16.11.09

Umbaupläne

Staatsoper-Saal - Vierter Rang kommt als Attrappe

Im kommenden Sommer soll die Staatsoper Unter den Linden endlich saniert werden. Dabei wird es sogar den umstrittenen vierten Rang geben - allerdings nur eine Art vierten Rang. Um die Akustik zu verbessern, wird die Decke des Zuschauerraumes um drei Meter angehoben. Extra Platz für Zuschauer gibt es aber dennoch nicht.

Von Stefan Kirschner
Foto: Berliner_Verlag
Am mittlerweile stark magelhaften Innenraum der Berliner Staatsoper sollen Sanierungen vorgenommen werden
Der Saal der Staatsoper Unter den Linden soll drei Meter höher werden

Die Staatsoper Unter den Linden bekommt einen vierten Rang, der aber kein echter sein darf. Im Rahmen der geplanten Sanierung des Opernhauses "soll die Decke im Zuschauerraum um drei Meter angehoben werden", kündigte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Montag vor dem Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses an. Dadurch könne das Volumen des Zuschauerraumes von "derzeit 6500 Kubikmeter auf 9000 bis 9500 Kubikmeter vergrößert werden", betonte die Senatsbaudirektorin. Ohne diese Maßnahme sei eine Verbesserung der Akustik nicht möglich.

Das aber ist eine zentrale Forderung des Generalmusikdirektors Daniel Barenboim. Der möchte unbedingt nach Abschluss der Sanierungsarbeiten auf den Einsatz der Nachhallverlängerungsanlage verzichten.

Mitte Dezember sollen die Umbaupläne der Öffentlichkeit präsentiert werden – spätestens dann dürfte die Diskussion vom vorvergangenen Sommer wieder aufgenommen werden. Nach Angaben von Regula Lüscher gibt es derzeit mehrere Modelle, die noch mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt werden müssten. Grundsätzlich bestünde aber Einigkeit über die Notwendigkeit einer Anhebung der Decke. Dadurch entsteht eine Art vierter Rang, der aber nicht als solcher genutzt werden soll, wie Frau Lüscher am Rande der Sitzung sagte.

In der Vergangenheit war dieser vierte Rang einer der Streitpunkte bei der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes. Die Staatsoper hätte ihn gern gehabt – er existierte früher tatsächlich eine Zeit lang –, um mehr Zuschauer unterbringen zu können. Nach Angaben der Senatsbaudirektorin wird die Kapazität der Staatsoper mit knapp 1400 Plätzen nach den jetzigen Plänen nahezu unverändert bleiben. "Ein paar Plätze weniger, aber nur ganz wenige", betonte Frau Lüscher.

Damit dürfte das zweite zentrale Problem des Opernhauses ungelöst bleiben. Von etwa einem Fünftel der Plätze aus kann der Besucher das Bühnengeschehen nur mit Einschränkungen verfolgen – was auch davon abhängt, wie inszeniert wird. Aber eine Verbesserung der Sichtverhältnisse lässt sich ohne eine Reduzierung der Zahl der Plätze kaum realisieren, das hatte der Architekt HG Merz bereits im Frühjahr im Interview mit der Berliner Morgenpost eingeräumt.

Das Stuttgarter Architekturbüro hatte Anfang März 2009 den Zuschlag für die denkmalgerechte Sanierung der Staatsoper bekommen, nachdem ein Wettbewerb im Sommer 2008 aufgehoben worden war. Damals hatte ein Entwurf des Berliner Architekten Klaus Roth gewonnen, der allerdings einen Neubau des Zuschauersaales vorsah. Dagegen gab es nicht nur seitens des Denkmalschutzes heftigen Widerstand.

Die Zeit wird knapp

Wenn der Landeskonservator jetzt den neuen Plänen mit einer Anhebung der Decke zustimmt, dann sicher auch, weil der Druck größer geworden ist. Denn die Zeit wird knapp. Die Bauarbeiten sollen bereits im Sommer 2010 beginnen und drei Jahre später abgeschlossen sein. Die Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden ist für den 3. Oktober 2013 vorgesehen. Für die Baumaßnahme sind 239 Millionen Euro veranschlagt, 200 Millionen steuert der Bund bei. Trotz der Verzögerung wegen der Aufhebung des ersten Wettbewerbes liege man im Zeitplan, betonte Frau Lüscher.

Außerdem, ließ die Senatsbaudirektorin durchblicken, habe das Architekturbüro HG Merz den Denkmalschützern signalisiert, dass Erneuerungen im Zuge der Instandsetzung in den 80er Jahren wieder verändert werden könnten, also gewissermaßen künftig mehr Paulick als jetzt vorhanden wäre.

Der Architekt Richard Paulick hatte das 1742 von Wenzeslaus von Knobelsdorff errichtete und im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Opernhaus in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder aufgebaut. In der langen Geschichte des Opernhauses gab es zahlreiche Umbauten. Unter anderem von Carl Ferdinand Langhans, der beim Wiederaufbau 1845 vier Ränge in den Saal eingebaut hat. Paulick ging dann später wieder auf drei zurück, er ließ die Decke quasi abhängen. Insofern wäre jetzt eine Vergrößerung des Zuschauersaales relativ unproblematisch, weil über der Decke Luft ist und das Gebäude nicht höher werden würde, allerdings muss der Architekt den Übergang im Saal ansprechend gestalten. Ganz sicher im Geiste Paulicks.

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