Humboldt-Forum Berlin
Stella hält Stadtschloss-Kuppel für möglich
Montag, 2. November 2009 16:50 - Von Angelo ConteMit der historischen Kuppel oder nur mit einem Gerippe? Der Entwurf des italienischen Architekten Franco Stella für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses wird intensiv diskutiert - zumal er das Projekt vor kurzem überarbeitet hat. Morgenpost Online sprach mit Stella über die neuen Pläne.
Morgenpost Online: Herr Stella, der Entwurf für den geplanten Wiederaufbau des Berliner Schlosses wurde stark verändert. Ist die Identität des Projektes geblieben? Empfinden Sie den Entwurf noch als Ihr Projekt oder nicht?
Franco Stella: Zunächst sage ich, dass sich im aktuellen Planungsstand an dem äußeren Erscheinungsbild des Gebäudes im Vergleich zum Wettbewerbsentwurf sehr wenig geändert hat. Wichtige Änderungen hat es aber in den Innenräumen gegeben: zum Beispiel in der Architektur der Agora oder in der Organisation und den Beziehungen der verschiedenen geplanten Nutzungen. Als Architekt erkenne ich mich vollständig auch in den neuen gestalterischen Lösungen wieder, die besser den verschiedenen Ansprüchen des Bauherrn und der Nutzer entsprechen, mit denen in einem sehr konstruktiven Dialog die Planung weiter ausgearbeitet wurde.
Es gibt keinen Widerspruch zwischen den architektonischen Figuren von gestern und denen von heute – wenn man wie ich denkt, dass die Form zwar nicht unabhängig von der Funktion, jedoch keine automatische Ableitung von dieser ist. Zum Beispiel erinnert der neue weiträumigere Lichthof an ein antikes Theater, das von Loggien umgeben ist und im Triumphbogen des rekonstruierten Portals eine feste Bühne findet: Sie erinnert an die frons scenae eines römischen Theaters. Die neue Agora drückt mit Klarheit die Begründung seiner Form aus: die Idee eines bewohnten Ortes für viele Menschen und verschiedene Veranstaltungen, wie theatralische Vorstellungen, Feste, Bankette und so weiter.
Stella: Der aktuelle Gestaltungsentwurf verhindert nicht die Rekonstruktion der historischen Kuppel, sondern er könnte auch ein erster Schritt in diese Richtung sein. Um die vorgegebene Kostenobergrenze einhalten zu können, wird durch das Stahlskelett das Volumen der ursprünglichen Kuppel, das eine verbindliche Vorgabe des Wettbewerbs war, wieder hergestellt. Es könnte auch eine provisorische Lösung sein, die vielleicht auch schon vor der Realisierung überholt ist. Wenn weitere öffentliche Finanzierungen oder private Spenden eingehen, dann könnte man sogar die historische Kuppel von Stüler nachbauen. Das Belvedere wurde in der Überarbeitung baulich und funktional stärker mit den anderen Baukörpern verbunden, aber es gibt keine von Außen sichtbare Änderung im Dialog zwischen neuen und rekonstruierten Bauteilen.
Morgenpost Online: Was wird aus dem, was unter dem ehemaligen Schloss gefunden wird? Werden die alten Keller erhalten und in das endgültige Bauprojekt mit einbezogen?
Stella: Mit Bezug auf die Bestandsfunde sowie auch auf die Planungsvorschläge variieren die Art und Weise der Erhaltung und der Einbeziehung der verschiedenen Ruinen des Schlosskellers. Im nördlichen und nordwestlichen Flügel sind die Möglichkeiten der Erhaltung durch den Bau der neuen U-Bahn-Linie beeinträchtigt. Bis zum Abschluss der Grabungsarbeiten im Bereich des südlichen Flügels bestehen die besten Möglichkeiten der Aufwertung und der öffentlichen Zugänglichkeit der Schlossreste im südwestlichen Flügel.
Morgenpost Online: Ist die neue U-Bahn-Linie – etwa wegen der Vibrationen – für die künftige Struktur des Gebäudeensembles gefährlich? Was planen Sie, damit die Struktur des Schlosses vor Erschütterungen geschützt wird?
Stella: Ich denke, der heutige Stand der Technik erlaubt, diese Probleme überzeugend und in nachhaltiger Form zu lösen.
Morgenpost Online: Warum waren Sie bei der Vorstellung des neuen Gestaltungsentwurfs in Berlin nicht anwesend?
Stella: Schon vor einiger Zeit war eine öffentliche Vorstellung der überarbeiteten Planung zu zwei unterschiedlichen Terminen vorgesehen. Ich werde beim zweiten Termin dabei sein, dieser wird bald folgen.
Morgenpost Online: Hat der Bund als Bauherr einen Fehler gemacht, indem er nicht nur mit Ihnen einen Vertrag für die Umsetzung des Siegerentwurfs im Gestaltungswettbewerb für das Humboldt-Forum geschlossen hat, sondern mit drei verschiedenen Büros? Und das, obwohl es keine neue Ausschreibung gab?
Stella: Wie es in der Wettbewerbsausschreibung vorgesehen war, wurde der Vertrag für die architektonische Planung nur mit mir geschlossen. Nach einem Vorgehen, das für solche Fälle ein ganz normaler Weg ist, habe ich die Kollegen ausgesucht, die aus meiner Sicht am besten geeignet sind, an der weiteren Ausarbeitungen der Planung mit mir zu arbeiten. Bei mir bleibt das Entscheidungsrecht über die architektonischen Fragen wie auch die Verantwortung gegenüber dem Bauherrn.
| 50% | Man sollte wie geplant bauen | |
| 48% | Man sollte den Bau verschieben | |
| 2% | Ich weiß es nicht |
Erschienen am 31.10.2009













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