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Konzert

Berliner Fans feiern Rückkehr von Spandau Ballet

Die Jungs von Spandau Ballet stehen nach 20 Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne. In der Berliner C-Halle gab es zwar nicht viel Neues von ihnen zu hören. Doch die Band verwaltet den eigenen musikalischen Nachlass mit Hingabe.

Spandau Ballet
Foto: dpa
Sänger Tony Hadley, etwas kräftiger geworden und schnieke in Anzug und Krawatte, ist bestens bei Stimme

Auch wenn die Erinnerung ein wenig trügerisch sein mag, eines muss man der britischen Popband Spandau Ballet attestieren: Sie spielt heute handwerklich versierter und routinierter, als sie es bei ihren Berlin-Konzerten in den achtziger Jahren je getan hat. Und auch wenn die Musiker seit gut 20 Jahren nicht mehr gemeinsam auf der Bühne standen, haben ihre Songs dies doch unbeschadet überdauert, ja, sie passen sogar bestens in die heutige Zeit von Wirtschaftskrise, Krieg und Katastrophen, in der sich das Publikum nach etwas Eskapismus und Hedonismus geradezu zu sehnen scheint.

Im Januar waren sie bereits bei der Fashion Week als fulminanter Partygag der Höhepunkt von Michael Michalskys Modenschau im Friedrichstadtpalast. Am Sonnabend nun feierten rund 2500 Besucher in der C-Halle, die einmal Columbiahalle hieß, lautstark die Rückkehr von Spandau Ballet, wieder vereint in der Originalbesetzung.

Perfekt und mit merklicher Spielfreude

Die Band geht auf Nummer sicher. Und spielt ein zweistündiges Hit-Programm, in dem sie ihre zehn Jahre währende Karriere abarbeitet. Als sich der weiße Vorhang unter geradezu frenetischem Applaus öffnet, stehen sie eng beieinander auf der Bühne und beginnen die Show mit „To Cut A Long Story Short“, ihrer ersten Single von 1980, original billiger Keyboard-Sound inklusive. Sänger Tony Hadley, etwas kräftiger geworden und schnieke in Anzug und Krawatte, ist bestens bei Stimme und wird sein tenorales Pathos im Laufe des Abends noch mehrfach ausbreiten können.

Gitarrist Gary Kemp und sein Bruder Martin am Bass, die die Zeit der Trennung als Schauspieler - unter anderem in „The Krays“ und „Bodyguard“ - überbrückt haben, posieren mit rockiger Geste, Schlagzeuger John Keeble wuchtet die mitunter schlichten Pop- Funk- und Discostücke schlagmächtig aus und Steve Norman garniert den aufpolierten Achtziger-Sound mit intensivem Saxophon- oder Percussion-Einsatz.

Ein Keyboarder und eine Sängerin komplettieren die Live-Besetzung, die auch jedem Kreuzfahrtschiff oder Las-Vegas-Casino zur Zierde gereichen würde. Perfekt und mit merklicher Spielfreude wecken Spandau Ballet wohlige Erinnerungen, die einen Schleier aus Sentimentalität und Nostalgie über dem Publikum ausbreiten.

Bis heute hat die Band Spandau nicht gesehen

In ihrer Blüte gehörten Spandau Ballet – die Spandau übrigens bis heute nicht zu Gesicht bekommen haben – neben Bands wie Duran Duran, Culture Club oder Visage zum harten Kern der New Romantics, jener modevernarrten und selbstverliebten Spaßbewegung, die das Ende von Punk und New Wave markierte. Fönfrisuren, schrille Outfits und eine oft von Beliebigkeit gestreifte Musik für den Augenblick prägten auch das Erscheinungsbild von Spandau Ballet, die sich freilich schon bald von den New Romantics lossagten. Inzwischen, so scheint es, entdecken sie ihre Musik noch einmal neu, haben die Stücke zum Teil neu bearbeitet, bleiben bei anderen wieder dem Originalarrangement treu.

Und sie haben eine Handvoll Klassiker gelandet, die es in glasklarem Sound zu hören gibt, allen voran „Chant No. One“ und „Lifeline“, „True“ und natürlich (als letzte Zugabe) „Gold“. Auf der großen Bildwand im Bühnenhintergrund beschwören Spandau Ballet mit alten Filmen die eigene unbedarfte Jugend bei „Round And Round“. Die Ballade „With The Pride“ markiert einen Ruhepunkt zur Hälfte der Show. Sänger Tony Hadley und Gitarrist Gary Kemp, die sich Anfang der Neunziger nach der Auflösung der Band über die Rechte an den Songs heillos zerstritten hatten, demonstrieren hier die wieder gewonnene Freundschaft im Unplugged-Duett. Und als unnachgiebiger Mitmach-Kracher erweist sich „Fight For Ourselves“ vom 86-er-Album „Through The Barricades“.

Nein, viel Neues gibt es nicht von Spandau Ballet. Aber die Band verwaltet den eigenen musikalischen Nachlass mit einer Hingabe, die alle Vorurteile und Abneigung von einst vergessen macht. Das Wiedersehen in der C-Halle wird von lang anhaltendem Jubel gekrönt.

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