02.05.10

Friedrich-Luft-Preis

Grips Theater erhält Preis für seine eigene Linie

Für "Linie 2", zugleich Fortsetzung und Parodie des Klassikers "Linie 1", ist das Grips Theater mit dem Friedrich-Luft-Preis der Berliner Morgenpost ausgezeichnet worden. Das Stück ist tytpisch Grips Theater: ein Autoren-Stück, ein Schauspieler-Stück und auch ein Wohlfühlstück.

Foto: Sergej Glanze
Jochim Stoltenberg (r.) übergab den Friedrich-Luft-Preis an Volker Ludwig
Jochim Stoltenberg (r.) übergab den Friedrich-Luft-Preis an Volker Ludwig

Eigentlich war es eine ganz normale Repertoire-Vorstellung im Grips Theater. Ausverkauft, klar. Aber gleichzeitig war es eine ganz besondere: Nach der Aufführung von "Linie 2 – Der Alptraum" am Sonntag wurde die Inszenierung mit dem Friedrich-Luft-Preis der Berliner Morgenpost ausgezeichnet. Für die Zuschauer gab es ein Glas Sekt in der Pause und eine Blume zum Abschied. Für das Ensemble und die Musiker Blumensträuße. Grips-Chef Volker Ludwig nahm den Preis entgegen. "Wir freuen uns und sind stolz", sagte er und kündigte an, das Preisgeld "so anzulegen, dass alle im Team etwas davon haben." Ludwig sprach auch für Rüdiger Wandel, denn der "Linie 2"-Regisseur, selbst auch Schauspieler, konnte zur Verleihung nicht kommen, weil er auf einer Tournee durch Deutschland und die Schweiz anderswo einen Auftritt hatte.

Aber Grips-Gründer Volker Ludwig war schon der richtige Adressat. Denn die achtköpfige Jury des Friedrich-Luft-Preises hatte in ihrer Begründung ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass nicht nur die Inszenierung ausgezeichnet wird, sondern gewissermaßen auch die Gesamtleistung des Grips Theaters. Deshalb wurde der mit dem Preis verbundene Scheck in Höhe von 7500 Euro geteilt.

Die beiden "Linie 2"-Autoren Volker Ludwig und Rüdiger Wandel haben die Revue zum 40. Geburtstag des Grips-Theater im vergangenen Jahr verfasst. Auch, weil so viele Leute sie mit Fragen nach einer Fortsetzung des Grips-Klassikers "Linie 1" so genervt haben: "Aber die kann es natürlich nicht geben, alle Grundsituationen sind schon drin, man kann es nicht mehr besser machen", davon sind beide überzeugt. Deshalb ist "Linie 2" auch eine Parodie. Mit viel Selbstironie lassen die Autoren die Grips-Geschichte Revue passieren, da erklingen nicht nur die legendären Mutmachlieder in einem völlig anderen Kontext, da weht der Geist der legendären "Wilmersdorfer Witwen" in den Osten und der kaum minder populäre Leoparden-Tanga aus "Baden gehen" bekommt eine neue Auftrittschance. Sehr zur Freude des Publikums.

Die Jury des Friedrich-Luft-Preises der Berliner Morgenpost bezeichnete in ihrer Begründung die Revue als "sowohl selbstironischen wie selbstbewussten Rückblick auf 40 Jahre Grips Geschichte". Das 1969 von Volker Ludwig gegründete generationsübergreifende Theater "bleibt sich auch im Wandel der Zeiten stets der eigenen Linie treu. ,Linie 2' verdeutlicht nachhaltig, was Berlin dem Grips Theater zu verdanken hat."

