06.02.09

Berlinale-Filmreihen

Generation Kplus und 14plus

Von Andrea Huber

Kinder sind Überlebenskünstler. Und häufig Weltenreparierer. Diesen Schluss legen die Filme der Sektion Generation nahe, die zu einer aufregenden, oft aufwühlenden Entdeckungsreise einladen. "Der Blick in die Welt, der Fokus auf Themen, die junge Leute bewegen", ist für die neue Generation-Leiterin Maryanne Redpath Programm.

Generation ist gesplittet in zwei Wettbewerbe: Kplus für Kinder und 14plus für Teenager. 13 Langfilme konkurrieren bei Kplus um einen gläsernen Bären. Dabei ist der Spagat zwischen Glamour sowie künstlerischem und politischem Anspruch geglückt: Für den Glamour steht der Eröffnungsfilm "Lippels Traum" mit deutscher Schauspielprominenz von Moritz Bleibtreu bis Anke Engelke. Der familientaugliche Film (ab 6 J.) erzählt vom ängstlichen Lippel und seinem Aufmucken gegen erwachsene Bevormundung, switcht zwischen der Realität und einer orientalischen Traumwelt hin und her.

Die härtere Seite der Generation markiert etwa der mexikanische Beitrag "Die Erben", der erste Dokumentarfilm bei Kplus überhaupt. Er vermittelt ein schonungsloses Bild vom Leben mexikanischer Kinderarbeiter. Der ergreifende Beitrag "Nilofaar" erzählt vom Thema Zwangsheirat, eröffnet am Ende immerhin eine tröstliche Perspektive. Sind solche Filme – wie empfohlen – ab elf bzw. zwölf Jahren zumutbar? Diskussionen über diese Frage gehören zur Sektion, doch die Bären-Entscheidungen der Kinderjurys lassen vermuten: Kinder zu unterschätzen, ist ein Fehler.

Der Wettbewerb 14plus vereint 14 Langfilme. Deren jugendliche Protagonisten suchen in einer globalisierten Welt nach einer eigenen Identität – Familie und Traditionen bieten dabei längst keine verlässliche Stütze mehr.

Für einigen Glamour wird Rupert Grint sorgen, der rothaarige Ron-Darsteller der Potter-Filme. Er spielt eine Hauptrolle in "Cherrybomb", einem rasant inszenierten Teenagerdrama. Drogen, Partys, wilde Autojagden, ein Leben auf der Überholspur – bis zum tragischen Ende. Auch eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung spielt in "Cherrybomb" eine Rolle, so wie in etlichen 14plus-Filmen.

Großes, verstörendes Kino bieten zwei US-Filme, die multimediale Ebenen bespielen: "Afterschool" und "My Suicide" tauchen in den Kosmos (elitärer) Highschools ein und weisen zugleich weit darüber hinaus. Zeigen, wie schnell sich Risse in scheinbar heilen Welten und Familien auftun, wenn man an der Oberfläche kratzt. Frech nähert sich David Lee Miller in seiner schwarzen Komödie "My Suicide" dem Thema Selbstmord – ohne dass der Film je verflachen würde: Sein Protagonist Archie, 17, kündigt für ein Video-Projekt den eigenen Selbstmord an und wird plötzlich zum Star seiner Schule. Aufwühlend und ästhetisch ungewöhnlich ist auch der Thriller "Afterschool" von Antonio Campos.

Eher zufällig hält Robert darin den Drogen-Gift-Tod zweier Klassenkameradinnen auf Video fest. Mit seiner Kamera enthüllt der rätselhafte Junge die Geheimnisse um den Tod der Mädchen sowie die Verlogenheit im Umgang damit.

Von jugendlichen Lebenswelten in Berlin erzählt der kunstvoll gemachte, doch etwas lang geratene Dokumentarfilm "Teenage Response" von Eleni Ampelakiotou: Ehrlich, nahezu philosophisch reflektieren die 13 Protagonisten über ihr Leben. Am Ende geht es vor allem darum, sich selbst zu spüren.

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