05.05.13

Umbau

Wegen Sanierung schließt nun auch die Deutsche Oper Berlin

Die Saison ist vorzeitig zu Ende. Für 20 Millionen Euro wird die Charlottenburger Oper umgebaut. Intendant Schwarz kann auf eine erfolgreiche Spielzeit zurückblicken – nicht nur aufgrund der Zahlen.

Von Volker Blech
Foto: picture alliance / POP-EYE/sinis

Erfolgsinszenierung: Bariton Andrzej Dobber singt den Rigoletto an der Deutschen Oper Berlin
Erfolgsinszenierung: Bariton Andrzej Dobber singt den Rigoletto an der Deutschen Oper Berlin

Wer in den Spielplan schaut, wird entdecken, dass es ab Sonntag keine Vorstellungen mehr in der Deutschen Oper gibt. Die Saison ist stillschweigend zu Ende gegangen. Nun wird nur noch in der neu eröffneten Tischlerei gespielt, die große Bühne aber verwandelt sich in eine Baustelle. Der Bühnenturm wird saniert und die Maschinenzüge erneuert. Es soll eine Arbeitserleichterung für die Techniker sein. Insgesamt werden 20 Millionen Euro in Tausend Details verbaut.

"Der Umbau der Obermaschinerie dauert in drei Bauphasen insgesamt 13 Monate", sagt Intendant Dietmar Schwarz: "Wir hätten auch, wenn die Staatsoper nicht so lange im Schiller-Theater bleiben müsste, unser Haus für ein Jahr dicht machen und auch in die Ausweichspielstätte gehen können. Aber ich halte es generell nicht für gut, aus seinem Stammhaus herauszugehen."

2014 wird das Haus von Mai bis November geschlossen sein

Die nun beginnende zweite Bauphase geht bis August, im kommenden Jahr wird das Haus sogar von Mai bis November geschlossen sein. Die kleine Sanierung bleibt aber im Gegensatz zur 280-Millionen-Euro-Totalsanierung der Staatsoper Unter den Linden fast unbemerkt. Schwarz will auch gar nicht viel zum Sanierungsstress sagen: "Das ist der Zeitgeist: Alle Beteiligten werden von der Hoffnung beherrscht, es wird schon irgendwie schneller und billiger gehen."

Schwarz wirkt gelassen, seine erste Spielzeit als Intendant war auch erfolgreich. Im Zeitalter griffiger Quoten lässt es sich schnell verdeutlichen: In der Deutschen Oper stieg die Auslastung auf 80,58 Prozent, allein im April lag sie bei fast 93 Prozent. Und der April gilt in Opernhäusern und Theatern als ein schwacher Monat.

Aber Schwarz benennt lieber konkrete Produktionen, deren Auslastungszahlen ihn selbst irgendwie überrascht haben. Gleich die Eröffnungsproduktion "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" von Helmut Lachenmann, wahrlich keine leichte Kost, kam auf fast 99 Prozent. Stolz ist Schwarz auf den hohen Anteil junger Besucher. Die Premiere von Philipp Stölzls "Parsifal"-Inszenierung brachte es auf 97 Prozent, der neue "Rigoletto" von Jan Bosse zuletzt auf gut 99 Prozent.

Opern-Intendant Schwarz pflegt das Understatement

"Schon im Vorfeld der ,Rigoletto'-Premiere bin ich an unterschiedlichen Orten der Stadt darauf angesprochen worden, positiv wie negativ", sagt Dietmar Schwarz. Der Intendant pflegt das Understatement. Das unterscheidet Schwarz, der ursprünglich aus der Dramaturgie kam, von seinen leutseligen Regie-Intendanten-Kollegen.

Der ebenso erfolgreiche Neuintendant Barrie Kosky hat längst fröhlich verkündet, dass seine Komische Oper auf dem besten Weg ist, die innovativste komische Oper der Welt zu werden. Und Altintendant Jürgen Flimm hat jede Menge Anekdoten parat, wie sich wieder mal ein Dutzend Weltstars in sein kleines Staatsopern-Büro im Schiller-Theater drängen.