Jury-Mitglied Martin Linzer hielt im Anschluss an die Aufführung die Laudatio und erinnerte auch an die Geburtsstunde der ausgezeichneten Revue. "Schon aus haushaltspolitischen Gründen konnte es nicht genügen, nur einen bunten Abend zum Jubiläum zu arrangieren, es musste schon ein repertoirefähiges Stück her. Das Ergebnis könnte man eine Paraphrase nennen, eine Parodie, einen Kommentar zu "Linie 1", das ist es alles auch, aber vor allem ist es ein typisches Grips-Gewächs, eine starke, natürlich Berliner Geschichte mit vitalen Figuren, mit vollem Engagement inszeniert und gespielt, die – so ganz nebenbei – auch 40 Jahre Geschichte dieser Bühne reflektiert, vor allem durch die Lieder und Songs."

Hochburgen des Regietheaters stehen anderswo in der Stadt, einen charmanten Seitenhieb darauf verteilte Martin Linzer in seiner Laudatio: "Das Grips-Theater war immer zeitgeistresistent und an Moden uninteressiert. Es war in seiner Frühzeit politischer Verleumdung ausgesetzt und auch heute gelegentlich dem Vorwurf, altmodisch zu sein. Aber solange es seine Lebendigkeit, Frechheit und seine Angriffslust nicht verliert, darf es getrost ,altmodisch' sein, darf es das Naserümpfen selbsternannter Trendsetter ebenso ignorieren wie Rezepte aus angesagten Performance-Laboren. Auch wenn es sich immer wieder neuen Anforderungen stellen musste, wurde es sich selber nie untreu. Stur beharren sie auf ihren Zielen: ,Wirklichkeit zeigen, Lebensperspektiven entwerfen, Mut machen.'"

Linzer erinnerte auch an die politisch turbulenten Zeiten: "Einem aus den 70ern stammenden Vorschlag aus einschlägiger Quelle, doch bitteschön ,rüberzugehen', ist Hausherr Volker Ludwig übrigens gefolgt, wenn auch mit Verspätung. Er hat kürzlich eine Dependance im Ostsektor aufgemacht, im Podewil. Das hieß früher mal Haus der jungen Talente, und das wird es ja nun auch wieder werden. Die Bühne am Hansaplatz, das Stammhaus, garantiert auch räumliche Nähe zum Publikum. Schauspieler und Zuschauer begegnen sich auf Augenhöhe, das schafft Vertrauen. Da es neue, stets aktuelle Stücke spielt, ist das Grips natürlich auch ein Autoren-Theater, aber in erster Linie ist es ein Schauspieler-Theater. Ein Regie-Theater war es nie. Und ein Wohlfühl-Theater ist es sowieso."

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Vermisst Sharlyn Weigmann
21:14Suche nach Mädchen
Sharlyn aus Hellersdorf vermisst – Großeinsatz der Polizei

Sharlyn wurde Montagvormittag zuletzt auf einem Spielplatz in Hellersdorf gesehen. Seither fehlt von dem Mädchen jede Spur. Die Polizei sucht mit Hunden und Hubschrauber. mehr...

Astronomie
19:00Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Dienstag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Dienstag, den 21. Mai. mehr...


Die kilometerlangen Rohrleitungen gehören zur Brandschutzanlage des BER-Terminals. Erst wenn sie stabil funktioniert, darf der neue Flughafen eröffnet werden
21:15Sprinkleranlage
Am BER tut sich was – Erstes Umbauprojekt seit Mehdorns Antritt

Wann der BER eröffnet, ist noch immer völlig unklar. Nun soll zumindest ein großes Manko beseitigt werden: Die Sprinkleranlage wird umgebaut, statt einer zentralen soll es drei separate Anlagen geben. mehr...


Kupferklau an Bahnschienen: Die Polizei kontrolliert einen Abschnitt in Marzahn
15:55Kriminalität
Metalldiebstahl – Kampf gegen die Wilderer der Großstadt

Erdungskabel, Grabplaketten: Vor Metalldieben ist nichts sicher. Die Deutsche Bahn registrierte 2012 Schäden von 17 Millionen Euro. Die Polizei fahndet mit modernster Technik. Wir haben sie begleitet. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
Unwetter Starke Tornados verwüsten vier US-Bundesstaaten
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Zweite Liga

Die Aufstiegsfeier von Hertha

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote