23.06.13

Zitadelle

Queens of the Stone Age - von Null auf Hundert in Spandau

Die Kalifornier begeistern ihr Publikum in der ausverkauften Spandauer Zitadelle. Gleich beim zweiten Lied gibt es kein Halten mehr. So zementiert die Gruppe ihren Ruf als außergewöhnliche Live-Band.

Von Matthias Wulff
Foto: dpa

Josh Homme: „Wir sind dann fertig, wenn ich sage, dass wir fertig sind“.
Josh Homme: "Wir sind dann fertig, wenn ich sage, dass wir fertig sind".

Um 22.53 geht Josh Homme an das Mikrofon. "Sie haben uns mitgeteilt, dass wir aufhören sollen", sagt er, "aber es kümmert mich einen Dreck." Und falls das noch irgendjemand nicht verstanden hat, fügt er hinzu: "Wir sind dann fertig, wenn ich sage, dass wir fertig sind." Seine kleine Ansprache garniert er noch mit einigen Variationen des F-Wortes, aber seine Entschlossenheit kommt wohl auch so rüber.

Recht spät hat Queens of the Stone Age begonnen, kurz vor halb zehn, was den Vorteil hat, dass es schon dunkelt und die Nacht deutlich besser zu ihrem einpeitschenden, marschierenden Gitarrensound passt als jede Form der Helligkeit. Der Nachteil ist, nun ja, man hat einfach ziemlich lange gewartet, und wenn die Zitadelle ausverkauft ist, was sie an ihm diesen Abend ist, gibt es ein ewiges Gedrängel und Geschubse. Menschen mit vollen Bierbechern drängen nach vorn und begegnen Menschen mit leeren Bierbechern, die dann mit vollen Bierbechern wieder nach vorne drängen. Ein perpetuum mobile Spandauer Bauart.

Und es wird an diesem Abend sehr viel getrunken. Spielte vor ein paar Tagen an gleicher Stelle noch Portishead traurige Lieder für den wehmütigen Akademiker, der sich mal ein alkoholisches Getränk gönnt, ist das Publikum heute, verbunden durch eine bemerkenswerte Vorliebe für Tattoos, jünger und männlicher und ungern ohne Bierbecher.

Beim zweiten Lied fliegen die Bierbecher

Seit 1996 gibt es Queens of the Stone Age mittlerweile, 1998 erschien die erste Platte und in dem üblichen Rhythmus der Industrie erschienen bis 2007 vier weitere Alben, doch danach war erst einmal Schluss. Josh Homme erlitt während einer Knieoperation einen Herzstillstand. "Wir hatten dich schon verloren", sagte ihm der Arzt, als Josh Hommer aufwachte. Was folgte, war so eine Art Erweckungserlebnis für den Sänger. Er fragte sich, was in seinem Leben wirklich wichtig ist und Musik gehörte nicht mehr dazu – noch eine weitere Platte, eine weitere Promo-Tour, wieder Konzerte, warum eigentlich? Irgendwann erinnerte sich Josh Hommer an die Worte seines Großvaters, der sagte: "Jeder wird im Leben einmal niedergestreckt. Aber worauf es ankommt, ist, auf welche Weise du wieder aufstehst."

Josh Hommer hat ziemlich gut die Kurve bekommen, seine kalifornische Truppe ist noch immer einer der besten Live-Bands in der Branche. Es gibt kaum eine Band, bei der das Publikum so schnell von Null auf Hundert ist wie QOTSA, wie die Fans sie nennen, und für den Rest wohl eher nach einem obskuren Penny-Stock klingt. Beim zweiten Lied "You Think I Ain't Worth a Dollar, But I Feel Like a Millionaire" von ihrem dritten, herausragenden Album "Song of the Deaf" fliegen bereits die Bierbecher in alle Richtungen, beim dritten Lied "No one knows" - das jeden, der es auf dem Playstation-Spiel "Guitar Hero" schon einmal nachspielen wollte, in leichte Verzweiflung brachte - gibt es kein Halten mehr. Man ist ein wenig erleichtert, dass Pogo tanzen irgendwann aus der Mode gekommen ist.

Neues Material wohl dosiert

Es folgt "My God is the sun", die Single des neuen Albums, die auch sofort als Ohrwurm aus "...Like Clockwork" herausfällt. Wobei, die ganze Platte in seiner Vielfältigkeit ein tolles Werk ist. Während man bei den meisten Alben nach drei, vier Lieder weiß, wohin der Hase läuft, ist es bei den Queens of the Stone Ages eben nicht so, und das war schon immer so: Josh Hommes "Texte versteht man nicht, seine Songs haben keine klaren Strukturen", schreibt der "Rolling Stone", "und wenn seine Alben nach 45 Minuten zu Ende sind, sitzt man immer verdutzt da." Genau so ist es.

Queen of the Stones Ages tun den Besucher die Freude, eine gute Mischung aus Klassikern wie "Little Sister" und "I sat by the Ocean" und dosiert neues Material zu spielen. Die Leute sollen ihren Spaß haben, es soll keine Verkaufsveranstaltung für das neue Album sein. Punkt 23 Uhr werden sie alle in die Wirklichkeit zurückgeholt, verschwitzt, mit Bierflecken auf dem Shirt, einem leicht glasigen Blick und bester Stimmung.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Trotz Handelsverbot Kanada eröffnet die alljährliche Robbenjagd
Premiere Hollywoodstars bringen "Spiderman" nach…
Coachella Festival Hier ist Promis nichts peinlich
Schiffsunglück Fähre mit fast 500 Menschen gekentert
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Fernsehprogramm

Von Jesus Christus bis Hitler – Das läuft über…

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote