Berlinale-Spielstätten
Zehn Jahre Potsdamer Platz - verschwitztes Jubiläum
Die Berlinale trickst gern ein wenig mit dem Alter. So feiert das Panorama in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag, obwohl es gerade erst 20. wurde. Und mit großen Augen schaut das Festival schon auf 2010, wenn die große 60 gefeiert wird. Ein kleines, real existierendes Jubiläum hat es dabei offensichtlich übersehen: zehn Jahre Potsdamer Platz.
Fürs neue Jahrtausend wollte die Berlinale einst ein neues Zeichen setzen. Die 50. Berlinale stand ganz im Zeichen des neuen Standortes, auch wenn da noch an allen Ecken gehämmert und geklopft wurde. Ein neues, echtes Zentrum sollte es werden, und ein "Festival der kurzen Wege", so war die Losung.
Das mit den kurzen Wegen hat sich in der Ära Kosslick schnell wieder erübrigt. Die Berlinale hat sich mehr denn je über die ganze Stadt ausgebreitet. Der Platz aber hat sich bewährt. Ja, mehr noch: Er hat sich so eingespielt, als habe das Festival nie woanders stattgefunden. Warum dann aber, bei all den sonstigen Events und Sonderveranstaltungen im Programm, kein Jubiläum feiern? Uns beschleicht eine vage Angst. Die nämlich, die Festivalbetreiber könnten das Jubiläum einfach – verschwitzt haben. Hätten sie sonst nicht wenigstens während der Berlinale-Pressekonferenz vor zehn Tagen auf das Datum verwiesen? Oder irgendwo, und sei es in der Retrospektive, einen Film zum Lageplatz programmiert? Zum Beispiel den frühen Tonfilm "Das Veilchen vom Potsdamer Platz" von 1936? Oder Wim Wenders’ immerwährenden Klassiker "Der Himmel über Berlin", der noch total öde Steppe zeigt, wo inzwischen der Goldene Bär steppt?
Nichts da. Kein Verweis auf den neuen Teenager. Uns beschleicht noch eine ganz andere Angst: Vielleicht wollte das Festival das Jubiläum gar nicht feiern. In einem Interview machte Festivalchef Dieter Kosslick erst kürzlich merkwürdige Andeutungen: "Wir haben, zugegeben, schon mal darüber nachgedacht, ob man sich noch einmal nach ganz woanders umschaut." Das ist ihm vielleicht nur so durchgerutscht. Er hat sich auch gleich revidiert: "Es ist so viel Infrastruktur am Potsdamer Platz, dass kann man nicht aufgeben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das noch ändert, solange ich Festivaldirektor bin." Aber liest sich zwischen den Zeilen da nicht doch ein kleiner Unmut heraus?
Wo aber sonst sollte das Festival hin? Zurück an den Zoo? Tief in die Hackeschen Höfe? Undenkbar. Nur der Potsdamer Platz besitzt die richtige Größe, das Flair, den Hauch von Weltläufigkeit, den die Berlinale so dringend braucht, um mit Cannes und Venedig mithalten zu können. Wir haben einfach zu wenig Meertreppen und Wasserstraßen. Deshalb bitten wir: Liebe Berlinale, feiere mit uns die runde Zahl, das Jubiläum, die Wiederkehr des Anfangs! Deine ersten zehn Jahre am Potsdamer Platz. Wir machen schon mal den Anfang.
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