08.02.13

Berlinale-Filmkritik

"Promised Land" - verkaufen Sie Matt Damon kein Grundstück!

Im Wettbewerbsbeitrag "Promised Land" spielt der Hollywoodstar einen Bauernfänger, der für einen rücksichtslosen Energieriesen arbeitet

Foto: Invision

Mit Hollywoodstar Matt Damon und dem Österreicher Ulrich Seidl hat bei der 63. Berlinale das Rennen um die Bären begonnen
Mit Hollywoodstar Matt Damon und dem Österreicher Ulrich Seidl hat bei der 63. Berlinale das Rennen um die Bären begonnen

Ein Kosslick-Film lässt sich auf eine einfache Formel bringen: 1 Star + 1 (Reiz-) Thema. Dazu gerne noch 1 Gutmenschenbonus. Der Film muss dann gar nicht besonders kinematographisch, auch nicht unbedingt gut sein. Nur eben ein Thema haben, über das man trefflich diskutieren kann. Und einen Star, der dafür auf den Teppich kommt.

Einer der Tiefpunkte in dieser Hinsicht war einmal "Bordertown", der nicht nur wegen Jennifer Lopez eingeladen wurde, sondern auch wegen des Themas Mädchenmissbrauch in Mexiko. Der Berlinale-Chef wollte den Film dezidiert wegen seines Themas; im Berlinale-Palast wurde er dann unter Hohngelächter niedergebuht.

"Promised Land" ist nicht "Good Will Hunting"

Gus Van Sants "Promised Land" ist glücklicherweise kein "Bordertown". Aber es ist auch kein Meisterwerk wie sein "Good Will Hunting", der vor 15 Jahren auf der Berlinale lief und Matt Damon einen Silbernen Bären einbrachte.

Jetzt sind beide wieder in der Stadt, mit einem "Film über Fracking". So hat es Dieter Kosslick angekündigt. Fracking, das ist die höchst umstrittene Methode zur Erdgasgewinnung, bei der hochgiftige Chemikalien verwendet werden. Aber "Promised Land" ist so wenig der Film zum Fracking, wie Tom Tykwers "The International" – auch so eine Kosslick-Werbung – der Film zur Bankenkrise war.

Die Anklage verpufft

Richtig ist: Matt Damon spielt hier einen Mann namens Steve, der im Auftrag eines riesigen Energiekonzerns in die Provinz geht, um arme Farmer zu überreden, ihr Land zu verkaufen. Zur Erdgasgewinnung.

Steve war selbst mal ein Farmer, er versteht die Leute, kennt ihr Leid, dass das Land nicht genug abwirft. Er ist einer von ihnen. Und sie vertrauen ihm. Bis ein junger Umweltaktivist (John Krasinski) auftaucht und die Farmer gegen ihn aufstachelt. Ja, an dieser Stelle wird auch über Fracking aufgeklärt.

Matt Damon hat das Drehbuch mit Krasinski geschrieben. Ihre Geschichte kommt nur schwer in Gang, verläuft ziemlich vorhersehbar und ist von Gus Van Sant eher routiniert denn engagiert inszeniert. Irgendwann überkommen Steve Gewissensbisse, da traut er seiner eigenen Propaganda nicht mehr. Das Herz des Films pocht also an der richtigen Stelle. Die Anklage dahinter aber verpufft.

Termine Haus der Festspiele, heute, 20.45 Uhr; Friedrichstadtpalast, heute, 12 Uhr, 15.2., 22.45 Uhr und 17.2., 15.45 Uhr

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