Schwarz betrachtet dagegen alles voller Ernsthaftigkeit. "Es nimmt keiner dem anderen Zuschauer weg", sagt er und es klingt fast wie eine Entschuldigung: "Man kann nicht sagen, die Leute gehen jetzt wieder in die Oper und weniger ins Schauspiel. Ich glaube auch, es kommen immer mehr Touristen nach Berlin, die die Opernhäuser besuchen." In der Deutschen Oper sind es knapp zehn Prozent. Und es gäbe bestimmte Stücke im Repertoire, die als Touristenmagnet gelten. Dazu gehören "Tosca", "Madam Butterfly" und "Die Zauberflöte". Darüber hinaus weiß er auch, dass es deutschlandweit gerade eine gute Stimmung für die Oper gibt.

Berliner Opernintendanten verstehen sich gut

Es ist schon auffällig, wie anständig die drei Berliner Opernintendanten miteinander umgehen. Es gab schon dissonantere Zeiten. "Wir mögen uns", sagt Schwarz, "aber wir streiten auch manchmal." Dann gehe es fast immer um Stücke, die nach dem strengen Reglement der Opernstiftung auf die einzelnen Häuser verteilt werden. "Der eine behauptet, das gehört an sein Haus, der andere meint, das gehört gar nicht an dein Haus", sagt Schwarz: "Beispielsweise finde ich, dass die klassische Operette auch an die Deutsche Oper gehört, aber das sieht Barrie Kosky ganz anders. Er will das alles für die Komische Oper reservieren. Aber über kurz oder lang muss die Deutsche Oper mal wieder eine richtig gute, fette Operette auf die Bühne bringen."

Natürlich tut ein gewisser gemeinsamer Pragmatismus allen drei Häusern geht. Im Hintergrund schwelt schließlich eine Bedrohung: Ab 2015 müssen die Haustarife des nichtkünstlerischen Personals dem Landesniveau angepasst werden. Es geht um Millionenbeträge. Da waren sich die Intendanten einig und haben den Politikern das gemeinsame Problem geschildert. "Unsere Gesprächspartner haben eingesehen, dass die Institutionen die Tariferhöhungen nicht stemmen können. Dann wären radikale Einschnitte in den Häusern notwendig", sagt Schwarz: "Da wurde uns signalisiert, dass das nicht gewünscht ist."

Intendant Schwarz ist ein bodenständiger Programmmacher

Dietmar Schwarz ist ein bodenständiger Programmmacher, einer, der sein Theater wie sein Publikum fest im Blick hat. Der Mittfünfziger war Dramaturg in Freiburg, Bremen, Frankfurt am Main, dann Operndirektor in Mannheim und zuletzt in Basel. Sein Charlottenburger Stammpublikum beschreibt er als sehr kontinuierlich, sehr treu. "Und zum Teil ist es sehr unzufrieden, und das schon seit Jahrzehnten. Das spricht für eine große Begeisterung."

In seiner Oper residiert auch das Staatsballett Berlin. Schwarz betont den guten Kontakt. "Wir reden gerade intensiv darüber, ob wir nicht ein gemeinsames Projekt machen. Frau Theobald vom Staatsballett kommt mal schnell zu mir ins Büro oder ich zu ihr. In einem Haus geht das spontan." Was die Choreografin Sasha Waltz betrifft, die gerade von Daniel Barenboim an der Staatsoper hofiert wird, verweist Schwarz auf das Projekt "Romeo und Juliette". Man rede viel mit Sasha Waltz, sagt er, "aber prinzipiell wäre es besser, man würde die Regisseure an den einzelnen Häusern trennen. Das braucht seine Zeit, weil die Absprachen lange im Voraus erfolgen. Sasha Waltz würde besser an die Staatsoper, Philipp Stölzl an die Deutsche Oper gehören." Das Profil eines Hauses wird unschärfer, wenn Regisseure an mehreren Berliner Opernhäusern arbeiten. Eine klare Ansage.

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