09.02.13

Berlinale

Matt Damon liebt Berlin, auch wenn es kalt und garstig ist

In den USA ist Damons neuer Film "Promised Land" gefloppt. Und auf der Berlinale lässt ihn George Clooney hängen. Ein Treffen.

Von Thomas Abeltshauser
Foto: picture alliance / AP Images/pic

Er will niemandem vorschreiben, wie er sein Leben führen soll: Dennoch pocht Matt Damon in Berlin darauf, dass man sich engagieren muss
Er will niemandem vorschreiben, wie er sein Leben führen soll: Dennoch pocht Matt Damon in Berlin darauf, dass man sich engagieren muss

Es ist früher Morgen. Matt Damon sieht etwas angeschlagen aus, als er im Hotel de Rome zum Interview erscheint. Der Hollywoodstar ist in der Stadt, um das Ökodrama "Promised Land" zu präsentieren. Er lässt sich ein Glas Wasser bringen,um eine Brausetablette darin aufzulösen. Er blickt auf und lächelt tapfer. Die Berliner Morgenpost hat mit dem 42-Jährigen gesprochen.

Berliner Morgenpost: Guten Morgen, Mister Damon. Lange Nacht gehabt oder noch Jetlag?

Matt Damon: Ich fürchte, eine schnöde Erkältung. Berlin im Februar…

Können Sie eigentlich noch zählen, wie oft sie schon in der Stadt waren?

Das wird schwierig. Vor zehn Jahren habe ich hier gedreht, da habe ich ein halbes Jahr in der Stadt verbracht. Zum Festival kam ich zum ersten Mal mit "Der Talentierte Mr. Ripley", glaube ich. Und dann die ganzen Filmpremieren. Zehn, 15 Mal. 30. Sehr oft jedenfalls.

Was bringt Sie trotz des Wetters im Februar auf die Berlinale?

Die Atmosphäre hier ist entspannter, nicht so hektisch wie die anderen großen Festivals. Und es macht einfach mehr Spaß. Vielleicht liegt es daran, dass bei uns das Oscar-Rennen schon gelaufen ist und die Leute in Hollywood alle so ausgebrannt sind und nicht kommen. Die wenigen, die doch kommen, wissen, warum es hier so toll ist, und genießen es. Vielleicht fühlt es sich aber auch nur für mich so an, weil ich Berlin so liebe.

Ihren neuen Film "Promised Land" haben Sie zusammen mit John Krasinski geschrieben, produziert und gespielt. Lange Zeit wollten Sie auch selbst Regie führen, die sie dann aber an Gus van Sant abgegeben haben. Haben Sie sich übernommen?

Ich musste mich am Ende schweren Herzens von der Idee verabschieden, ihn auch noch zu inszenieren. Aber ich habe diese Entscheidung aus den richtigen, persönlichen Gründen getroffen. Ich war zuvor lange wegen Dreharbeiten weg. Als ich in meinem Terminkalender sah, merkte ich, dass ich zwei Wochen später schon wieder los müsste, um die Produktion vorzubereiten. Das hätte ich meinen vier Töchtern nicht antun können. John scherzte später, mein bester Beitrag als Produzent sei es gewesen, mich als Regisseur zu feuern.

Hatten Sie sich beide, als Sie das Drehbuch verfasst haben, bereits als Hauptdarsteller im Kopf?

Ja, aber das hatte vor allem mit meinem Wunsch zu tun, Regie zu führen. Wie mein Kumpel Ben Affleck aus "Argo" weiß, gibt es bei einem eigenen Film keinen Schauspieler, der bereit wäre, für weniger Gage zu arbeiten als man selbst.

Sie engagieren sich für diverse Hilfs- und Umweltprojekte. Sehen Sie Ihren Film über Fracking als Teil dieser Arbeit?

Wir wollten eigentlich gar keinen Film darüber machen, anfangs ging es um Windfarmen. Wir wollten die amerikanische Identität beleuchten, wo wir heute stehen und wie wir Entscheidungen treffen. Denken wir an das Gemeinwohl, an künftige Generationen oder nur an den eigenen Profit? Das Thema war nur der Katalysator. Und bei den Windfarmen kamen wir bei der Recherche irgendwann darauf, dass wir völlig falsche Vorstellungen hatten und unsere Geschichte so nicht funktioniert. Also mussten wir ein neues Thema suchen. John meinte dann: Erdgas. Und er hatte Recht. Kaum ein Umweltthema polarisiert derzeit mehr.

Hat der Film die Debatte über die Förderungspraktiken angeheizt?

Die gibt es ohnehin, ich glaube nicht, dass der Film damit etwas zu tun hat. Es geht uns ja auch nicht ums Fracking, sondern um eine Kleinstadt und deren Bewohner, die darüber entscheiden, ob sie das zulassen wollen oder nicht. Wir wollen und können keine Antwort dazu geben, uns ging es letztlich um bürgerliches Engagement. Wer sich nicht engagiert, lässt zu, dass andere die Entscheidungen für einen treffen. Wenn der Film eine Message hat, dann ist es diese.

Viele Ihrer Filme handeln von diesem Engagement.

