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06.12.09

Humboldt-Forum Berlin

Stadtschloss-Architekt Stella fordert mehr Geld

Rund 550 Millionen Euro darf der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses kosten – für den Architekten ist das nicht genug. Die Kuppel sollte doch gleich auf das Schloss gesetzt werden, nicht nur das geplante Gerippe, sagt er jetzt. Der Bundesbauminister hält sogleich dagegen.

BBR

Ein weiterer Blick in den Schlüterhof.

10 Bilder

Der mit dem Neubau des Berliner Stadtschlosses beauftragte Architekt Franco Stella hält das Kostenlimit von rund 552 Millionen Euro für zu niedrig. Er plädierte deshalb dem Nachrichtenmagazin "Focus" gegenüber dafür, die bisherige Kalkulation zu überdenken. "Die Kuppel und das Portal im Eosanderhof sollten realisiert werden, auch wenn ihr Dekor im jetzigen Budget nicht enthalten ist", sagte Stella.

Anstelle der Kuppel soll bislang nur ein Gerippe auf das Schloss gesetzt werden, das daran erinnern soll, dass weitere Spenden gebraucht werden, um eine Kuppel aufzusetzen.

Auch der Architekten- und Ingenieur- Verein zu Berlin (AIV) hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, die Kuppel über dem Eosanderportal zu rekonstruieren. Sie sei seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein markantes Erkennungsmerkmal gewesen, hieß es. Mit der Entscheidung zu einer äußeren historischen Rekonstruktion dürften "wesentliche Elemente dieses Gebäudes nicht verloren gehen".

Die erste Überarbeitung seiner Wettbewerbspläne sei im Januar abgeschlossen, sagte Stella dem Nachrichtenmagazin, und solle dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Der bisherige Entwurf lasse zudem die Möglichkeit zur Rekonstruktion bedeutender Innenräume offen: "Man sollte sie dann aber auch sehr getreu wiederherstellen."

Dagegen hält Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) an der vom Bundestag beschlossenen Kostenkalkulation fest. "Ich bleibe dabei. Das Berliner Schloss wird so gebaut, wie es der Bundestag beschlossen hat", ließ der Minister über eine Sprecherin verbreiten. Das gelte auch für die Kostenkalkulation. Er fügte hinzu: "Wer mehr will, muss auch sagen, woher das Geld kommt."

Die Kosten für die Rekonstruktion des Schlosses in Berlin-Mitte, das an drei Seiten die historischen Fassaden wieder aufnimmt, werden auf 480 Millionen Euro beziffert. Der Bund beteiligt sich mit 368 Millionen Euro, das Land Berlin mit 32 Millionen Euro. 80 Millionen Euro sollen über Spenden finanziert werden. Für die Ausstattung und Einrichtung des Schlosses gibt der Bund noch einmal 72 Millionen Euro, womit sich die Gesamtkosten auf 552 Millionen Euro erhöhen.

In der vergangenen Woche hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf eine Entscheidung des Bundeskartellamtes aufgehoben, wonach der Vertrag mit Stella wegen Verstoßes gegen das Vergaberecht für nichtig erklärt worden war. Allerdings bleibt der Architektenvertrag rechtsunwirksam und muss neu abgeschlossen werden.

Stella hatte bei dem Architektenwettbewerb den ersten Preis gewonnen und den Auftrag des Bundes zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses in Form des Humboldt-Forums erhalten. Dagegen hatte das Berliner Architekturbüro Hans Kollhoff, das in dem Wettbewerb den dritten Platz erlangt hatte, ein vergaberechtliches Prüfungsverfahren eingeleitet.

Das Bundeskartellamt hatte den Vertrag mit Stella unter anderem für ungültig erklärt, weil die Mitbewerber nicht über den Vertragsschluss mit Stella informiert worden waren. Auch habe Stella zwei andere Architekturbüros in seine Planung mit eingebunden, die nicht an dem Wettbewerb beteiligt waren.

Das Humboldt-Forum soll von der Humboldt-Universität, der Zentral- und Landesbibliothek sowie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihren außereuropäischen Sammlungen genutzt werden. Das teilweise kriegszerstörte Stadtschloss war 1950 auf Anweisung der damaligen DDR-Machthaber gesprengt worden.

Quelle: ddp/AP/sh
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