Logo der Berliner Morgenpost
http://www.morgenpost.de/kultur/berlinale/article1030475/Wo_man_die_Stars_am_besten_sehen_kann.html

twitter Facebook StudiVZ/MeinVZ
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Hyatt-Hotel

Wo man die Stars am besten sehen kann

Das Hyatt-Hotel am Potsdamer Platz ist dieser Tage besser besucht als sonst. Denn hier ist man ganz nah dran an den Stars der Berlinale. Genau vor der Haustür liegt der begehrte rote Teppich. Fotografen steigen am liebsten auf das Dach des Hotels, denn hier ist der Blick besonders gut.

Vor dem Hyatt-Hotel am Potsdamer Platz herrscht dichtes Gedränge
Foto: Christian Hahn
Vor dem Hyatt-Hotel am Potsdamer Platz herrscht dichtes Gedränge

Vor der Tür kämpfen Raucher und Autogrammjäger um die Plätze. Im Foyer, sonst von vornehmer Stille, herrscht Gedränge. In der Luft liegt ein lautes, gleichmäßiges Summen - das Geräusch von Hunderten Stimmen. Und auf dem Dach, im Fünf-Sterne-Spa, haben sich die Fotografen eingenistet - man kann von hier aus den roten Teppich vor dem Berlinale-Palast übersehen.

"Die Blonde da drüben - hat die nicht mal, in irgendeiner Hotelserie... Und da, da ist Dieter Kosslick!" Die Dame, sehr gepflegte Mitte 50, zeigt auf einen Mann mit Hut und Schal. Irgendeinen Mann. Macht nichts. Im Laufe des Abends hat sie noch zwei weitere Kosslick-Sichtungen - andere Männer, andere Hüte. Sie ist glücklich. Im ersten Stock des Hyatt hat die Berlinale ihre Büros eingerichtet. Chef Kosslick arbeitet lieber in den verschiedenen Restaurants des Hauses. Die 342 Zimmer sind ausgebucht, davon 80 Prozent Berlinale-Gäste.

Am Empfang steht die schöne Frau Jaensch: Miriam (22), Concierge. Es ist ihre dritte Berlinale, sie ist Til Schweiger begegnet (er soll auch jetzt gerade irgendwo im Haus essen), Moritz Bleibtreu. Dieses Jahr war schon Armin Mueller-Stahl da. Und natürlich Kate Winslet.

Für das Hotel-Personal heißt das: 15- bis 18-Stunden-Schichten, 50 zusätzliche Mitarbeiter. "Es ist eine Mischung aus Faszination und Wahnsinn", sagt Restaurantleiter Edgar Katzer (33). Sein "Vox" hat zum Filmfest zehn Tage durchgehend geöffnet, 500 Gäste täglich. Er freut sich auf jeden - und ein bisschen mehr auf Joachim Król. "Er bestellt seinen Whiskey, Scapa, fängt eine Geschichte an." Dann ein melancholisches Król-Lächeln: "Und er sagt: Ach, Edgar, das hab ich dir ja letztes Jahr schon erzählt."

Der Geschmack der Berlinale: Vor allem Champagner (Dom Perignon, Roederer Cristal) - 500 Flaschen zusätzlich liegen im Kühlschrank: Erfahrungsgemäß steigt der Verbrauch mit Dauer der Filmfestspiele. Teurer Rotwein. Gerade hat Katzer einen Chateau Margeaux verkauft - 1200 Euro die Flasche.

Und Sushi. Bei Küchendirektor Josef Eder aß sogar Madonna, als wählerisch bekannt, brav den Teller leer. Action-Veteran Steven Seagal orderte feinstes Wague-Beef und französisches Mineralwasser - Eder: "Der hatte seinen Deutschen Schäferhund dabei, den er damit fütterte."

Dieses Jahr haben sie in der Küche die Kinozeiten abgeglichen - hofften, dass es während der Vorführungen ein bisschen ruhiger wird. Aber: "Es macht keinen Unterschied." Ob einige Kulturschaffende nun lieber ins Vox gehen zu den 240 Whiskey-Sorten als ins Kino - keiner der höflichen Hyatt-Mitarbeiter würde darüber je nachdenken.

20 Uhr. Draußen vor dem Eingang warten die hartgesottenen Fans auf weitere Stars, die Raucher sind auf dem Rückzug. Alicia (13) aus Tempelhof hat ein Foto von Steve Buscemi dabei, falls er vorbeikommt. Seit einer Stunde wartet sie am Seiteneingang, wo die Stars in Limousinen vorfahren. Sie hat Geduld.

Star-Ruhm - auch Jürgen Hascher (45) hatte seine fünf Minuten. Der Stewarding Manager muss dafür sorgen, dass zur Berlinale täglich 1600 schneeweiße Teller bereitstehen. Als Nicolas Cage erwartet wurde, stand die Meute von Fans und Fotografen am Eingang. Auftritt Hascher, im weißen Arbeitskittel, auf dem Weg zum Dienst: "Einer klatschte - und da ging das Blitzlichtgewitter los." Cage kam etwas später, leicht verwirrt.

Jetzt, am Abend, ist die Fotografendichte gesunken. Zwei Klatschreporterinnen streifen durchs Foyer, nicht glücklich: Auch die meisten anderen hier sind Journalisten, tragen dunkle Mäntel, nachdenkliche Mienen - Kinogucken ist offenbar ein sehr ernstes Geschäft. Aber dazwischen auf einmal ein strahlend glückliches Gesicht.

Korina Gutsche (43) ist nur mal schnell zwischen den Filmen im Hyatt: "Wegen der Festspiel-Atmosphäre." Seit 2003 ist die Referentin für Kommunikation dabei. Dieses Jahr wollte sie auf fünf Filme runterkommen. Sie hätte nicht noch einmal ins Programmheft schauen sollen: Gerade hat sie alle Geschäftstermine nächste Woche verlegt, morgen um 6 stellt sie sich für weitere Kinokarten an.

Auch Xu Wei (27) und Yuxiang Wen (24) fallen unter den Filmkritikern auf, wenn sie miteinander kichern, wie einst 2005 die schöne Bai Ling in der Jury. Xu Wei schreibt für die "Yangtse Evening Post", "Chinas größte Abendzeitung", sagt sie stolz. Ihre Berlinale-Geschichte ist in der Online-Ausgabe auf Seite 1. Ihre Freundin berichtet für den Blog "Sohu" aus Berlin - Millionen Chinesen lesen ihn täglich.

Es ist 22 Uhr. Adriana (24) und Lilja (22) ziehen den riesigen Wagen mit Putzzeug und frischen Handtüchern durch die Gänge. Die Hausmädchen sind rund um die Uhr im Einsatz - der eine Gast verlässt das Zimmer morgens zum frühen Film, der nächste erst abends zur Party.

Adriana macht das nichts: "Es ist Berlinale!" Nur, das ist ihr Berlinale-Tipp, sollte Herr Kosslick doch Brad Pitt einladen. Jedes Jahr.



Erschienen am 08.02.2009

Berlinale RSS-Feed Twitter
Anzeige
Videos von der Berlinale
Video Berlinale 2012
Berlinale 2012
09/11-Drama ist erster Höhepunkt
Anzeige