Klassik

Cellistin Sol Gabetta gibt ihr Debüt bei den Philharmonikern

Foto: (c) Uwe Arens / Sony Classical

Die Argentinierin ist zurück in Berlin. Am Freitag gibt Sol Gabetta ihr Debüt bei den Philharmonikern. Ein Ritterschlag. In drei Konzerten bis Sonntag spielt sie das erste Cellokonzert von Martinu.

Eine außergewöhnliche Karriere hat Cellistin Sol Gabetta in den vergangenen Jahren hingelegt. Nach ihrem Studium in Berlin wurde die Argentinierin schnell zur gefragten Virtuosin.

Berliner Morgenpost: Es ist Ihr offizielles Debüt bei den Philharmonikern: Sind Sie aufgeregt?

Sol Gabetta: Natürlich ist für jeden Musiker ein solches Debüt etwas ganz Besonderes. Auch für mich ist es aufregend. Aber ich hatte kürzlich schon mit den Philharmonikern gespielt. Der Termin in Baden-Baden war als zusätzliches Geschenk in meinen Terminkalender gekommen. Insofern geht es diesmal schon etwas familiärer zu. Aber die Philharmonie bleibt immer ein besonderer Ort.

Wie lange haben Sie auf dieses Debüt gewartet?

Das weiß ich nicht genau. Es gab Einladungen. Das hat dann aber nicht geklappt, weil irgendetwas nicht ideal war. Aber jetzt ist es ja so weit. Und ich bin auch sehr froh darüber, dass ich das selten aufgeführte Konzert von Martinu spielen kann. Normalerweise wird immer die große Konzertliteratur vorgeführt, mit Dvorak, Schumann, Elgar kann man sich am besten präsentieren. In Baden-Baden habe ich auch Elgar gespielt.

Wie oft haben Sie den Martinu bereits aufgeführt?

Es ist kein Konzert, das man so oft einplanen kann. Wie oft, das weiß ich nicht. Ist eigentlich auch nicht wichtig. Ich entdecke es jedes Mal neu.

Spielt man es mit den Berliner Philharmonikern anders?

Martinu ist für mich ein besonderer Komponist, weil sein Konzert sehr fröhlich wirkt, aber gleichzeitig die Melodien von unglaublicher Melancholie sind. Er ist ein sehnsüchtiger Komponist. Es ist zugleich eine minimalistische Musik, alles ist voller Klarheit komponiert. Man kann nicht irgendetwas spielen, vom Notentext abweichen. Bei ihm fällt das besonders auf. Jetzt mit den Philharmonikern, das weiß ich schon, wird es ganz brillant sein. Das Stück braucht Klarheit und Perfektion.

Gibt es einen Cellovirtuosen, der mit diesem Konzert Maßstäbe gesetzt hat, an denen Sie sich orientieren?

Als ich das erste Mal für dieses Stück angefragt wurde, das war vor neun oder zehn Jahren, ich habe es mit dem Dirigenten Andris Nelsons gemacht, da habe ich mir Aufnahmen angehört. Es gibt gar nicht viele Aufnahmen. Ehrlich gesagt, es gibt gar keine gute Aufnahme.

Die Zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker sind als eigene Kammermusikformation berühmt. Macht Sie das nicht nervös, wenn sie hinter Ihnen sitzen?

Nein, das macht mich nicht nervös. Im Gegenteil. Ich war in Gstaad in ihrem Konzert im vergangenen Jahr. Die Arrangements sind grandios, es sind wunderbare, erfolgreiche Musiker. Und Cellisten sind untereinander immer sehr kollegial.

Reisende Virtuosen sind Einzelkämpfer. Die Orchester wechseln, wer steht Ihnen gefühlt am nächsten auf dem Podium?

Das hängt davon ab, welches Stück man spielt. Beim Elgar-Konzert gibt es zum Beispiel einen kammermusikalischen Part mit den ersten Geigen. Es gibt immer jemanden, der die positive Energie ans Orchester weiter gibt und mit dem man einen Blickkontakt aufnehmen kann. Musik braucht eine starke Kommunikation. Mit den Augen kann man sich gegenseitig Einsätze geben. Es sind natürlich nicht die Bläser, die sechs, sieben Meter hinter einem sitzen. Ich kommuniziere gerne mit allen, die vorne sitzen, den ersten Bratschen und Celli. Und natürlich mit dem Dirigenten und dem Konzertmeister.

Sie sind auch als TV-Moderatorin unterwegs: Im Bayerischen Fernsehen präsentierten Sie im Wechsel mit Schlagzeuger Martin Grubinger die Klassiksendung "KlickKlack". Was haben Sie selber aus der Sendung gelernt?

Ganz viel. Ein großes Problem für viele Musiker ist es, vor Publikum zu sprechen. Dabei tun wir das ja mit der Musik, aber vorm Sprechen haben viele Angst. Ich war früher auch sehr schüchtern, zumal ja Deutsch nicht meine Muttersprache ist. Das Fernsehen hat mich sehr geöffnet. Man muss sich nur trauen.

Eigentlich kann man Sie als Berliner Cellistin bezeichnen. Sie haben an der Eisler-Musikhochschule studiert, Sie waren Artist in Residence am Konzerthaus, Sie haben hier eine Wohnung. Was bedeutet Berlin in Ihrer gegenwärtigen Lebensphase?

Als ich in Berlin studierte, war ich emotional noch sehr an die Schweiz gebunden. Davor war ich einfach durch zu viele Länder gewechselt. Von Argentinien ging ich nach Spanien, dann nach Frankreich, schließlich in die Schweiz. Dann kam ich nach Berlin. Ich konnte das Angebot hier gar nicht richtig genießen. Nach dem Studium merkte ich, dass ich gar nicht richtig weg wollte. Ich habe mir gesagt, irgendwann werde ich mir eine Wohnung in Berlin nehmen und alles nachholen.

Wie oft sind Sie denn hier?

Offiziell lebe ich in der Schweiz. Dort bin ich in der Natur. Hier bin ich in einer Hauptstadt, in der unheimlich viel passiert. Ob in Oper oder Konzert. Die Freiheit hat mir gefehlt. Ich bin so oft da, wie ich kann. Ich habe gerade ein dichtes Jahr, aber ich war bestimmt fünf Wochen in Berlin. Es ist der Stolz meines letzten Jahres, dass ich jetzt die Wohnung hier habe. Ich fühle mich in Berlin irgendwie auch zu Hause.

Die Philharmoniker beginnen um 20 Uhr, Sie spielen in der ersten Hälfte. Was machen Sie in der letzten Stunde vor Ihrem Auftritt?

Die Konzerttage sind fast immer gleich, ich bin sehr konzentriert. Wobei ich versuche, alles Rituelle zu vermeiden. Am Morgen übe ich, nachmittags schlafe ich fast zwei Stunden. Eine Stunde vorher bin ich bereits in der Philharmonie.

Was genau machen Sie in dieser Stunde?

Es gibt viel zu tun. Ich bügle mein Kleid. Solche Dinge mache ich immer selber, weil ich ja keine Königin bin. Dann wiederhole ich noch mal ein paar Stellen. Ja, was mache ich? Das Warten – bis es endlich auf die Bühne geht – ist das Schwierigste überhaupt.

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