Wettbewerb - "About Elly"
Freundschaften und Katastrophen
Ein Drama um Freundschaft, Ehre, Kuppelei im Iran. Es geht um Leerstellen, die Menschen hinterlassen, die Lügen, die dann aufkommen, und die Wahrheit, die hier peu à peu an den Strand rollt wie die unerbittlichen Wellen des Kaspischen Meeres.
Von Eberhard von Elterlein
Ja, der Titel ist schlicht und so was von passend. In "About Elly" geht es um niemand Anderen als die 20-jährige Elly (Taraneh Alidousti). Sie ist die Grundschullehrerin der Tochter von Sepideh (Golshifteh Farahani). Sie ist es, die Sepideh zu einem entspannten Wochenendausflug mit Freunden ans Kaspische Meer einlädt – ohne dass die Freunde vorher davon wissen. Sie ist es, die dementsprechend beäugt und begutachtet wird – und ja, sie ist es, die Sepideh mit Ahmad (Shahab Hosseini) verkuppeln will, einem nach einer gescheiterten Ehe aus Deutschland zurückgekehrten Mann, der gerne eine Iranerin heiraten will - warum also nicht die hübsche Elly?
Alles dreht sich also um Elly, und aus dem anfänglichen Urlaubsspaß mit Volleyball, Lagerfeuer, Scharade-Spiel, versteckten Bemerkungen über die Kuppelei und dem Sich-Einrichten in einer sehr maroden Villa am Strand wird purer Ernst – und ein richtiger Film. Und zwar als zunächst ein Junge fast ertrinkt und Elly mir nichts, dir nichts verschwindet. Ist sie ertrunken? Abgehauen, wie sie es eigentlich vorhatte, vielleicht der vielen Bemerkungen zu Ahmad überdrüssig? Wer ist der Mann auf ihrem Handy, welches sie zurückgelassen hat, und wie heißt sie überhaupt mit Nachnamen?
Freundesdramen sind wie Familiendramen – und als ein solches funktioniert die Tragödie von Asghar Farhadi ganz wunderbar. Hier wie dort geht es oft um Leerstellen, die Menschen hinterlassen, die Lügen, die dann aufkommen, und die Wahrheit, die hier peu a peu an den Strand rollt wie die unerbittlichen Wellen des Kaspischen Meeres.
Man hätte so einen Film mit seinem recht ungezwungenen Umgang der Geschlechter möglicherweise nicht aus dem Iran vermutet - aber wir sehen hier aufgeklärte Großstädter aus Teheran bei ihrem Wochenendausflug mit Wahrheitsfindung. Es geht um Freiheit und Ehre, um das Bild, das man von sich selbst und von anderen hat, um Freundschaft, Loyalität und Vorurteile – und immer um Elly, Titelfigur, Chiffre und Katalysator für Katastrophen, die in diesem atmosphärisch dichten Kammerspiel mit seinem glänzenden Schauspielerensemble so natürlich und erwartbar daherkommen wie der Sand am Meer und die Wahrheit unter Freunden.
Wiederholungen: 8.2. - Friedrichstadtpalast, 9.30 Uhr; Urania, 20 Uhr / 15.2. - Urania, 20 Uhr
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