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29.03.10

Staatsoper Unter den Linden

Rolando Villazon hat Lust auf Entdeckungen

Bei den Festtagen seines Ziehvaters, dem Dirigenten Daniel Barenboim, hat sich Rolando Villazon jetzt zurück gemeldet. Seit einem knappen Jahr war der populäre Tenor, den viele an der Seite von Anna Netrebko kennen lernten, nicht mehr aufgetreten. Jetzt feierte der mexikanische Startenor an der Staatsoper Unter den Linden sein Comeback.

© Virgin Classics/Pamela Springsteen/rolandovillazon.com
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Zu viele Engagements, zu große Säle und Freiluftarenen, Auftritte mit Erkältung, dann die Operation einer Zyste an den Stimmbändern. An der Staatsoper Unter den Linden hat der Mexikaner als Lenski in Tschaikowskys "Eugen Onegin" jetzt sein Berliner Comeback gefeiert. Volker Blech befragte ihn.

Morgenpost Online: Wie haben Sie sich nach der ersten Berliner Vorstellung als Lenski gefühlt?

Rolando Villazon: Natürlich habe ich mich sehr glücklich nach der Aufführung gefühlt, aber die wichtigere Frage ist doch, wie ich mich währenddessen fühlte? Und die Antwort lautet: in Erstaunen versetzt! Ich habe ein großes Vergnügen gespürt, wieder auf der Bühne zu sein - und dass inmitten von Achim Freyers seltsamer und außergewöhnlicher Welt voller Symbole und hindurch geführt von einem der größten Musiker unserer Zeit, obendrein einem guten Freund, Maestro Barenboim. Oper ist immer Teamwork, es ist einfach schön, mit jemandem zusammen zu singen.

Morgenpost Online: Es war auffällig still vor Ihrer Renaissance als Tenor? Wie groß war die psychische Belastung vor den ersten Vorstellungen in Wien und jetzt in Berlin?

Villazon: Natürlich war ich nervös, aber ich hatte keine Angst. In einer solchen Situation hat man einerseits viel Energie, andererseits auch Hemmungen. Aber ich weiß nicht viel über die Nerven, also lasse ich sie einfach ihren Job in mir tun. Letztlich bleibt die Frage: Ist es besser gesund oder verrückt zu sein, um auf die Bühne hinauszugehen? Aber richtig ist: Das Singen ist nicht nur eine Frage der Stimme, sondern auch des Kopfes.

Berliner Morgenpost: Und was tun Sie gegen die Anspannung?

Villazon: Also ich mache kein Yoga, ich würde auch nie trinken, um mich vom Leben und der Wirklichkeit abzulenken, und das Lesen ist keine Beschäftigung, die ich benutzen würde, um mich vor meinen Gefühlen zu schützen. Ganz im Gegenteil.

Berliner Morgenpost: Verbirgt sich dahinter auch die Erfahrung, dass Klassikstars wie Sie, die wie Popstars wahrgenommen und in den Medien präsentiert werden, öffentlich doch zurückhaltender sein müssen?

Villazon: Die Bühne ist doch kein Käfig, lass die Vögel fliegen, wenn sie fühlen, dass es gut ist zu fliegen. Zwänge jeder Art sind nicht gut.

Berliner Morgenpost: Leben Sie heute anders, bewusster als vor ein oder zwei Jahren? Was hat sich verändert?

Villazon: Ich denke bereits seit Jahren über meine Karriere nach. Ich glaube, dass ich es geschafft habe, mich nicht mehr darum zu sorgen, was die Menschen über mich denken.

Morgenpost Online: Für Ihre Operation hatten Sie, so wurde bei der Verkündung Ihrer Heilungspause mitgeteilt, einen Charlottenburger Stimmarzt gewählt. Wie kam es eigentlich zu dieser Entscheidung?

Villazon: Das ist nicht richtig. Der Arzt, der mich operiert hat, war Dr. François Leca, der zufällig derselbe Arzt ist, der auch Natalie Dessay half. Und er war der Einzige, der erkannte, dass ich eine angeborene Zyste hatte, und wie man sie wieder los wird.

Morgenpost Online: Wer stand Ihnen in der Zeit der Heilung und der Vorbereitung auf das Comeback als Berater, als Freund am nahesten?

Villazon: Meine Frau Lucia ist immer bei mir, seit ich sie kenne - und das bereits seit 21 Jahren. Ich bin sehr glücklich, sie an meiner Seite zu haben. Aus der Musikwelt waren es zwei mir sehr wichtige Freunde und Vater-Figuren während der ganzen Zeit: Maestro Barenboim und Maestro Domingo. Das sind nicht nur zwei Künstler, die ich unermesslich bewundere, sondern vom ganzen Herzen auch liebe. Gerade von Daniel Barenboim, den ich für einen Musik-Philosophen halte, habe ich viel gelernt.

Morgenpost Online: Was hat ein leidenschaftlicher Sänger wie Sie in einer Zeit gemacht, in der er zum Schweigen verurteilt war? Gab es eine Art Ersatzkunst?

Rolando Villazon: Jonglieren, Schreiben, Lesen, Lachen und das Leben lieben.

Morgenpost Online: Ihre Freunde beschreiben Sie als überaus belesenen, nachdenklichen, zweiflerischen Menschen, das Publikum nimmt Sie dagegen als humorvollen, feurigen, draufgängerischen Sänger wahr? Wer sind Sie nun wirklich?

Rolando Villazon: Nichts von alledem und doch alles, vielleicht.

Morgenpost Online: Wie sehen Ihre nächsten Schritte zurück in den Musikbetrieb aus? Sind Sie diesmal vorsichtiger?

Villazon: Nur defensiv zu sein, ist kein Weg für einen Künstler. In mir steckt die Lust auf neue Entdeckungen, voller Intensität und Herausforderung. Aber jetzt bin ich erst einmal an der Berliner Staatsoper, meiner Heimat. Im Haus kennen mich viele noch als den jungen Rolando. Die Leute freuen sich, wenn sie mich sehen und ich kann einfach nur der Rolando sein.

In der Staatsoper Unter den Linden, Mitte, wird Rolando Villazon den Lenski noch zweimal singen, am 31. März und am 2. April. Es gibt noch Restkarten (Tel. 203 54 555). Darüber hinaus ist er am 5. Juni zum Saisonabschluss, wenn "Eugen Onegin" live auf den Bebelplatz übertragen wird, zu erleben. Dort ist der Eintritt frei.

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