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Katalin Varga

Eine Frau vom Land nimmt Rache

Ein kleine Geschichte in Spielfilmlänge voller düsterer Bilder, Gesänge, Regen und Vögel. Das ist "Katalin Varga", der erste abendfüllende Film von Peter Strickland. Ein Film auch über die Karpaten - der jeden, der eine Reise dorthin geplant hatte, seine Pläne ändern lässt.

Berlinale - Film "Katalin Varga"
Foto: DPA
Hilda Péter rächt sich an den Männern, die ihr Leben zerstört haben

Eigentlich sind die Karpaten ja ganz schön. Viel Wald, eine urige Landbevölkerung, die auch noch relativ apart aussieht. Es regnet vielleicht ein bisschen oft. Aber das tut’s ja in Irland auch. Man könnte da also durchaus hinfahren, nach Transsylvanien, wenn man vom Schwarzwald mal genug hat. Sollte man besser nicht, wissen wir seit Peter Stricklands „Katalin Varga“. Der Wald birgt nämlich tatsächlich Ungeheuer, der urigen Landbevölkerung ist – gerade Frauen gegenüber – beinahe alles zuzutrauen. Und der Regen fällt immer dann, wenn sich die Stimmung gerade wieder verdüstert. Was einem auf die Dauer schon ziemlich auf den Wecker geht. Selbst im Kino.

Der in den Karpaten lebende Strickland hat – möglicherweise aus schierer Vorsicht vor der urigen Landbevölkerung, der er in seinem anderen Leben Englisch beibringt – seinem Langfilm-Debüt rasch vorausgeschickt, dass es ihm in „Katalin Varga“ nicht um Realismus zu tun ist. Wir wollen es gern für ihn glauben.

Die Geschichte der Katalin Varga geht so, und es braucht nicht besonders lang, bis man weiß, wohin der Wolf läuft in diesem Film: Katalin Varga lebt mit Sohn und Mann auf einem urigen Dorf inmitten idyllischer Felder. Eines Tages, als sie heimkommt vom Blumenpflücken, weiß es das ganze Dorf: Orban ist zwar ihr, nicht aber der Sohn seines Vaters. Sie muss gehen. Sie packt zwei Koffer, besteigt samt Sohn einen Pferdekarre und fährt los. Immer tiefer hinein fährt sie in die Berge, in die Wälder und in die Vergangenheit. Katalin verwandelt sich, das ahnt man, weil ihre Fahrt durchs Grüne stets von dräuend-dröhnenden rumänischen Walgesängen untermalt wird, das weiß man, weil sie sich aufzurüstet, indem sie anfängt Steine in eine Socke zu stecken. Sie wird ein Racheengel. Sie fährt zurück zum Ort ihrer Schande, stellt die Männer, die sie elf Jahre zuvor auf einer Lichtung im dunklen Wald vergewaltigt hatten. Den einen erledigt sie mit der Socke. Der andere, Antal, erweist sich als ein Problem. Nicht, weil er aussieht wie Weiland Arpad, der Zigeuner im Fernsehen, sondern weil er zwar ein furchtbar schlechter Bauer (Heu machen kann er, sehen wir, so richtig gar nicht), aber ein furchtbar netter Mensch ist. Sagt jedenfalls seine schöne Frau.

Es ist ein archaisches Spiel um Rache und Erlösung, in dem man immer wieder erschrickt, wenn die Menschen völlig unsinniger- und überflüssigerweise Handys benutzen. Mit einigem Kraft- und Symbolaufwand (fliegende Vögel, ich kann keine fliegenden Vögel mehr sehen) bringt Strickland seine kleine Geschichte auf Spielfilmlänge. Es geht ihr damit wie den Karpaten – gut tut ihr das nicht.

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