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Abschlussfilm der Berlinale

"Eden à l'Ouest" - Schlechte Welt, aber Rettung naht

Was für ein Drecksloch ist doch diese Welt. Was, fragt sich Elmar Krekeler am Ende dieses Schlechtfühlwettbewerbs um den Goldenen Bären wieder ernsthaft. Der Morgenpost-Online-Redakteur über den Abschlussfilm der Berlinale des griechischen Regisseurs Costa-Gavras.

Riccardo Scamarcio
Foto: Berlinale 2009
Riccardo Scarmarcio als Mann ohne Pass in Costa-Gavras neuem Film

Was hat man eigentlich verbrochen in seinem früheren Leben, um zu verdienen, in so ein unheilbares Elend geworfen zu sein, wie es immer wieder aufs Neue vorgeführt wird. Costa-Gavras, der einst aus Griechenland nach Frankreich geflohene Filmregisseur, kennt all das Elend dieser Welt. Und er hat dagegen angefilmt, als die mal mehr, mal weniger hilflosen neuen Agitprop-Helden von „Deutschland 09“ noch brav vor der Super-8-Kamera ihres Vaters im Swimmingpool herumplantschten.

Jetzt muss er das nicht mehr. Und das macht „Eden à l'Ouest“ – seinen neuen Film, den er als seinen persönlichsten bezeichnet, weil er auch seine Geschichte erzählt – zu einem erstaunlich entspannten, menschlichen, aber nicht weniger politischen, nicht weniger bewegenden Abenteuer.

Es ist die Geschichte von Elias (Riccardo Scamarcio, der dafür mehrere Bären bekommen sollte), der sich in einen Alias verwandelt, einen sans papier, einen Pass- und Schicksallosen. Er will nach Paris. Er springt von einem Seelenverkäufer ins Meer. Aus welchem Land er kommt, weiß man nicht, Costa-Gavras hat ihm eine Fantasiesprache erfunden. Am Nacktstrand eines Luxusressorts namens Eden wird er an Land gespült und landet von Entdeckung und Abschiebung bedroht, in den aufnahmebereiten Armen einer Deutschen (Juliane Köhler).

Diese Mechanik setzt sich fort. Immer wieder muss der anfangs fast stumme Elias durch seine chaplineske Tramp-Odyssee rennen, seinen überschaubaren Besitz retten, flüchten, immer findet er Hilfe. Die Welt ist schlecht für die ohne Papiere, aber Rettung lauert überall. Nicht sehr uneigennützig häufig, ausbeuterisch regelmäßig, aber auch des öfteren ganz einfach menschlich, fast zärtlich.

Costa-Gavras findet immer die richtige dramaturgische Balance. „Eden à l'Ouest“ beschönigt nichts, entgeht dem Kitsch. Und so endet die Geschichte von Elias Alias an der Seine und im Märchen, wir aber haben – das ist das nicht kleine Wunder dieses Films – trotzdem kein bisschen den Nachgeschmack von Süßstoff im Hals.

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