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05.02.09

Filmfestspiele

Die Berlinale beginnt mit starken Stimmen

Mit einem riesigen Blitzlichtgewichter am Roten Teppich und Tom Tykwers "The International" ist am Abend die Berlinale eröffnet worden. Der Festivalrummel begann aber schon am Morgen – mit starken Statements Prominenter für eine gerechte Welt.

DDP

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Mit einer Starparade und aufrüttelnden Statements zur Finanzkrise haben am Donnerstag die 59. Internationalen Filmfestspiele von Berlin begonnen. Eröffnungsfilm der Berlinale ist in wenigen Minuten der Wirtschaftsthriller "The International" von Tom Tykwer, ein Drama um den Kampf eines Interpolagenten und einer Staatsanwältin gegen die Mafiamethoden einer mächtigen. Die Jury um Hollywoodstar Tilda Swinton prangerte zudem am ersten Festspieltag den Gaza-Krieg und die Verelendung armer Staaten in Folge der Finanzkrise an.

Der deutsche Regisseur Tykwer sagte, der aktuelle Bezug seines Films "The International" zur Finanzkrise sei ungeplant. Die Arbeit am Drehbuch habe bereits vor acht Jahren begonnen, die Verfilmung wurde sechs Jahre vorbereitet. "Die Bankenkrise ist nicht das Thema des Films", sagte der Regisseur, der mit "Lola rennt" weltbekannt wurde. Es gehe vielmehr darum, den Zustand des gesamten Gesellschaftssystems kritisch zu beleuchten.

Tilda Swinton fordert viele kleine Filmfestivals

Der schwedische Schriftsteller Hennig Mankell, der zur Jury gehört, kritisierte vor der Premiere, die globale Rezession treffe in Wahrheit die Ärmsten der Armen am härtesten, doch fast keiner kümmere sich um sie. Der in Hongkong geborene Regisseur und Produzent Wayne Wang regte an, in der Krise auf die rebellische Kraft des Kinos zu setzen und etwa billige Kameras an Kreative in Afrika und Asien zu verteilen, um ihnen das Filmen zu ermöglichen. Der Forderung schloss sich der deutsche Regisseur Christoph Schlingensief an. Der 48-Jährige forderte zudem für Europa mehr staatliche Förderung für experimentelle Produktionen mit kleinen Etats. Zudem sollten Fernsehsender nachts ihre Kanäle für Filme jenseits des Massengeschmacks öffnen.

Jury-Präsidentin Swinton sagte, das Leid im Gazastreifen berühre sie stärker als der bloße Schwund großer Vermögenswerte. Die 48-jährige Oscar-Preisträgerin regte ebenfalls an, mehr zur Förderung kleiner und unabhängiger Produktionen zu tun und diese dann auch in den Kinos zu zeigen. Es habe sie etwa erschreckt, dass in ihrer Heimatstadt Edinburgh der Hollywood-Streifen "Fluch der Karibik" an einem einzigen Tag mehr als 50 Mal gezeigt worden sei. Ihr Rat an alle Fans: "Startet ein eigenes, kleines Filmfestival in euren Städten!"

Zur Aufgabe der siebenköpfigen Jury sagte die Schauspielerin, sie betrachte das Ganze wie ein Spiel. "Wenn man nur eine Person in der Jury auswechseln würde, käme man zu anderen Ergebnissen." Die Preisrichter sprächen ohnehin lediglich persönliche Empfehlungen aus. "Unsere Aufgabe ist es, zu sagen, was unsere Herzen berührt", sagte Swinton.

386 Filme sind zu sehen

Tykwer wird am Abend zusammen mit seinen Hauptdarstellern Clive Owen und Armin Mueller-Stahl sowie der Oscar-Preisträgerin Swinton auf dem Roten Teppich erwartet. Zur Gala im Berlinale-Palast sind 2500 Gäste geladen. Das Festival ist das bedeutendste Filmereignis in Deutschland. Gezeigt werden 386 Filmen aus aller Welt, 18 davon gehen in das Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären. Die Sieger werden am 14. Februar gekürt.

Stark wie nie zuvor vertreten ist der deutsche Film. 98 entstanden mit deutscher Beteiligung. Kulturstaatsminister Bernd Neumann sagte, die hiesige Branche leide derzeit noch nicht unter der Rezession. Es gebe aktuelle keine Einbrüche bei der Auftragslage, und die Festivalleitung könne die Berlinale 2009 sicher finanzieren.

Quelle: AP/sh
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