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Freitag, 6. November 2009 07:26
"Schwanensee"
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Foto: M. Lengemann
Ein Prinz und ein Schwan in der U-Bahn: Das muss tragisch enden. Und wenn ein Prinz sich in einen Schwan verliebt, so kann das ebenfalls nur in den seltensten Fällen ein Happy End geben. Zu sehen ist Tschaikowskys "Schwanensee" an der Deutschen Oper Berlin in Charlottenburg mit den Stars des Staatsballetts: Vladimir Malakhov und Polina Semionova, für die Schwerkraft etwas Freiwilliges zu sein scheint. Morgenpost Online zeigt die Compagnie in außergewöhnlichen Bildern an ungewöhnlichen Orten.
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Foto: M. Lengemann
Der Prinz: Wenn Vladimir Malakhov tanzt, scheint die Schwerkraft eine verhandelbare Sache. Er kann fliegen, das sagen viele. Auch deswegen gilt er als einer der besten Tänzer der Welt, vielleicht der beste. "Die Leute denken, wie schön, wie leicht, wie schwebend, das Ballett. Sie wissen nicht, wie oft wir fallen." Der Schwan: Polina Semionova, die Primaballerina, der Jungstar des Ensembles. Sie ist auf dem Weg, ziemlich berühmt zu werden, nicht nur in Berlin. Sie sagt, manchmal vermisse sie Moskau. "Aber ich bin es gewohnt, fremd zu sein."
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Foto: M. Lengemann
Die Königin: Die Schritte sind das eine - das Schauspiel das andere, beides müssen die Tänzer schaffen. Man könne da keine richtige Grenze ziehen, sagt Nadja Saidakova, erste Solotänzerin. Dass ihr viel am Schauspiel liegt, merkt man ihrer Königin an. Die Schritte sind längst im Körper. 14 Jahre ist Nadja Saidakova inzwischen in Berlin, auch sie kam - über Zwischenstationen - aus Moskau. Nach Jahren im Ballettinternat, wie die meisten Tänzer. Sie sagt, sie musste sich bewegen, als Kind schon, ständig, sie hätte früher gar nichts gewusst, was Müdigkeit ist. Aber sie sagt auch, ihr sei nichts einfach so zugefallen. "Es hat seinen Preis gekostet".
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Foto: M. Lengemann
Der Choreograph: Patrice Bart war mal so etwas wie ein Kinderstar des französischen Balletts. Mit gerade mal 14 wurde er in das Corp de Ballett der Pariser Oper aufgenommen, dazu brauchte es eine Ausnahmegenehmigung. Das war 1959. Inzwischen ist er - nach einer großen Tänzerkarriere - selbst Ballettmeister und stellvertretender Ballettdirektor in Paris. Und kommt seit den Neunziger Jahren immer wieder nach Berlin, um Choreographien zu übernehmen. "Sein" Schwanensee hatte 1997 Premiere, es war das erste Mal, dass er das Stück selbst choreographierte. Er sagt, natürlich habe man Respekt vor so einem Meisterwerk. Aber es sei ja auch so: man müsse Stücke an die jeweilige Zeit anpassen. Man müsse aktualisieren - gerade, um ein Ballett am Leben zu halten.
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Foto: M. Lengemann
Die Intendantin: Die Geschäftsführerin des Hauses, also. Beim Staatsballett ist es etwas komplizierter: Da gibt es zwei. Vladimir Malakhov für die künstlerische Seite. Dr. Christiane Theobald, als Stellvertreterin, für die andere. Er arbeitet im Saal, sie nicht, so könnte man es auch sagen, sagt Christiane Theobald, ungefähr. Oder: Sie kümmere sich eher um den Kopf als um den Körper. Um Organisation, Kommunikation, Strategien, nach außen, und innen. Andererseits ist sie durchaus auch sehr aktiv am Künstlerischen beteiligt. Obwohl es nicht unbedingt zu ihren Aufgaben gehört. Mit diesem Schwanensee etwa ist sie besonders verbunden: sie schrieb das Libretto nach den Vorschlägen des Choreographen Patrice Bart. Sie guckt sich fast jede Vorstellung an, immer noch. Sie sagt über ihre Arbeit: Ich mache genau das, was meine Leidenschaft ist. Kein Zweifel.
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Foto: M. Lengemann
Der Dirigent: Es ist natürlich so: man sieht ihn nicht. Vielleicht die Arme, hin und wieder, aus dem Orchestergraben ragend. Dazu müsste der Dirigent natürlich ein bisschen fuchteln. Und da ist Michael Schmidtsdorff nicht unbedingt der Typ für. Aber sichtbar oder nicht: der Mann vor den Musikern ist entscheidend, für die Tänzer, für das Gelingen der Aufführung. Er muss zwischen dem auf der Bühne und dem unter der Bühne vermitteln können. Und Schmidtsdorff hat darin einige Erfahrung. Ziemlich bald nach seinem Dirigierstudium dirigierte er die ersten Ballette, an der Hamburger Staatsoper, zum Beispiel. Er dirigiert inzwischen auch in Dresden, München, seit 2005 regelmäßig in Berlin und auf Gastspielreisen in der halben Welt. Sein Repertoire ist groß - Schwanensee gehört von Anfang an und immer wieder unbedingt dazu.
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Foto: M. Lengemann
Der Repetitor: Ja, das ist der Mann, der hinten im Saal, neben den Spiegeln, ein ums andere Mal die gleichen Melodien auf dem Klavier spielt, während die Tänzer proben. Langsamer, schneller, Zuruf, Pause, Handzeichen, noch einmal. Das macht Peter Hartwig auch ziemlich genau so. Aber noch einiges mehr. Er studiert die Stücke mit den Tänzern ein, er richtet schon mal die Partitur ein. Er muss mit seinem Klavier das Orchester ersetzen, bis es auf die Bühne geht - und manchmal geht er mit. Peter Hartwig ist, gewissermaßen, der dienstälteste Repetitor am Staatsballett. Er kam gleich nach seinem Studium an der Musikhochschule Hans Eisler, es war ein Zufall, dass die Stelle gerade frei war - er nahm sie an, weil es für ihn das größte war, in der Staatsoper spielen zu können. Scheint es noch immer zu sein - das wird klar, wenn man ihn bei der Arbeit sieht.















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