja nicht erfunden. Und jetzt werden Sie im Sexualkundeunterricht gezeigt!

Neben der Mutterliebe gibt es auch die Liebe der Kinder. In "Mammas" huldigen Sie in einer kleinen Szene ihrer Mutter Ingrid Bergman, auf der Berlinale präsentieren Sie außerdem ihren Film "Casablanca".

2015 wäre sie 100 Jahre alt geworden. Dazu bereiten wir eine Ausstellung, einen Bildband und vieles mehr vor, um Mamma zu feiern. "Casablanca" war natürlich sehr wichtig für sie. Sie hat immer gesagt: "Selbst wenn ich nur 'Casablanca' gemacht hätte, wäre ich genauso berühmt geworden." Der Film wurde ja eigentlich erst in den Sechzigern wiederentdeckt und zu dem Klassiker, der er heute ist.

Was haben Sie von ihr gelernt?

Oh, das ist schwer. Der Einfluss meiner beiden Eltern ist sehr stark, ich kann das gar nicht so genau benennen. Durch sie kam ich zum Film, wegen ihnen wollte ich schauspielen und Regie führen.

Was wiederum haben Sie an Ihre eigenen Kinder weitergegeben?

Meine Tochter ist Model, wie ich früher, und interessiert sich sehr für Mode. Ich habe auch mal Kostümdesign studiert, bevor ich Schauspielerin wurde. Mein Sohn ist noch recht jung, 19 Jahre, er will einmal Tierfilme drehen. Der Apfel fällt also nicht weit vom Stamm.

Am Sonnabend erhielten Sie die Berlinale-Kamera. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Es ist eine große Ehre, auf ein Festival eingeladen zu werden, das Filme aus aller Welt zeigt und so vielen Künstlern eine Öffentlichkeit verschafft. Und die Berlinale hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen, weil ich hier zum ersten Mal als Filmemacherin ernst genommen wurde. Als ich die Idee hatte, diese Kurzfilme zu machen, haben mich viele entgeistert angeschaut. "Warum willst du dich als Wurm verkleidet vor eine Kamera stellen?" Die meisten haben das nicht verstanden. Die Berlinale hat es dagegen mit Begeisterung aufgenommen. Durch diese Akzeptanz erst habe ich das Selbstvertrauen gefunden zu sagen: Ich bin Regisseurin. Es brauchte das Festival, um in den Augen der anderen nicht mehr bloß das Model oder die schauspielernde Schönheit zu sein. Die Berlinale hat mir geholfen, diese Verwandlung zu machen. Und das Festival hilft so vielen anderen, auch Experimentalfilmern, deswegen bin ich so stolz auf diesen Preis.

Wie erlebten Sie die Berlinale, als Sie vor zwei Jahren Jury-Präsidentin waren?

Ich habe es geliebt! Ich würde den Job am liebsten jedes Jahr machen. Okay, ich muss nicht immer der Boss sein, aber zumindest in der Jury sitzen. Jetzt bin ich nur vier Tage hier und komme gar nicht dazu, andere Filme zu sehen.

Hier am Potsdamer Platz, im Museum für Film und Fernsehen, ist auch gerade eine Ausstellung Ihres Ex-Mannes Martin Scorsese zu sehen...

Oh, ja. Die schaue ich mir am Sonntag an!

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