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18.11.09

Premiere im E-Werk

Cosi fan tutte als schlüpfrige TV-Hochzeitsshow

Sex, Lügen und TV - Mozarts Oper "Cosi fan tutte" wird mitten ins Berliner E-Werk katapultiert. Alfred Biolek moderiert die "Show" um Liebe und Triebe. Inszeniert hat das Stück "Event-Dirigent" Christoph Hagel. Dieser hatte bereits "Don Giovanni" in den ehemaligen Techno-Tempel geschickt.

Mozarts Oper "Cosi fan tutte" als schlüpfrige TV-Hochzeitshow – auf eine solch durchgeknallte Idee kann eigentlich nur Christoph Hagel kommen. Er ist das, was man spätestens seit den Neunzigerjahren wohlwollend einen Event-Dirigenten nennt.

Im E-Werk, wo er jetzt die Liebespaare im Big-Brother-Haus turteln lässt, hat Hagel bereits 1997 einen Mozart erfolgreich aufgeführt. Seinerzeit hatte ihm Theaterstar Katharina Thalbach den "Don Giovanni" inszeniert. Mittlerweile versteht sich Hagel auch als Regisseur.

Für "Cosi fan tutte" hat er TV-Entertainer Alfred Biolek als Stargast verpflichten können, der quasi in eigener Person und im Stil von Lächel-Linda de Mol diese Mozart-TV-Show moderiert. Singen muss Biolek zwar nicht, er kommt aber insgesamt viel zu wenig zum Einsatz.

Das Bühnenbild im E-Werk ist ein glitzerndes Fernsehstudio, in dem zwei Berliner Liebespärchen gegeneinander antreten. Heutzutage geht es natürlich um Geld. Eingeblendete Filmszenen - vom Frühstück bis zum Beischlaf - lassen nichts aus dem Leben der beiden Paare im Verborgenen. Exhibitionismus à la Big Brother.

Prinzipiell aber geht es bei Mozart und seinem Librettisten da Ponte um jene Verwicklungen, die seit Menschengedenken Männer und Frauen zusammen bringen und zerstreiten lassen. "Cosi fan tutte" (zu deutsch: "So machen’s alle Frauen") ist ein heiteres Lehrstück über Liebe, Treue und unplanbare Verwicklungen. Doch schon nach dem ersten Duett drängt sich der Verdacht auf, dass beim Casting die sängerischen Qualitäten nicht unbedingt ausschlaggebend waren. Dafür wird mit körperlichen Reizen nicht gegeizt.

Helen Schneider ist verliebt in Berlin

Vor Premieren-Beginn wiesen bunte Lämpchen den Weg ins weiße Vorzelt zum E-Werk. Dort brachten sich die Gäste mit Sekt für den Opernabend der etwas anderen Art in Stimmung. Auch Alfred Biolek im weißen Anzug mit Paillettenbesatz war dabei: "Ich freue mich sehr auf die Vorstellungen, bin gespannt, wie es dem Publikum gefällt. Ich persönlich mag beides, traditionelle Oper und in so moderner Form präsentierte wie hier."

Die amerikanische Sängerin Helen Schneider kam vor allem, um Alfred Biolek zu sehen. "In seiner Fernsehsendung ,Bios Bahnhof' hatte ich 1978 meinen allerersten Auftritt in Deutschland. Ich denke oft daran zurück." Seit drei Jahren lebt sie mit ihrem Mann George Nassar (auch ihr Manager) in Berlin, hat eine Wohnung in der Nähe des Lietzensees. "Ich bin verliebt in Berlin. Unser Umzug von Paris hierher war das Beste, was wir gemacht haben." In der Oper geht es bekanntlich auch um Untreue und Eifersucht. Wie steht's damit bei ihr? Helen: "Ich bin absolut treu! Und eifersüchtig sind wir doch alle ein bisschen."

Kunstmäzen Peter Raue sagte zur Hagel-Inszenierung: "Ich bin auf eine originelle und neue Erzählweise der Oper gespannt." Musicaldarsteller Felix Martin: "Die Arbeiten, die ich von Christoph Hagel kenne, sind vor allem nie langweilig. Das regt zu Diskussionen an." Entertainer Tim Fischer erinnerte sich an seine erste Mozart-Oper. "Das war ,Die Zauberflöte', ich war zwölf Jahre alt." Weitere Premierengäste unter anderen: Ulrich Deppendorf, Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, und Kulturstaatssekretär André Schmitz.

Es spielen die Berliner Symphoniker. Die Mozart-Show im E-Werk in Berlin-Mitte läuft mindestens bis 20. Dezember 2009.

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