Berlinale
Nach der Premiere feierte Kate Winslet bei Tim Raue
Nicht nur die Autogrammjäger waren am Freitag aufgeregt. Stephen Daldry war es auch vor der Berlin-Premiere seiner Oscar-nominierten "Vorleser"-Verfilmung. Dennoch schrieb er fleißig "God bless you" auf die ihm gereichten Bücher.
Vor der Tür des Restaurants "MA" herrschte gestern Chaos. Der Ansturm der Fans von Kate Winslet, Ralph Fiennes und David Kross war Freitagnacht so groß, dass die Polizei mit mehreren Beamten den Verkehr an der Behrenstraße überwachte. Für ihre "Vorleser"-Hauptdarsteller hatte der Filmverleih Senator im Restaurant von Sternekoch Tim Raue und seiner Frau Marie eine Privatparty mit strikter Gästeliste organisiert. Wer nicht zu den Auserwählten gehörte, hatte auch keine Chance.
In den asiatisch dekorierten Räumen reichte die ausnehmend höfliche Kellnerbrigade im Minutentakt feinste Häppchen, insgesamt sechs Gänge (siehe Menükarte rechts), aber leichte Kost für die schlanke Linie zu später Stunde. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen redete bei Champagner mit Kate Winslet über den Umgang mit dem Star-Rummel, Erfolgsregisseur Stephen Daldry diskutierte mit dem Berliner Comedian Thomas Hermanns und Entertainerin Gayle Tufts über die deutsche Geschichte während der NS-Zeit. Monatelang hatte sich Daldry mit dem dunklen Kapitel befasst, schließlich spielt Kate Winslet in seinem Film eine Lehrerin, die später Aufseherin in einem Konzentrationslager wurde.
"Es ist eine ganz großartige Literaturadaption geworden", schwärmte Ursula von der Leyen. "Ich habe das Buch vor sechs Jahren gelesen und war erst unsicher, ob ich vielleicht enttäuscht sein würde, wenn der Film diesen großen Stoff nicht festhalten kann." Sie sei aber so fasziniert von dem Ergebnis und auch der schauspielerischen Leistung von Kate Winslet, dass sie jedem empfehle, sich den Film anzusehen. "Er geht sehr ans Herz, und er lässt einen ganz viel nachdenken. Deshalb hält er länger als nur einen Abend." An Kate Winslet liebe sie deren britischen Humor, erzählte die Ministerin weiter. "Ich habe mit ihr darüber gesprochen, wie sie damit umgeht, ein so gefeierter Star zu sein und trotzdem bei sich zu bleiben, weiter zu gehen."
Katarina Witt schwärmte wiederum davon, dass so viele deutsche Schauspieler im Film mitspielen. "Das ist doch ein klares Zeichen, wie anerkannt der deutsche Film inzwischen ist. Ich frage mich, ob das allen bewusst ist, was das für ein Wirtschaftsfaktor in unserem Land ist."
Susanne Lothar, Witwe des unvergessenen Schauspielers Ulrich Mühe, schwebte durch die Räume, engelsgleich in einem langen, weißen, trägerlosen Kleid mit Charlie-Chaplin-Schuhen und einem mädchenhaften Lächeln, das einen kurioserweise an ihre Stieftochter Anna Maria Mühe erinnerte. Besonders liebevoll kümmerte sich Stephen Daldry um Susanne Lothar, nahm sie in den Arm und küsste sie auf die Stirn. Überhaupt ist Daldry ein Sympath mit viel Herz. Auf das Kompliment "Sie sind der Größte" sagte er an der Bar bescheiden mit Blick auf Winslet und Kross: "Ach was, ich bin hier nichts."
Als Thunfischtartar, Kabeljau, Sojahuhn und Ochsenbacke nahezu verspeist waren und die köstliche Schoko-Nachspeise gereicht wurde, sorgte ein Gerücht für Aufregung unter den Gästen: Brad Pitt komme gleich, er sei eben mit Quentin Tarantino in Potsdam losgefahren, hieß es. Hektisches Treiben bei den Sicherheitsleuten an den Eingängen, Nervosität bei den Geladenen. Die Gespräche wurden teilweise abrupt beendet, es galt, sich schnell so zu postieren, dass man einen guten Blick auf die Eingangstür hatte. Wo man dann "zufällig" steht, wenn ER reinkommt.
Es tat sich aber nichts, was zu erwarten war, denn Pitt und Angelina Jolie waren am Freitagmorgen noch in Birma bei Flüchtlingskindern zu Besuch – sie hätten einen Düsenjet gebraucht, um mit Kate in Berlin zu feiern. Und den beiden Damen sagt man ja auch nach, dass sie sich so gar nicht Grün seien. Nicht nur wegen der Konkurrenz um den Oscar 2009 in der Kategorie "Beste Schauspielerin".
Ein Gutes hatte die Aufregung um das Besuchsgerücht: Jetzt waren alle wieder wach, die Party startete neu durch.
Berlinale im Fernsehen: Gesellschaftsreporterin Franziska v. Mutius täglich um 17 Uhr auf TV.Berlin
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- Berlinale: Und immer fleißig Autogramme schreiben
- "Der Vorleser": Verliebt in eine Massenmörderin
- Berlinale-Interview: Kate Winslet über die Rolle ihres Lebens
- Berlinale: Kate Winslet war der Superstar auf dem roten Teppich
- 6. Februar: Die 59. Berlinale begann mit "The International"
- Preisverleihung: Armin Mueller-Stahl für sein Lebenswerk geehrt
-
00:08Präsidentschaftswahl: Unterlegener Kandidat in Ägypten will gegen Wahler...
-
00:00Verkehrssünder: Flensburger Punktedatei soll weiter verschärft...
-
26.05.2012Festnahme: Toter in Friedrichshainer Bar: Verdächtiger gefass...
- 1. Relegationsspiel Hertha BSC und der Abstieg ohne Gnade
- 2. Formel 1 in Monaco Strafversetzung verdirbt Schumacher nicht die Laune
- 3. Nach Berufung Hertha BSC schickt seine Spieler in den Urlaub
- 4. Relegationsspiel Hertha BSC gibt sich offenbar geschlagen
- 5. Stromerzeugung Solaranlagen liefern so viel Strom wie fast 20 Atommeiler














