Deutsche Oper Berlin

Jetzt kann man Opern auch auf Englisch mitlesen

Foto: Monika Rittershaus

Eine neue Anlage ermöglicht mehrsprachige Übertitel. Jede Vorstellung wird künftig ins Deutsche und Englische übersetzt. Damit reagiert die Deutsche Oper auf ein zunehmend internationales Publikum.

Die Erkenntnis traf ihn schlagartig beim "Ring des Nibelungen" im September. "In der Pause hörte ich rings um mich herum Menschen Englisch sprechen und dachte: Wie peinlich, dass wir hier eine deutsche Oper nur mit deutschen Übertiteln zeigen", erinnert sich Dietmar Schwarz. Beim Förderkreis rannte der Intendant der Deutschen Oper Berlin offene Türen ein.

Dass ein internationales Haus mit Publikum aus aller Welt englische Übertitel braucht, leuchtete jedem sofort ein. Sehr schnell standen Spenden in Höhe von rund 100.000 Euro bereit, um eine neue Übertitelungsanlage zu installieren.

Neue, lichtstärkere LED-Anlage

Nun ist es soweit: Die alte Beamer-Technik ist durch eine moderne LED-Anlage ersetzt worden. Sie ist lichtstärker, so dass die Schrift auch bei einer hell geleuchteten Inszenierung wie der von "Jenůfa" gut lesbar ist. Außerdem kann man Farben, Schriftgrößen und auch die Sprache selbst bei Bedarf wechseln.

Von der "Liebestrank"-Premiere am 25. April 2014 an wird jede Vorstellung ins Deutsche und Englische übersetzt. Damit ist die Deutsche Oper Berlin nach dem Opernhaus Zürich, der Wiener Staatsoper und der Komischen Oper Berlin das vierte Opernhaus im deutschsprachigen Raum, das mehrsprachige Übertitel einführt. Der neue Trend ist dem immer internationaler werdenden Opernpublikum geschuldet. Im Jahr 2012 kamen bereits 28 Prozent des Publikums an der Deutschen Oper aus dem Ausland, davon 22 Prozent aus den USA und Großbritannien. Auch der Anteil englischsprachiger Neuberliner wird immer größer.

Originalsprache ist mittlerweile üblich

Einen Bedarf an Übersetzungen gibt es an Opernhäusern schon viel länger als die Übertitelungsanlagen. Seit den 60er Jahren wurden Opern zunehmend in der Originalsprache aufgeführt, was auch das Engagement internationaler Gesangsstars erleichterte. Um Verständnisschwierigkeiten vorzubeugen, griff man zu unterschiedlichen Mitteln. Dietmar Schwarz erinnert sich aus seiner Bremer Zeit an Werner Schroeters Inszenierung von Catalanis "La Wally": "Die Sänger sangen Italienisch, aber ein Schauspieler wurde als Erzähler eingesetzt, der vor jedem Akt die Handlung auf Deutsch erklärte."

Inspiriert von den Untertiteln im Film setzte die Canadian Opera Company 1983 erstmals Übertitel in einer Oper ein. Mitte der 90er Jahre setzte sich die Technik allgemein durch. Die erste übertitelte Vorstellung in der Deutschen Oper Berlin war "Ein Maskenball" im Jahr 1992. Von 2005 an gab es auch deutschsprachige Opern mit Übertiteln. "Das macht die Oper einem breiteren Publikum zugänglich. Man kann der Handlung ohne jede Vorbereitung folgen", so Schwarz.

Verschiedene Techniken möglich

Inzwischen hat sich die Technik an Opernhäusern, Theatern und bei Festivals vollkommen durchgesetzt. Neben der Beamer- und der LED-Technik gibt es noch die Möglichkeit, Displays in die Sitzlehnen einzubauen. Das hat den Vorteil, dass sich jeder Besucher die Übersetzung individuell einstellen kann, aber neben den sehr hohen Kosten auch den Nachteil, dass der Blick des Zuschauers immer zwischen Bühne und Vordersitz wechseln muss.

Zuschauer begrüßen Übertitel

Die Stimmen der Zuschauer, die sich in ihrem emotionalen Erlebnis durch die Schrift gestört fühlen, sind inzwischen weitgehend verstummt. "Ich kenne nun wirklich viele Opern recht gut. Aber auch ich finde es immer wieder hilfreich, an manchen Stellen nachsehen zu können, was gerade gemeint ist", erzählt der Intendant. Wie wichtig den Zuschauern die Übertitel sind, merken die Verantwortlichen an den vielen Reaktionen, wenn die Technik nicht richtig funktioniert. "In meiner Baseler Zeit bin ich schon einmal vor den Vorhang getreten und habe die indisponierte Übertitelungsanlage angesagt", so Schwarz.

Repertoirestücke werden für die Anlage eingerichtet

Seit Januar arbeiten die Dramaturgen der Deutschen Oper daran, englische Übersetzungen der Repertoirestücke für die neue Anlage einzurichten. Bei jeder neuen Übersetzung muss man abwägen, wie weit man dabei auf die Inszenierung eingeht – ohne sich zu weit vom gesungenen Originaltext zu entfernen. Während der Vorstellung sitzt dann ein Mitarbeiter am Notebook und schaltet bei jeder im Klavierauszug gekennzeichneten Stelle gleichzeitig den deutschen und den englischen Text weiter. Er erscheint dann auf dem zweigeteilten Kasten über der Bühne. Nicht nur der Intendant freut sich auf die neue, erweiterte Technik. Schließlich weiß er: "Die Übertitel – auch die Übersetzung – sind oft entscheidend für das Verständnis und das emotionale Erlebnis des Zuschauers."