Wettbewerb - "Gigante"
Wie man ein Massenmörder oder glücklich wird
Sonntag, 8. Februar 2009 23:07 - Von Eberhard von ElterleinIn diesem uruguayisch-deutschen Streifen wird ein einfacher Mann bei seinem bizarren täglichen Treiben beobachtet. Doch der Regisseur führt seinen Helden nicht vor, sondern studiert ihn.

Jara (Horacio Camandule) ist ein Riesenbaby. Mit seinem schwarzen „Biohazard“-T-Shirt tapst der schwergewichtige Heavy-Metal-Fan durch seine sehr kleine, überschaubare Welt. Nachts wackelt der 35-Jährige durch kahle Flure zum Kontrollraum eines Supermarktes, wo er als Angestellter einer Sicherheitsfirma zahllose Monitore überwacht. Tagsüber schleppt sich Jara in seine unaufgeräumte Wohnung zum ewig laufenden Fernseher oder vergnügt sich mit seinem Neffen beim Computerspiel. Zuweilen arbeitet Jara als Rausschmeißer in einem Club; weiteren Körperkontakt hat der kräftige Mann nur, wenn er seinem Kollegen in der Kantine mal die Schulter einrenkt. Keine Frage: So ein einsamer Mensch wie Jara muss im Kino erlöst werden. Entweder wird so jemand Massenmörder oder glücklich. Adrián Biniez entscheidet sich für Letzteres.
Denn der argentinische Regisseur liebt die Hauptfigur seines Debütfilms „Gigante“, die er nicht vorführt (das wäre zu einfach), sondern studiert (das ist spannender). Wie Jara mit schwerem Atem Nacht für Nacht vor den Monitoren sitzt, Putzfrauen, Angestellte, Bäcker beim nächtlichen Arbeiten beobachtet, Kreuzworträtsel löst, laute Musik hört – dieser durchaus absurden Situation entlockt die minimalistische Regie kleine komödiantische Perlen. Was den Film selbst noch nicht zu einem großen Schmuckstück macht.
Das wird er erst durch Julia (Leonor Svarcas). Julia ist Putzfrau in diesem Supermarkt und bald auch tagsüber im Blick unseres neugierig gewordenen „Big Brother“-Babys. Der nimmt seinen Überwachungsjob jetzt überaus ernst. Jara verfolgt die hübsche 25-Jährige bis zu Internet-Café, Kino und an den Strand von Montevideo; sieht; wie sie des Nachts mit einem Kollegen flirtet, tagsüber einen Mann trifft – bis Julia ihren Putzfrauen-Job verliert.
„Gigante“ besticht durch seine präzisen Einstellungen, seine Wortkargheit und sein Gespür für Situationskomik, die allerdings – das ist das große Verdienst – nie zu Lasten der Hauptfigur geht. Die ist in ihrer Verletzlichkeit so sympathisch, dass wir uns sehr freuen, dass aus dem Riesenbaby nach Filmende möglicherweise ein ganz normaler Mann wird.
Wiederholungen: 9.2. - Friedrichstadtpalast, 9.30 Uhr; Urania, 17.30 Uhr / 15.2. - Urania, 22.30 Uhr.
| 0% | Alle Anderen (Regie: Maren Ade) | |
| 0% | Chéri (Merci, Chéri; Regie: Stephen Frears) | |
| 0% | Gruppentreffen mit Dame (Darbareye Elly; Regie: Ashgar Farhadi) | |
| 0% | Star der Peking-Oper (Forever enthralled; Regie Chen Kargie) | |
| 0% | Blick auf die Putzfrau (Gigante; Regie: Adrián Biniez) | |
| 0% | Happy Tears (Happy Tears; Regie Mitchell Lichtenstein) | |
| 0% | Ein alter Mord (In the electric mist; Regie: Bertrand Tavernier) | |
| 0% | Racheengel zu Pferde (Katalin Varga; Regie: Peter Strickland) | |
| 0% | Schmerzende Milch (La teta asustada; Regie: Claudia Llosa) | |
| 0% | Ein weiblicher Soldat (Lille Soldat; regie: Annette K. Olesen) | |
| 0% | Nach dem Terror (London River; Regie: Rachid Bouchareb) | |
| 0% | Mammut-Projekte (Mammoth, Regie: Lukas Moodysson) | |
| 0% | Alles über meine Mutter (My One and Only; Regie: Richard Loncraine) | |
| 0% | Mordfall im Modehaus (Rage; Regie: Sally Potter) | |
| 0% | Ein Wunderbaby (Ricky; Regie Francois Ozon) | |
| 0% | Ein Kriegsverbrecher (Storm; Regie: Hans-Christian Schmid) | |
| 0% | Eine späte Liebe (Tatarak; Regie: Andrzej Wanda) | |
| 0% | Schlechte Nachrichten (The Messenger; Ben Foster) |


















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