24.08.13

Berliner Philharmonie

Simon Rattle schöpft Mozarts Sinfonien in voller Tiefe aus

Die neue Saison haben die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle mit einem Sonderkonzert eröffnet. Mozarts letzte Sinfonien brachten das Publikum zum Tosen.

Von Klaus Geitel
Foto: obs

Sir Simon Rattle wird die Berliner Philharmoniker verlassen - ein Nachfolger wird noch gesucht
Sir Simon Rattle wird die Berliner Philharmoniker verlassen - ein Nachfolger wird noch gesucht

Zum Auftakt empfingen die Berliner Philharmoniker wieder in der von Hans Scharoun erbauten Philharmonie, die in dieser neuen Saison bereits ihr 50-jähriges Jubiläum hat. Das Ereignis wird am 20. Oktober gefeiert. Jetzt wurde erst einmal die Saison mit einem Sonderkonzert unter Leitung von Sir Simon Rattle eröffnet.

Es setzte nichts als Mozart, aber keines von seinen Kinkerlitzchen, sondern die drei genialisch-majestätischen Machtworte der letzten Sinfonien, die Mozart mit eigenen Ohren selbst gar nicht mehr zu hören bekam: die Sinfonien in Es-Dur, g-Moll und die sogenannte Jupiter-Sinfonie in C-Dur, niedergeschrieben allesamt in sechs Wochen.

Hut ab – und nichts als Bravo und Amen. Das Bravo erklang auch wie ein stimmiger Donnerhall durch den ausverkauften großen Saal, in dem selbst die Podiumsplätze bis zum Bersten gefüllt waren.

Man wird Sir Simon Rattle in Berlin vermissen

Simon Rattle spazierte vor seinem Orchester, unverschanzt von jedem Dirigierpodium, freizügig und anfeuernd auf und ab. Die einzige Freiheit, die er sich nahm, war die des Schweißabwischens zwischen den einzelnen Sätzen. Sie verlangen durchgehend den vollen Einsatz musikalischer Intensität. Der Humor, sonst bei Mozart durchaus keine Mangelware, bleibt unaufspürbar.

Selbst Mozart-Sinfonien können bitterernst sein und hochdramatisch bis zum Schlussakkord. Rattle schöpfte ihren Tiefgang, ihren verzweiflungsvollen Grimm, ihre zähnefletschende Energie, ihr gelegentliches Kokettieren mit der viel geliebten Herkömmlichkeit voll aus. Er ist eben nicht nur ein großartiger Musiker, sondern ein fühlender Künstler durch und durch.

Schon jetzt steht fest: Man wird ihn vermissen, wenn er in ein paar Jährchen Berlin verlässt. Längst gehört zum Pausenthema, wer denn wohl 2018 sein Nachfolger werden könnte. Und jeder hat seinen Favoriten. Zweifellos gibt es viele hochbegabte Nachwuchsdirigenten, aber einen Dirigenten wie Rattle, der die Musik derart aufzudecken, zu lieben und derart temperamentvoll zu erklären versteht: Das ist selten.

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