Haus der Berliner Festspiele
Künstler feiern Herta Müller mit Literaturfest
Samstag, 19. Dezember 2009 12:36 - Von Volker BlechTrotz eisiger Kälte standen am Freitagabend Literaturliebhaber vor dem Haus der Berliner Festspiele. Sie wollten Karten für die Feier zu Ehren Herta Müllers haben. Mit Performances, Lesungen und Musik wurde die Literaturnobelpreisträgerin – an einem historisch bedeutsamen Datum - ausgiebig gefeiert.
„Der Bogen von einem Kind, das Kühe hütet im Tal, bis hierher ins Stadthaus von Stockholm ist bizarr. Ich stehe, wie so oft, auch hier neben mir selbst.“ So hatte Herta Müller ihre Tischrede begonnen. Wenn sie spricht, kommt Literatur heraus. Gut eine Woche ist es her, dass die Berliner Schriftstellerin den Literaturnobelpreis erhielt. Am Freitagabend wurde sie nun in ihrer Wahl-Heimstadt begeistert empfangen. Ihr zu Ehren wurde im Haus der Berliner Festspiele ein Fest ausgerichtet.
Der knapp 1000 Plätze fassende Saal des Festspielhauses an der Schaperstraße war für den Abend komplett ausverkauft. Freunde, Weggefährten und Leser gratulierten der Schriftstellerin in einem anderthalbstündigen Programm mit Musik, Lesungen, warmherzigen Worten und Ovationen.
„Wir ehren nicht nur eine große Autorin, wir ehren auch eine Mutige, eine Furchtlose, eine Standhafte“, lässt Hausherr Joachim Sartorius mitteilen. Er selber blieb im Schnee in Paris stecken. In seiner Rede, verlesen vom Schauspieler Ulrich Matthes, begrüßt Sartorius auch die „bedauernswerten Abwesenden“. Die Mitteilung sorgt für den ersten Lacher des Abends. Es sollten noch viele folgen.
Ein Gratulant hüllt sich in Ernsthaftigkeit
Herta Müllers Verleger Michael Krüger hält die Laudatio, erzählt von den Problemen, den passenden Frack im Kostümverleih zu finden, so zwischen 16 sich einkleidenden Nikoläusen. Und darüber hinaus schildert er seine Beobachtungen der noblen Preisverleihung. Genau genommen seine Sicht auf den „wohlfrisierten Hinterkopf des Außenministers – Westerwelle“.
Die Geehrte selbst stellt einige Textcollagen voll hintergründigem Humor vor. Einzelne Worte bleiben haften: Witwen, Koffer, Wolken. Sie selbst verzieht dabei keine Miene. Ans Pult lehnt sich schützend eine kleine hagere Frau, die so genusssüchtig mit der Sprache umgehen kann. Es ist vor allem auch der Genuss an der Tragödie.
Das Wort Securitate fällt an diesem Abend auffällig selten. Dafür verliest Herta Müller einen rumänischen Text in Erinnerung an die Toten in den Wendeunruhen vor zwanzig Jahren. Man glaubt Tränen in ihren Augen zu sehen.
Lächeln ist Herta Müllers Sache nicht
Der ganze Abend changiert irgendwo im Niemandsland zwischen Deutschland und dem Banat, die Fernsüchte werden von Ada Milea als Überraschungsgast lustvoll besungen. Müller zeichne „mittels der Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit“, hatte die Nobelpreis-Jury erklärt. Zweifellos gibt sie allen Migranten unserer Zeit ein literarisches Gesicht. Aber sie ist ein scheuer Star. Lächeln ist Herta Müllers Sache nicht. Bei den stehenden Ovationen am Ende ist ihr die Rührung anzusehen. Dann entgleitet ihr, flüchtig vor den Fotografen, sogar ein Lächeln.
Unter den deutschsprachigen Autoren ist Herta Müller die 13. Preisträgerin und insgesamt die zwölfte Frau, die seit 1901 diese höchste literarische Auszeichnung der Welt in Stockholm erhielt. Berlin kann sich mit ihr schmücken.
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Erschienen am 18.12.2009




































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