Komische Oper
Wie St. Clair den Abschied von Berlin erklärt
Der Generalmusikdirektor der Komischen Oper, Carl St. Clair, wird bereits im Juli das Haus an der Behrenstraße in Mitte und Berlin verlassen. Dabei wollte er eigentlich bis 2012 hier bleiben. Was den Amerikaner zu dem überraschenden Rückzug bewogen hat.
Von Volker Blech
Emotional aufgewühlt wirkt Carl St. Clair – die Entscheidung, die Komische Oper schnellst möglich zu verlassen, muss dem Generalmusikdirektor schwer gefallen sein. "Ich bin an eine Grenze gestoßen, die ich als Musiker nicht überschreiten will", sagt der Dirigent. Nach der letzten Premiere von Beethovens "Fidelio" hatte der 57 Jahre alte Amerikaner Anfang der Woche bekannt gegeben, dass er zwei Jahre vor seinem Vertragsende im Juli das Haus verlässt. Es geht um künstlerische Differenzen mit dem Intendanten Andreas Homoki. "Wir haben einfach einen unterschiedlichen Stil", begründet St. Clair seinen Rückzug. "Eine weitere Zusammenarbeit wäre beim besten Willen nicht möglich gewesen, ohne dass einer von uns seine künstlerischen Ideale verrät." Ursprünglich wollte St. Clair das Haus 2012 verlassen, wenn Homoki als Intendant nach Zürich wechselt.
Aber es geht eben nicht nur um die fehlende Chemie zwischen zwei Alphatieren im Opernhaus, sondern auch um ästhetische Grundsätze. Letztlich ist es der alte Konflikt zwischen Musik und Regie, den die Komische Oper seit Anbeginn austragen muss. Aber St. Clair ist ein feiner Mensch, das Wort Müllcontainer kommt ihm nicht ein einziges Mal über die Lippen, auch nicht der Name des jungen Regisseurs. Aber der Container spielt nun einmal eine Hauptrolle in Benedikt von Peters "Fidelio"-Inszenierung. St. Clair formuliert – was ihn ehrt – lieber bescheiden das eigene Versagen: "Ich diene dem Komponisten und niemand anderem", sagt der Dirigent: "Die Partitur ist meine Bibel. Aber ich habe mich nicht stark genug für Beethoven eingesetzt und nicht früh genug die Notbremse gezogen."
Die Inszenierung des Regisseurs Benedikt von Peter war weitgehend auf heftige Kritik gestoßen. "Natürlich muss man in der Opernwelt immer wieder Kompromisse eingehen", so St. Clair: "Doch ich muss meine künstlerische Integrität bewahren." St. Clair versteht sich als Teamarbeiter. "Von der Tradition des autoritären Kapellmeisters halte ich nicht viel." In der Lage habe er auch für die geplante Neuproduktion von Richard Wagners "Meistersinger" mit Homoki als Regisseur keine Perspektive mehr gesehen. "Ich wollte dem Haus einen lähmenden Konflikt ersparen."
Nach seinem Weggang aus Berlin will St. Clair wieder mehr Gastdirigate annehmen. Außerdem ist er seit 1990 Chefdirigent des Pacific Symphony Orchestra in Orange County (California) und hat eine Professur. St. Clairs Nachfolger wird 2012 benannt, wenn auch der neuen Intendant Barrie Kosky antritt. Bis dahin steht der 29 Jahre alte Dirigent Patrick Lange dem Orchester als Chef vor. St. Clair wird übrigens am Freitagabend wieder den "Fidelio" dirigieren.
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