03.02.13

Filmfestival 2013

Die Berlinale von A bis Z - was Sie wissen müssen

Wo steigen Stars ab? Worüber unterhält man sich? Wie bewegt man sich durch den Festspiel-Dschungel? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Von Philip Cassier
Quelle: BMO
28.01.13 1:29 min.
Im Bären-Wettbewerb sind dieses Mal besonders viele Filme über das Schicksal von Frauen zu finden. Auch Osteuropa ist stark vertreten.

A wie Abend, der: Tageszeit, die zu Berlinale-Zeiten besonders interessant ist. Erstens laufen da viele Filme, zweitens ist die Frage, wer wann danach wo mit wem zusammensitzt und was sich daraus entwickeln könnte. Ein absolut sicherer Tipp dieses Jahr: Die "King Size"-Bar am Oranienburger Tor (Mi-Sbd.). Wenn Sie reinkommen.

B wie Bond, James: Britischer Geheimagent, der im Jahr 2012 die Olympischen Spiele von London eröffnen, die Welt retten und zu sich selbst finden musste. Taucht also wahrscheinlich nicht auf. Interessant wird sein, wie viele männliche Darsteller im Slim-fit-grey-suite-Anzug rumlaufen, wie ihn Daniel Craig in "Skyfall" trug. Der Stil ist zwar nicht britisch, war aber trotzdem zuletzt selbst im U.K. der absolute Bringer.

C wie Charolais, das: Französische Rinderrasse mit großrahmigem Wuchs und stark ausgeprägter Muskulatur, was für wunderbar saftiges Fleisch bürgt. Bis weit in die Nullerjahre hinein war es alles andere als hip, sich Steaks einzuverleiben, dann eröffnete im Jahr 2006 der "Grill Royal" in der Friedrichstraße 105 b und plötzlich war alles anders. Charolais gilt neben Wagyu (fetthaltiger, auf japanische Art hochgezogen), als der Appetitbrocken überhaupt, da mag der Grill inzwischen auch nicht mehr ganz neu sein. Hat sich unter ausländischen Stars nicht rumgesprochen, deshalb könnten da welche auftauchen.

D wie Dankesrede, die: Hier ein paar universal gültige rhetorische Bausteine, aus denen sich ratzfatz eine schmissige Replik auf die Ovationen nach Gewinn eines Hauptpreises schmieden lässt: "O mein Gott, ich kann es nicht fassen, wirklich, nein, ich habe gewonnen? Das kann nicht euer Ernst sein!" – "Es war ein ganz besonderer Film für mich, weil…" – "Wir waren völlig fertig und konnten nicht mehr weiter, aber dann kam Benny/Julia/Muhammad mit dieser Idee – und da wussten wir: Das hier wird wirklich groß." – "Gerade diese Auszeichnung beweist, wie kosmopolitisch Berlin und Deutschland geworden sind." – "Ich liebe euch."

E wie Eintrittskarten, die: Der Vorverkauf beginnt am Montag, den 4. Februar. Täglich von 10 bis 20 Uhr kann man Karten bei folgenden Adressen erstehen: In den Potsdamer Platz Arkaden, Alte Potsdamer Straße 7, im Kino International, Karl-Marx-Allee 33, und im Haus der Berliner Festspiele, Schaperstraße 24. Der Verkauf der Karten gilt jeweils für drei Tage im Voraus, für Wettbewerbswiederholungen vier Tage. Am Tag der Vorstellung gibt es Eintrittskarten nur an den Kinokassen. Alles Weitere: www.berlinale.de

F wie Friedrichstadtpalast, der: Revuetheater in der Friedrichstraße, das mit dem frohgemuten Slogan "Europe's Show Palace" wirbt und dem man seine DDR-Plattenbauweise inzwischen fast gar nicht mehr ansieht. Zur Berlinale eines der größten Kinos des Festivals.

G wie Goldener Bär, der: Kennen Sie Paolo und Vittorio Taviani? "Cäsar muss sterben"? Okay, miese Frage, aber die beiden gewannen im vorigen Jahr die Trophäe im Wettbewerb. Dieses Jahr bewerben sich 19 Filmemacher um den Goldenen Bären.

H wie Hotellerie, die: Prosperiert während des Festivals. Im "Regent" am Gendarmenmarkt steigen beispielsweise Ethan Hawke, Julie Delpy und Jeremy Irons ab. Das "Hyatt" am Potsdamer Platz ist ebenfalls eine Adresse, die Stars zu Berlinalezeiten gern aufsuchen. Nur bedingt zu empfehlen ist die Methode, am Haupteingang herumzulungern, wenn man einen Blick erhaschen möchte. Wirklich prominenten Menschen gelingt es sowieso, durch irgendeinen Hintereingang zu verschwinden. Aber was soll's denn: George Clooney hält im "Soho House" in der Torstraße Hof, Matt Damon wohnt im "Hotel de Rome".

