Filmnachwuchs
"Shooting Stars" - Grundsteine für die Weltkarriere
Zehn junge Schauspieler aus 30 Nationen haben es geschafft: Sie sind die diesjährigen "Shooting Stars" der Berlinale und Teilnehmer am gleichnamigen Projekt der Europäischen Filmförderung (EFP). Für Deutschland geht David Kross ins Rennen, bekannt aus "Der Vorleser".
Von Ivo Mailand
Man möchte sie allesamt zudecken und das Scheinwerferlicht ausmachen, so müde und übernächtigt sitzen die zehn jungen Leute auf den großen weißen Kunstlederwürfeln. Zum Glück ist dies der letzte nach drei Berlinale-Tagen für die europäischen Jungschauspieler, in denen sie von acht Uhr morgens bis Mitternacht von Fotoaufnahmen zu Produzententreffen geschickt wurden, Meisterklassen und Workshops besuchten und nachts sicher auch ein bisschen feierten. Fürs Filmsehen blieb da keine Zeit.
"Shooting Stars" − so heißt das 1997 gestartete Projekt der Europäischen Filmförderung (EFP), das talentierte Nachwuchsschauspieler ins Rampenlicht der Berlinale bugsiert, um sie in der internationalen Filmszene bekannt zu machen. Dreißig Länder sind bei der EFP gemeldet, jedes darf jährlich einen Nachwuchsschauspieler nach Berlin schicken. Neben der Bedingung, bereits eine Hauptrolle in einem national erfolgreichen Film gespielt zu haben, müssen die jungen Filmtalente fließend Englisch sprechen und jünger als 36 sein.
Alle drei Vorgaben erfüllt der diesjährige deutsche Nominierte David Kross. Er ist gerade mal 18, hat zwei bemerkenswerte deutsche Filmen bespielt, und spricht – nun ja – für den "Vorleser" hat er halbwegs Englisch gelernt. Mit der Hauptrolle in dieser internationalen Produktion ist er dem Shooting-Stars-Konzept eigentlich schon entwachsen, das jungen Schauspielern die Tür in die große weite Filmwelt ja erst aufstoßen soll. Vielleicht ist er deshalb hier auf der Pressekonferenz im Kaisersaal des Sony-Centers der müdeste aller Müden. Trotz Sakko und Turnschuh-Outfit legt er den Kopf in die Hand, knabbert an den Fingernägeln und bläst immer wieder die Backen auf. Offene Fragen der Journalisten in die Runde der Zehn lässt er an sich abprallen. Als persönlichen Wunschregisseur nennt er Stephen Daldry, als Vorbild Bruno Ganz, als Traumrolle für sich selbst fällt ihm nichts ein.
Um Kross herum sitzen neun schöne junge Menschen, die gerade ihre ersten Langfilme abgedreht haben: die zerbrechliche Ungarin Orsi Tóth, der wendige Finne Samuli Vauramo, die energetische Spanierin Verónica Echegui − Namen, die man vielleicht eines Tages auf Filmplakaten lesen wird, so wie heute die von Daniel Craig (Shooting Star 2000), Rachel Weisz und Jürgen Vogel (beide 1998), die das Shooting-Stars-Podium als Karriere-Sprungbrett nutzten.
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