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Unterricht

Das schrieben die Musiker Jürgen Zöllner

Berlins Dirigenten und Intendanten, allen voran Sir Simon Rattle (Berliner Philharmoniker) und Daniel Barenboim (Staatsoper Unter den Linden), haben gegen den Abbau des Musikunterrichts an den Hauptstadt-Schulen protestiert. Morgenpost Online dokumentiert ihren offenen Brief an Schulsenator Jürgen Zöllner.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Zöllner,

mit diesem Schreiben wollen wir gegen den geplanten Abbau des Musikunterrichts an den weiterführenden Schulen protestieren. Seit knapp zwei Jahrzehnten läuft nun schon der Abbau des Musikunterrichts in den Sekundarstufen I und II. Seit 1993 sind die für alle Schüler verbindlichen Musikstunden in der SEK 1 von 2 Wochenstunden auf 1,5 oder sogar nur 1 Stunden zusammengekürzt worden.

Mit dem 1. Februar 2010 kommt nun noch erschwerend und erstmals die Austauschbarkeit von Musik und Bildender Kunst hinzu, so dass an einigen Schulen möglicherweise gar kein Musikunterricht stattfinden wird. In der ab 2010/11 vorgesehenen Stundentafel für die neue Sekundarschule ist diese Austauschbarkeit ebenfalls gegeben und nur noch eine einzige Musikstunde pro Woche ist verbindlich.

In der SEK II sieht es nicht besser aus: Am Gymnasium, das die Schüler ja inzwischen nach 12 Jahre mit dem Abitur verlassen sollen, fällt der Musikunterricht der 11. Klasse komplett weg. Dazu kommt, dass durch die geringe Berührung mit diesem Fach viele Schüler eine Wahl von Musik als Leistungs- und Grundkurs scheuen, wodurch das Angebot noch weiter ausgedünnt wird. Dies hat in unseren Augen eine fatale Wirkung auf die Musikkultur unserer Stadt. Nicht nur wird von Ihnen damit der Verlust wichtiger kultureller Möglichkeiten und Traditionen billigend in Kauf genommen, sondern auch eine Nivellierung des Allgemeinwissens auf naturwissenschaftliche und ökonomische Inhalte.

Es kann nicht sein, dass es Schüler gibt, die in den Klassen 7 – 9 (also drei Jahre lang!) überhaupt keinen Musikunterricht in der Schule haben. Wie wir so nachwachsendes Publikum heranziehen sollen und mit wem wir in Zukunft die Education-Programme an den Schulen zusammen erarbeiten sollen, ist uns ein Rätsel.

Wir bitten Sie, diese Pläne für die Sekundarschulen wieder rückgängig zu machen und so zumindest einen durchgehenden verbindlichen Musikunterricht auf dem bisherigen Niveau der Realschule mit jeweils 1,5 Stunden (bis Anfang 2009/2010) für alle Klassenstufen zu erhalten. Wir möchten Sie bitten, in einen konstruktiven Dialog mit dem Verband Deutscher Schulmusiker e. V. zu treten und fordern, dass eine Lösung gefunden wird, die die musikalische Allgemeinbildung nicht aus unserer Stadt verbannt.



Erschienen am 09.03.2010

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