I wie Idiosynkrasie, die: Besonders als Adjektiv ein treuer Begleiter durch cineastische Diskussionen: "Irgendwie beklemmend und höchst idiosynkratisch, die Kamera." Man könnte sagen: Eigentümliche Art der Kameraarbeit. Macht aber nicht halb so viel Spaß.

J wie Jäger nach Autogrammen: Viele Prominente haben ein sehr gespaltenes Verhältnis zu dieser Spezies. Einerseits erscheint es nachvollziehbar, dass man sie nicht in der Nähe haben möchte, wenn man einfach mal eine Tasse Kaffee trinken möchte. Andererseits – wenn sie einen nicht mehr fragen oder erkennen, dann kann man völlig einpacken, dann ist man ja nicht mehr prominent. Siehe auch Hotellerie.

K wie Kosslick, Dieter: Der Berlinale-Chef bringt jedes Jahr Glam und Glitter in die Hauptstadt.

L wie Liebe, die: Wie oft auf der Leinwand während einer Berlinale geliebt wird, ist leider nicht zu ermitteln. Wir hoffen, oft.

M wie Metropole, die: Wort, das wir im Zusammenhang mit Berlin und der Berlinale aus dem Mund von Berlinern nie mehr hören wollen.

N wie normal: Man kann auch einfach so ins Kino gehen. Ehrlich, ganz normaler Betrieb, "Django Unchained" von Quentin Tarantino und so.

O wie Oscar, der: Unbedeutender Filmpreis, der irgendwo in Amerika verliehen wird. Nur Spaß.

P wie Presse, die: 3838 Journalisten aus allen Sparten waren 2012 akkreditiert. Manche kommen, um zu berichten, der Rest feiert einfach mal mit.

Q wie Quallen, die: Gibt es nicht auf der Berlinale, kann man aber im Aquarium im Zoo, Budapester Straße 32, sehen. Nach zu viel Filmen eine überaus entspannende Erfahrung.

R wie Rebecca von Alfred Hitchcock: Eröffnungsfilm der ersten Berlinale am 6. Juni 1951. Wie alles von Hitch dringend für einen ausgeruhten DVD-Abend zu empfehlen.

S wie Smalltalk, der: Gute Themen sind das Wetter, die Garderobe, das Essen, die Getränke sowie anwesende und abwesende Personen (muss nicht immer nett sein). Verbotene Themen: Geld, Krankheit, Krieg, Katastrophen, soll ja alles heiter und flockig sein hier.

T wie Themen, die: Die Berlinale hat viele Sektionen. Das Kulinarische Kino beschäftigt sich mit Film und Garten, die Generation 2013 mit Erhöhten Geschwindigkeiten. Hingehen, rausfinden, was gemeint ist.

U wie Untertitel, der: Sollten Sie irgendwo den Satz "Ich sehe usbekische Problemfilme ja nur im Original ohne Untertitel" hören, sind Sie im falschen Film.

V wie Vergangenheit, die: Die Retrospektive steht dieses Jahr unter dem Motto "The Weimar Touch" und zeigt Einflüsse des Films aus der Weimarer Republik auf die internationalen Filmschaffenden nach 1933 auf. "Casablanca" wird auch gezeigt. Sieh an.

W wie Wiener Schnitzel, das: Klassiker auf den Restaurantkarten der deutschen Hauptstadt. Das "Borchardt" in der Französischen Straße 47 mag nicht mehr allein regieren, aber es ist immer noch eine gute Adresse, um während der Berlinale ein bisschen beim Essen rumzugucken.

XY gibt's nicht, deswegen noch einmal zu E, wie European Film Market: Fachmesse im Martin-Gropius-Bau, bei der die Filmindustrie über Filmeinkäufe verhandeln. Was aus Europa eignet sich für Asien? Diese und ähnliche Fragen werden erörtert. Nicht öffentlich, wächst noch schneller als eigentliche Festival. Enorm wichtig für die Filmwirtschaft.

Z wie Zahlen, die: Mit mehr als 299.000 verkauften Eintrittskarten und etwa 444.000 Kinobesuchern insgesamt (inklusive akkreditierter Fachbesucher) ist die Berlinale das größte Publikumsfestival der Welt. Ein schöner Superlativ zum Schluss.

Quelle: Mitarbeit: Jan Draeger, Caroline Rudelt
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