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11.02.09

Wettbewerbsfilm

"Notorious" - Edel sei der Rapper, wortreich und gut

US-Regisseur George Tillman Jr. hat auf der Berlinale seine Filmbiografie "Notorious" über den New Yorker Rapper Christopher Wallace alias Notorious B.I.G. vorgestellt. Der Film läuft im Wettbewerb - aber außer Konkurrenz.

© AP
Derek Luke, Jamal Woolard
Luke Jamal (l.) und Jamal Woolard im HipHop-Film "Notorious"

Gut möglich, dass der in Musikkreisen stets anerkennend gemeinte Ausdruck "fette Beats" auf Christopher Wallace zurückgeht, der sich unter anderem Biggie Smalls und Notorious B.I.G. nannte. Der Mann aus Brooklyn war 1,90 Meter groß und wog zwischen 140 und 160 Kilo. Seine Mutter, tapfer gespielt von Angela Bassett, nennt ihren groß gewachsenen Bären immer Chrissy-Pooh.

Von diesem Gegensatz lebt der Film "Notorious" über den berüchtigten Gangsta-Rapper, der 1997 mit 24 Jahren in den HipHop-Auseinandersetzungen zwischen Ost- und Westküste erschossen wurde, sechs Monate nach dem Tod seines Kontrahenten Tupac Shakur. Notorious macht Eindruck, scheint aber nie zu wissen, was genau er da mit seinen Reimen anrichtet.

Ein HipHop-Film: Mythen sind wichtiger als Fakten, Frauen sind Staffage, der größte Angeber ist zugleich der coolste Typ, man erkennt ihn an Goldketten und Ringen. Vom krassen Sozialrealismus von "8 Mile" ist "Notorious" weit entfernt, die archaischen Riten des HipHop werden ungefiltert im Klischee-Sampling weitergetragen. Musik- und Modemogul Sean Combs (Puff Daddy) und die Mutter von Christopher Wallace haben das Werk mitproduziert, da ist eine kritische Betrachtung kaum zu erwarten: Edel sei der Rapper, wortreich und gut.

Biggie Smalls beginnt als Kleingangster, er landet im Gefängnis, entdeckt, dass er mit Reimen besser schießen kann als mit Pistolen, und wird HipHop-Superstar, nachdem Puff Daddy ihm Soul und Funk als Grundlage seiner Musik verordnet. Der Film folgt den Gesetzen des Gangsterfilms. Der König fühlt sich einsam, der König leidet und wird von seinen Horden, die er angestachelt hat, getötet.

Zahlreiche Nebenfiguren wie die Rapperin Lil’ Kim und Faith Evans tanzen um Notorious B.I.G. herum, den der Rapper Jamal Woolard mit tumber Selbstsicherheit spielt. Der HipHop-Krieg mit Tupac Shakur wird so weit es geht den Medien in die Schuhe geschoben, die umstrittene Rolle von Biggie Smalls nie hinterfragt. Am Ende steht der vermeintliche Gangsta-Held mit einer Sehnsucht nach Bürgerlichkeit da, B.I.G. will alles anders machen, andere Musik, andere Reime, andere Manieren.

So erzählt der Film mehr von der HipHop-Krise der vergangenen Jahre als vom tatsächlichen Höhepunkt 1996/97. "No more Drama", raunt Notorious in seinen letzten Minuten am Telefon. Klingt wie in einer Castingshow, und vielleicht ist dies das Problem des Films, er verherrlicht noch das Abgeschmackte auf unangenehme Weise.

Wiederholungen 12. Februar, 15 Uhr, Friedrichstadtpalast und 22.30 Uhr, Urania

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