Berliner Kunstmarkt
Beim Gallery Weekend werden die Stars verkauft
Das kommende Wochenende der Berliner Galerien ist hochkarätig besetzt wie nie zuvor. In Zeiten der Krise setzen viele Sammler und Galeristen auf Künstler, die international einen hohen Marktwert haben. Die Zeit der Experimente scheint vorbei. Jetzt möchte man wieder Geld verdienen.
Von Tim Ackermann und Gabriela Walde
Es ist eine böse Fehlinformation, dass das Berliner Gallery Weekend in diesem Jahr in "Berlin Gagosian Weekend" umbenannt wird. Aber ganz falsch wäre es nicht. Wenn am kommenden Freitag zahlreiche Galerien hier ihre Ausstellungen eröffnen, dann wird auch die Macht von Larry Gagosian, diesem schillernden Kunst-Powerseller aus New York, spürbar sein. Und das liegt nicht nur an dem Porträt, das Elizabeth Peyton von dem Galerietycoon gemalt hat – es ist in Peytons Einzelschau in der Galerie Neugerriemschneider zu sehen. Nein, es ist die Künstlerauswahl beim Gallery Weekend, die immer wieder Verbindungen zu Gagosian anklingen lässt.
Sammler setzen auf Sicherheit
Contemporary Fine Arts zeigt die Malerin Cecily Brown, bei Haunch of Venison stellt Damien Hirst aus. Beide werden auch von Gagosian vertreten. In der Galerie Haas & Fuchs kuratiert Künstler Michael Craig-Martin (sonst bei Gagosian) eine Brit-Art-Gruppenausstellung unter anderem mit Hirst (schon wieder), Glenn Brown (Gagosian), Mat Collishaw, Angus Fairhurst, Sarah Lucas und Julian Opie. Andreas Gursky stellt seine neue sechsteilige Serie von Fotoarbeiten namens "Ocean I-VI" in seiner Hausgalerie Sprüth/Magers vor. Eine zweite Auflage wird in Beverly Hills, Kalifornien, von Larry Gagosian präsentiert.
All das ist natürlich reiner Zufall. Aber es zeigt doch etwas Interessantes: Im sechsten Jahr des Gallery Weekend und im zweiten Jahr der Krise setzen viele Galeristen auf Künstler, die international einen hohen Marktwert haben. Die Zeit der Experimente scheint vorbei. Jetzt möchte man wieder Geld verdienen. Denn – auch wenn das kein Galerist so offen sagen möchte, und das große Berliner Galeriensterben ausgeblieben ist – die finanziell heiklen Zeiten sind noch nicht ganz überwunden. Alle Medien sind auf dem Gallery Weekend vertreten, doch die klassischen Disziplinen wie Malerei und Fotografie sind stark gefragt, sie gelten für viele Sammler als solide Grundlage.
Es stimmt zwar, dass kein Berliner Galerist auch nur annähernd an den Umsatz von Gagosian herankommt, der Sammler in seinem Privatjet transportiert, Bilder von Warhol und de Kooning für zwei- bis dreistellige Millionendollarbeträge an Hedgefondmanager vermittelt und nebenbei die Produktion von Jeff Koons gigantischer Skulpturenserie "Celebration" finanziert. Doch wenn am Wochenende tatsächlich mehr als 700 Sammler aus aller Welt nach Berlin kommen, dürften durchaus gute Geschäfte gemacht werden. Die angebotene Kunst scheint hochkarätig wie nie.
Da ist zum Beispiel die Einzelpräsentation von Monica Bonvicini bei Max Hetzler. Eine fast museale Schau: Neben der Großskulptur "Light me Black" aus 144 Neonröhren, die direkt aus einer Ausstellung im Art Institute of Chicago kommt, wird eine Art Fetisch-Kammer mit Tisch, Stuhl und Matratze – alles aus schwarzem Leder – gezeigt. Dazu kommen Gemälde, Fotografien, Zeichnungen.
"Das Gallery Weekend ist für die Berliner Szene der wichtigste Termin im Jahr", sagt Hetzler, einer der Initiatoren des Vernissagen-Langlaufs. Dass der Bekanntheitsgrad der Künstler im Vergleich zu den vergangenen Jahren noch gestiegen sein könnte, stellt er aber nicht fest. Dabei müsste er nur mal die Namensliste durchgehen: Bei Neugerriemschneider wie gesagt Peyton – mit Stillleben und Bildern, die sich auf Vorläufer aus der Kunstgeschichte wie Delacroix beziehen, oder eben Porträts von Galeristen.
Die Galerie Crone bietet ihren Star Norbert Bisky auf. Judy Lybke von Eigen+Art hat sich eine andere Finte ausgedacht, um aufzufallen: Er hängt die Bilder von Martin Eder nicht ab, die schon seit einem Monat in der Galerie zu sehen sind. Die Ausstellung von Andreas Gursky bei Sprüth/Magers wird schon deshalb sehenswert, weil der Düsseldorfer mit seiner "Ocean"-Serie erstmals Bilder zeigt, für die er nicht mehr auf den Kameraauslöser gedrückt hat. Die Werke sind vollständig am Computer entstanden. Gursky stellte Satellitenfotos von Küstenlinien zusammen und berechnete die Meere dazwischen Pixel für Pixel selbst. Man fragt sich, ob man das vielleicht als Malerei bezeichnen könnte.
Malerin ohne Fragezeichen ist Cecily Brown. Ihre Bilder bei CFA haben den liegenden Körper einer Frau als Vorlage für mehrere Abstraktionsvarianten. Bei "Lady with a dog" glaubt man einen Hundekopf zu erkennen.
Auch Museen ziehen mit
Tiere gibt es auf jeden Fall bei Hirst, der bei Haunch of Venison mit seinem alten Freund Michael Joo ausstellt. Zum Zoo gehören gleich zwei Zebras – eins in Formaldehyd von Hirst und eins aus Bronze von Joo. Haunch of Venison gehört nicht zum offiziellen Kreis der Gallery-Weekend-Teilnehmer.
Zu den wichtigen Ereignissen der kommenden Woche zählt die Schau von Olafur Eliasson, der am Mittwoch zur Vernissage lädt – demokratisch von 10 bis 24 Uhr bei freiem Eintritt für alle. Dann folgt am Donnerstag Frida Kahlo, ebenso im Martin-Gropius-Bau zu sehen. Auch die Berlinische Galerie (mit Julian Rosenfeld) und das Guggenheim machen mit beim Kunst-Marathon. Unter den Linden widmet man der kenianischen Künstlerin Wangechi Mutu eine Einzelschau, gerade wurde sie zu "Künstlerin des Jahres" ernannt. Heiner Bastian zeigt zum Gallery Weekend in seinen Räumen Anselm Reyle. Der wird ebenfalls von Larry Gagosian vertreten.
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