Aber das mache ich nicht bewusst. Wie bei jedem anderen Schauspieler muss mich das Drehbuch ansprechen. Und vielleicht ziehen mich solche Geschichten an. Aber ich habe nicht die Absicht, jemandem vorzuschreiben, wie er sein Leben zu führen hat.

Glauben Sie, Filme können etwas verändern oder zumindest politisches Bewusstsein schaffen?

Das können sie, ich bin mir nur nicht sicher, ob dieser es tun wird.

Sie zweifeln an Ihrem eigenen Film?

Nun, er ist in den Vereinigten Staaten ziemlich gefloppt. Und ich weiß nicht, wie er hier ankommen wird. Er braucht gute Kritiken als Unterstützung, sonst ist er verloren.

Warum, glauben Sie, ist er in den USA so schlecht gelaufen?

Da fragen Sie den Falschen. Ich habe keine Ahnung. Ich habe ihn gemacht, deswegen bin ich da parteiisch. Ich mag ihn wirklich. Aber das Publikum hat nicht angebissen. Wenn man Optimist ist, würde man sagen: Er kam zum falschen Zeitpunkt. Oder die Werbekampagne war falsch. Aber es kann auch ganz einfach sein, dass die Leute ihn nicht mochten. Die Möglichkeit besteht, aber wenn man einen Film macht, ist man der letzte, der das einschätzen kann. Was jetzt in Europa mit dem Film passiert, keine Ahnung. Wir werden sehen.

Wie lange haben Sie am Drehbuch geschrieben?

Ein paar Monate. Dann hatten wir eine erste Fassung, die ich Frances McDormand schickte, weil wir sie von Anfang von für die Rolle im Kopf hatten. Nein, Moment. Ich habe ihr nicht das Buch geschickt, sondern eine Mail, das ich ein Script habe, das ich verfilmen will, ob ich es ihr schicken dürfte. Sie meinte, so was macht sie nicht. Ich soll es ihr vorbeibringen. Also habe ich es ausgedruckt und persönlich abgeliefert, zum Glück wohnen wir in New York nur ein paar Blocks voneinander entfernt. Am nächsten Tag hatte ich eine Mail von ihr: Ich bin dabei! Das bedeutete uns viel, denn sie war der erste richtige Schauspieler, der es las und offenbar gut fand.

"Promised Land" ist der neueste in einer ganzen Reihe von politischen Filmen, die aus den USA kommen. Ist das eine Rückkehr zum New Hollywood der Siebziger?

Im Gegenteil. Wir gehen genau in die andere Richtung. Ich wünschte, Sie hätten Recht, aber es wird immer schwieriger, solche Filme zu machen. Und immer weniger Leute wollen sie sehen. Was jetzt alle wollen, sind diese 200-Millionen-Dollar-Blockbuster, die man in 3D ins Imax-Kino bringen kann. Und es ist auch für Schauspieler leichter, ein Angebot für solche Projekte zu bekommen, als für einen Film wie unseren. Die interessanten Sachen wandern alle ins Fernsehen ab.

Gibt es eigentlich einen Wettbewerb zwischen Ihnen und Ihrem Jugendfreund Ben Affleck, mit dem sie für "Good Will Hunting" einen Drehbuch-Oscar gewonnen haben und der dieses Jahr für "Argo" als einer der Favoriten gilt?

Nein, einfach weil ich es noch nicht auf den Regiestuhl geschafft habe. Ich freue mich sehr für ihn. Spätestens seit er vor zehn Jahren von den Medien durch den Dreck gezogen wurde, tat er mir einfach nur noch leid, da hat sich sogar das mit der freundschaftlichen Konkurrenz erledigt. Aber eigentlich schon vorher, als im Sommer 2002 "Die Bourne Identität" mit mir und "Der Anschlag" mit Ben rauskam, die beiden größten Produktionen, in denen wir je mitspielten und bei denen ein Riesendruck auf uns lastete. Wir wollten damals einfach nur den Sommer überleben. Der Konkurrenzdruck in der Branche ist so schon hart genug, daran gewöhnt man sich nicht. Und da muss man sich dann unter Freunden nicht auch noch Druck machen.

Als nächstes spielen Sie in Steven Soderberghs Filmbiografie über den Entertainer Liberace den Liebhaber von Michael Douglas. Klingt recht gewagt.

Auf den Film bin ich sehr stolz. Es gibt darin Szenen, die so intim sind, dass man das Gefühl hat, man sollte nicht dabei sein, selbst wenn es ein Mann und eine Frau wären. Aber es sind zwei Männer! Die Dynamik ihrer Beziehung ist sehr schön festgehalten, das ganze Auf und Ab. Ich finde ihn großartig. Aber was weiß ich schon!

Sie haben sich vor drei Tagen mit George Clooney zum Essen im Grill Royal getroffen. Bei Ihrer Premiere wollte er Sie aber auf dem roten Teppich nicht unterstützen?

Er ist leider vorgestern nach England geflogen, um Locations für seinen Film zu suchen.

>>>Alles über die 63. Berlinale lesen Sie in unserem Special.<<<

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