07.02.13

Werkstatt-Besuch

So werden die Berlinale-Bären gemacht

Christiane Reum von der Gießerei Noack ist die Bären-Macherin der Berlinale. Sie schweißt, schleift und punziert für das große Finale.

Von Sören Kittel
Foto: Massimo Rodari
Berlinale Bären in der Giesserei Noack
Foto Massimo Rodari
Berlinale Bären in der Giesserei Noack Foto Massimo Rodari

Zi-se-lie-ren. Du ziselierst, er ziseliert, sie ziselieren. Wenn man das Wort nur oft genug ausspricht oder liest, geht es nach einer Weile ganz leicht über die Lippen. Ein Ziseleur zum Beispiel denkt gar nicht mehr darüber nach, dass es vielleicht Menschen gibt, die seine Berufsbezeichnung noch gar nicht kennen.

Der Ziseleur nimmt halt eine Punze (noch so ein Wort, das ist ein kleiner gehärteter Stahlstab) in die linke und den Hammer in die recht Hand und beginnt das Ziselieren. Es ist das "Nacharbeiten der Oberfläche eines Metallobjekts, um die Struktur des Originalmodells wieder herzustellen". So heißt es in der Fachsprache. Für die Berlinale-Bären macht das Ziselieren in diesem Jahr Christiane Reum, die Ziseleurin in der Gießerei Noack in Charlottenburg.

Die 28 Jahre alte Thüringerin spannt also den Berlinale-Bären in den Schraubstock ein, setzt die Punze an und schlägt. Der Effekt ist, dass sich an der Stelle, wo die Punze auf den Bären trifft, eine kleine Vertiefung bildet. Sie setzt wieder an und schlägt noch einmal mit dem Hammer.

Hunderte Male muss sie das machen, ungefähr vier Stunden pro Bär. Wenn man dann mit dem Mikroskop über die Bärenhaut gleiten würde, könnte man Unterschiede erkennen. Aber die Ziselierkunst besteht darin, es zu schaffen, dass diese Unterschiede nicht zu erkennen sind.

In das Bärengesicht schauen

Christiane Reum mag ihre Arbeit. "Ziselieren ist ja nicht nur das Schlagen", sagt sie, "der Ziseleur muss auch die Löcher verschweißen, die Bodenbefestigung vorbereiten und schließlich auch die Gravur später einschlagen." Das ist dann wieder eine Arbeit, die mit Punzen gemacht wird, sie hat dafür eine ganze Punzensammlung im Regal.

"Wir lesen die zum Glück immer Korrektur, so dass sich niemand verschreibt." Am schwierigsten sei der Mund, sagt sie. Der sei oft zusammengewachsen und da müsse sie sehr vorsichtig vorgehen. "Wer den Bären in der Hand hat, schaut ihm schließlich zuerst ins Gesicht."

Seit 62 Jahren wird der Berlinale-Bär in der Bildgießerei Noack gegossen. Hermann Noack IV führt den Familienbetrieb in der vierten Generation. Vor knapp drei Jahren ist die Werkstatt von Schöneberg nach Charlottenburg gezogen. Dort ist wieder mehr Platz für die Großprojekte, aktuell mehrere meterhohe Damen von Georg Baselitz, einen 10 Meter Baum von Vera Röhm und 14 Büffel von Jos Pirkner.

Die Büffelherde sollen eines Tages aus der Firmenzentrale von Red Bull in Österreich gerannt kommen. Jeder der Büffel wiegt eine Tonne, aber das soll man ihnen später nicht ansehen. Es geht ja um Flügel, die verliehen werden sollen.

Punze links, Hammer rechts

Aber solche Großprojekte muss Christiane Reum selten ziselieren. Sie kümmert sich – Punze links, Hammer rechts – eher um kleinere Projekte und manchmal Abends nach der Arbeit schafft sie noch ihr eigene Kunst. Für die Silberhochzeit ihrer Eltern hat sie vor zwei Jahren einen Metall-Engel selbst gestaltet.

So konnte sie einmal alle Abteilungen kennenlernen, die auch ein Berlinale-Bär in der Bildgießerei Noack vor seiner Verleihung durchlaufen muss: Gießen, Abschlagen, Schweißen, Schleifen, am Ende Wachsen und Polieren – und dazwischen natürlich: Ziselieren.

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