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Wettbewerbsfilm "La Teta Asustada"

Eine Frau versucht die Angst wegzusingen

Es ist in erster Linie ein rätselhafter Film, den Claudia Llosas zum Berlinale-Wettbewerb beisteuert. "La Teta Asustada" erzählt von einer angsterüllten Frau. Es ist ein Film voller Symbole, Tragik und Gesang, derdem Zuschauer viel abverlangt.

Marino Ballon, Magaly Solier
Foto: AP
"La Teta Asustada" spielt viel mit Symbolen

Es wird sehr viel gesungen in diesem Film, und es ist alles Andere als fröhlich, was Fausta (Magaly Solier) und deren alsbald vor unseren Augen sterbende Mutter aus ihren Lippen entlassen: Erfahrungen von Vergewaltigung und Tod und Demütigung, die die eine als schwangere Frau und die andere als ihr noch ungeborenes Baby vor etwa gut 20 Jahren erfahren haben. Die Erlebnisse ihrer Mutter hat Fausta mit deren Milch, der „Milch des Leids“ aufgesogen, das sagt zumindest ihr ratloser Onkel Lucido (Marino Ballón) gegenüber dem Arzt – weshalb sie jetzt als erwachsene Frau unter Angstzuständen leidet und sich dabei vor lauter Verzweiflung eine Kartoffel in die Vagina gesteckt hat, um sich vor Eindringlingen jeder Art zu schützen.

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Man muss sich schon auf dieses Spiel mit drastischen Symbolen und gewissen Leerstellen in der Handlung einlassen, um Claudia Llosas rätselhaften Film „La teta asustada“ („Milch des Leids“) zu verstehen. Eine peruanisch-spanische Coproduktion, die sich mit den Schatten der Vergangenheit beschäftigt, ohne diese auch nur ansatzweise zu benennen: Nämlich dem Terror der Guerillaorganisation „Leuchtender Pfad“, der zwischen 1980 und 2000 in Peru 70.000 Tote und ungezählte vergewaltigte Frauen zum Opfer fielen. Claudia Llosas Film über die Folgen des Guerilla-Terrors ist da so unzugänglich wie die kahlen Wüstenberge eines Vorortes von Lima, in dem sie die Handlung positioniert. Oberflächlich geht es darum, dass Fausta sich als Haushälterin bei einer Konzertpianistin verdingen muss, um die Überführung der Leiche ihrer Mutter in deren Heimatdorf zu bezahlen. Aber das ist nur ein Anker, um ihre Angst wegzusingen, mit dem dortigen Gärtner höchst bedeutungsvoll Blumen umzutopfen oder ein aus dem Fenster geworfenes Klavier zu verbrennen.

So sehen wir schwersymbolische Stationen einer Initiation, und wenn Claudia Llosa immer wieder Aufnahmen fröhlicher Hochzeitsgesellschaften dagegenschneidet, dann zeigt sie, wo das Leben hingehen kann, wenn die Angst erstmal weggesungen ist. Aber bis sie das endlich ist, bis dahin hat Claudia Llosa ihrer Heldin und uns Zuschauern Einiges an Geduld und Leidensfähigkeit abverlangt.

Friedrichstadtpalast, 13. Februar, 9.30 Uhr und 18 Uhr

Urania, 13. Februar 20 Uhr

Friedrichstadtpalast, 15.2. 20.30 Uhr

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