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Neue Show

Friedrichstadt gelingt begeisternde Winter-Revue

Dem Berliner Friedrichstadtpalast ist ein würdiger Nachfolger seiner Show "Qi" gelungen. Bis zum 7. November tanzt die Inszenierung "Winterträume" über die Bühne. Europas größtes Revue-Theater setzt damit konsequent seinen Kurs fort: entschlacken, entstauben, verfeinern. Der Vorverkauf sagt alles.

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Die Revue "Winterträume" im Friedrichstadtpalast ist ein gelungener Nachfolger von "Qi".
Foto: ddp
Die Revue "Winterträume" im Friedrichstadtpalast verzaubert Berliner und Gäste, während "Qi" pausiert.

Der Winter ist schwarz im Friedrichstadtpalast. Die Bühne wie ein Riesen-Geschenkkarton und ganz in Schwarz – die ideale Untergrundfarbe für all das Glimmern und Glitzern, Schimmern und Funkeln der fantastischen Jahresend- und -Anfangsrevue „Winterträume“. Und so entfaltet sich in der Palast-Blackbox, auf dieser weltweit größten Theaterbühne aus dem Dunkel heraus eine heitere, höchst verführerische, zwischen zart und hart sagenhaft sexy Traumwelt. Sie vibriert durch süße Melodien, rockige Rhythmen und irre Tänze mit verrückt kostümierten Figuren, getaucht in frappierende Farb- und Lichtspiele.

Ein zauberisches, ein schickes Kunststück, diese Show. Bestens geeignet zum Seele baumeln lassen. Zum gute Laune tanken und Hormone reizen. Der ideale Kurzausstieg aus dem Alltagsstress. Also nichts wie hin. Aber: Schon jetzt, zur Premiere, sind gut zwei Drittel der Karten im Vorverkauf gebucht; es könnte knapp werden.

Das mag schlimm sein für den, der zu spät kommt. Für den Intendanten von Europas größtem, technisch modernstem Show-Palast, Berndt Schmidt, ist es ein Segen. Der Friedrichstadtpalast gilt zwar als einzigartig mit seinem Programm und seinen Dimensionen, als Solitär in unserer Kulturlandschaft, was prima ist für die Werbung. Doch ein solcher Supertanker mit seinen enormen Betriebskosten ist nicht einfach zu steuern. Und im Berlin voller Konkurrenten gerade auch im Unterhaltungsbereich bleibt es schwierig, allabendlich 1859 Karten zu verkaufen. Nach Zeiten existenzbedrohender Flauten gelang vor einem Jahr mit der sensationellen Revue „Qi“ der große Durchbruch. Ein Erfolg, der sich jetzt mit „Winterträume“ bravourös weitertanzt.

Das mag auch mit geschicktem Marketing zu tun haben; vor allem aber ist es eine künstlerische Sache. Gewiss, der Palast hatte immer schon ein tolles Ballett, tolle Artisten, Solisten, Musiken. Und doch wirkten nicht selten die überlangen Programme altbacken. Eine radikale Erneuerung wurde zwingend: Weg vom umständlichen Geschichtenerzählen, vom krampfhaft roten Fadenspinnen. Weg von der zwischen Pappkulissen und Stoffgardinen neckisch zappelnden Revue; hin zu populärem Soundmix, zu suggestiven, unvergesslichen, dabei klaren Optiken. Zu einzigartigen, mit raffinierten Spezialeffekten gespickten Szenenbildern, für die im Technischen teure Weltspitze installiert wurde.

Mit „Qi“ gelang es, alles sonst Verstaubte, Plüschige, Piefige auszumerzen zugunsten einer schnörkellosen und doch hinreißenden, gewitzten Poesie. Auf den Begriff gebracht: einfach cool.

Unter der Regie von Winfried Schneider ist „Winterträume“ die adäquate Fortsetzung von „Qi“. Freilich mit ein paar einschränkenden Meckereien: Das sich durch die Show singende, tänzelnde, kalauernde Traum-Trio Sylvia Wintergrün, Heinz Rennhack und Lars Redlich hat deutlich zuviel des blödelnden Textes. Schade auch, dass die Regie das Duo Wintergrün-Rennhack bloß hübsch trällern ließ, anstatt mit beiden Entertainern ein zünftig komödiantisches Feuerwerk zu zündeln. Und einige der Choreographien hätte man sich origineller, auch komischer, grotesker gewünscht. Doch das wundersame, mal märchenhafte, mal dancefloor-zackige, barock-musikalische, techno-blitzende (Dirigent: Detlef Klemm) und das an kontrastreichen Stimmungen reiche Gesamtbild riss uns rettungslos hin (Bühne: Heinz Hauser, Kostüme: Stephan Bolz).

In dieser Wunderwelt zwischen Karibik-Strand und russischem Winterwald spielt das spektakuläre Ballett unentwegt die Hauptrolle(n). Und wir wollen dabei nicht verheimlichen, dass die Herren nicht nur als artige Werkzeuge zum wagehalsigen Heben der graziösen Damen zum Einsatz kommen, sondern mit viel testosteronsatt strammem Männertanz aufwarten. Da toben keine Knaben, sondern unübersehbar Kerle.

Und sonst noch? Eine kleine Eisrevue, eine halsbrecherische Trampolin-Nummer mit Mehrfach-Salto auf einer (!) Stelze, eine hübsche Jacko-Parodie und besagter Lars Redlich als tönendes, tanzendes Show-Großtalent mit dem Zeug zum Superstar. Daneben die Eisprinzessin Francisca Urio mit den wahnsinnig langen Beinen. Und zum rauschenden Finale der Chor mit einer herzigen Hauptstadt-Hymne: „Berlin, dein Stil ist grau und rau, grün und blau. Berlin, du riechst so gut und küsst so geil. Ich glaub’, ich träum’ heut’ Nacht Berlin…“ Nun träumt schon schön!

Friedrichstadtpalast, Friedrichstr. 107, Mitte. Bis 7. Februar. Tel: 23 26 23 26.
Ab 27. Februar: Wiederaufnahme „Qi“.



Erschienen am 09.11.2009

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