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18.05.10

Charity-Abend

"Bösewicht" Ben Becker ist doch ein Guter

Ben Becker gibt auf der Bühne gerne den Bad Boy. Privat aber unterstützt der Berliner Schauspieler schon seit vielen Jahren ein Hospital im Senegal. Bei einem ungewöhnlichen Drei-Gänge-Menü im Sage Restaurant liest und singt er nun aus seinem aktuellen Programm. Unterstützt wird er dabei von dem Magier Thimon von Berlepsch, der Band The Boss Hoss und DJ Divinity.

© picture alliance
Ben Becker
Ohne Gage: Ben Becker liest und singt beim Benefizabend im Sage Restaurant zugunsten des Sage Hospitals im Senegal

Zwischen Hauptgang und Dessert passen 40 Minuten. Die will Ben Becker, 45, am Mittwochabend im "Sage Restaurant" an der Köpenicker Straße in Kreuzberg mit starker Stimme füllen. Bei dem ungewöhnlichen Charity-Abend "Eingedeckt!" zugunsten eines Krankenhauses im Senegal liest und singt der Künstler aus seinem Programm "Der ewige Brunnen", einer 50 Jahre alten Gedichtsammlung, die einst Ludwig Reiner zusammengestellt hat. Bei dem aufwendigen Drei-Gänge-Menü mit Jakobsmuscheln, Brandenburger Maibock und Spargel werden auch weitere Künstler aktiv: der Magier Thimon von Berlepsch, die Band The Boss Hoss und DJ Divinity.

Becker liest Klassiker wie Goethes "Erlkönig", Schillers "Der Handschuh" und Fontanes "John Maynard", aber auch Texte von Otto Ernst und Rio Reiser. Becker ist mit seinem Auftritt nicht zufällig dabei. Er unterstützt das Sage Hospital schon seit 2004. "Mir gefällt, wie die Leute da arbeiten. Das Geld, das wir sammeln, kommt an." Also spendet er: Teile der Erlöse aus dem Verkauf seines Bibel-Hörbuchs oder Geld, das er bei Versteigerungen seiner Bilder einnimmt. Als Prominenter verschafft er dem Projekt zusätzlich Aufmerksamkeit – am liebsten auf der Bühne.

Denn jede Bühne, die Ben Becker betritt, macht ihn zu dem, was er ist: Ob als Tod im "Jedermann" bei den Festspielen in Salzburg, als Performer von "Die Bibel", seiner fulminanten Religionsstunde im Showformat, oder wenn der Vater in der Schule von Tochter Dörte (10) aus seinem Kinderbuch "Bruno. Der Junge mit den grünen Haaren" vorliest. Er ist eben ein Bühnenmann durch und durch. "Mein Vater Otto Sander sagt oft zu mir: 'Du bist ein Macher'. Langsam erkenne ich, was er meint." Becker will nicht mehr als angestellter Schauspieler arbeiten. "Wenn ich alles machen würde, drucken die mich womöglich noch auf die Wurstpackung im Supermarkt. Nein, danke."

Becker wird nicht mehr in Schubladen gesteckt: "Daran habe ich lange gearbeitet." Folglich kann er sich auch nicht festlegen, welche kreative Arbeit, ob die als Autor, Maler, Sänger, Vorleser oder Schauspieler, ihm am meisten bedeutet. Nur eins macht er deutlich: "Auf die Bühne kann ich nicht verzichten, ohne geht nicht." Nur wenn gute Filme entstehen, ist er dabei. In "Habermanns Mühle" etwa mit Hannah Herzsprung und Mark Waschke, der im Oktober ins Kino kommt. "Ich spiele leider mal wieder die Oberdrecksau. Aber ich bin zufrieden mit dem Ergebnis."

Lieber spiele er den Deppen, den Clown. Aber er weiß: "Ich kann den Bösen gut spielen, weil ich selbst eine Riesenangst habe vor Gewalt, vor Macht, vor Obrigkeit. Deshalb passen die Bösewichte so gut zu mir." Auch persönlich ist er schon oft in die Rolle des pöbelnden und prügelnden Bad Boy geschlüpft. Aber der Krawall-Becker sei größtenteils eine Erfindung der Boulevard-Presse: "Die schreiben, ich hätte einem ein blaues Auge gehauen. Aber dass der Typ auf einem Spielplatz seinen Pimmel rausgeholt hat und ganz klar auf Streit aus war, stand da nicht."

Becker weiß gar nicht, ob er darüber lachen oder schimpfen soll. "Ich stand auch nie am Flughafen Tegel und hab aus Jux Hitler-Grüße gemacht." Beobachter der Szene hätten erkennen müssen, dass er seinem Kollegen Herbert Knaup durch die Scheibe Charlie Chaplin vorgespielt hatte, und dass sich Becker am Ende der kleinen Szene eine gedachte Pistole an den Kopf hält. Peng. "Wer sich aus dem Fenster lehnt, muss sich nicht wundern, wenn er ab und zu ein Ei an den Kopf kriegt", sagt Becker. Klingt nach Gelassenheit.

Nur bei einer Geschichte wird er ernst, und ausgerechnet dieses Ei hat er sich 2007 selbst gelegt. Becker war im Alkohol- und Drogenrausch abgestürzt. Nur der Notarzt rettete ihn vor dem Tod. "So etwas zieht nicht spurlos an einem vorbei." Becker hatte Glück und Menschen um sich, die zu ihm gehalten haben. "Ohne Familie, ohne Freunde und Kollegen, die für mich da waren, hätte ich mich an einen Baum genagelt." Als Dankeschön nimmt er jetzt mehr Rücksicht auf seine Familie. "Die Familie muss in meinem Beruf zwangsläufig zurückstecken." Aber er nimmt sich Zeit für Freundin Anne Seidel und seine Tochter. Gerade kommen sie von einem Kurzurlaub auf Mallorca. Und wenn im Oktober sein zweites Bruno-Buch erscheint, an dem er gerade schreibt, wird auch das ein Geschenk an seine Tochter.

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