25.04.2013, 21:53

Nach Schlaganfall Intendant Flimm meldet sich an der Staatsoper zurück


Der Intendant der Staatsoper unter den Linden, Jürgen Flimm, lud zur Jahrespressekonferenz ins Schillertheater

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Der Intendant der Staatsoper unter den Linden, Jürgen Flimm, lud zur Jahrespressekonferenz ins Schillertheater Foto: Stephanie Pilick / dpa

Nach einem Schlaganfall fiel Staatsoper-Indentant Jürgen Flimm mehrere Wochen aus. Nun stellte er gemeinsam mit Daniel Barenboim das neue Programm vor. Sasha Waltz wird zwei Produktionen inszenieren.

Mit ihren Saisonbroschüren wollen sich die meisten Opernhäuser und Orchester schmücken. Manche werben mit ihren mehr oder weniger fotogenen Chefdirigenten, andere versuchen es artifizieller. Die Staatsoper hat sich für ein bildhübsches Covergirl entschieden. Eines, das im eigenen Ensemble herangewachsen ist: Es ist Sopranistin Anna Prohaska, die auch eine eigene Liedmatinee im neuen Barenboim-Zyklus hat. Das Coverfoto ist eine bemerkenswerte Entscheidung.

Denn das Opernhaus hätte sich auch für Anna Netrebko, Plácido Domingo oder Rolando Villazón, die im Klassikmarkt deutlich populärer sind, entscheiden können. Netrebko und Domingo werden gemeinsam in einer Neuproduktion von Giuseppe Verdis "Il Trovatore" in der Regie von Philipp Stölzl auftreten. Stölzl ist schon so etwas wie ein Hausregisseur der Staatsoper. Jetzt am Sonntag hat seine Inszenierung von Wagners "Fliegenden Holländer" im Schiller-Theater Premiere. Allerdings war Stölzl in den letzten Wochen kaum in Berlin, sondern in Wien, wo die Verdi-Neuproduktion zuerst gezeigt wird. Sein "Holländer" wiederum ist eine Übernahme aus Basel und wird in Berlin nur neu eingerichtet. Übernahmen machen meist die Assistentinnen. Irgendwie sind diese ganzen Opern-Kooperationen auch kleine Mogelpackungen.

Waltz inszeniert "Tannhäuser"

Für die Spielzeit 2013/2014 plant die Staatsoper neun Musiktheater-Premieren, wie Intendant Jürgen Flimm und Generalmusikdirektor Daniel Barenboim am Donnerstag ankündigten. Die Jahrespressekonferenz war verschoben worden, nachdem Flimm nach einem Schlaganfall, es traf ihn auf der Zugfahrt von Hamburg nach Berlin, einige Wochen ausfiel. Seit Donnerstag ist der Intendant wieder im Haus und versucht, das Ganze humorvoll zu sehen. Im Spandauer Krankenhaus hätte ihm eine Schwester nervös die Infusion gelegt und dabei nur von Barenboim geschwärmt. Sagt er und verdreht fröhlich die Augen.

Nicht gekommen ist die Choreographin Sasha Waltz, die am Schiller-Theater gleich zwei Neuproduktionen inszenieren wird: Neben dem Ballett "Le Sacre du Printemps" von Igor Strawinsky wird Waltz auch Richard Wagners Oper "Tannhäuser" zu den Osterfesttagen auf die Bühne bringen. In beiden Fällen wird Barenboim seine Staatskapelle dirigieren. Der Stardirigent erklärt erneut seine große Bewunderung für Sasha Waltz, und auch Flimm betont seine Nähe zur Berliner Choreographin. Ihr verstärktes Engagement an der Staatsoper hatte, nachdem sie kurz zuvor noch gedroht hatte, Berlin zu verlassen, wenn ihre Tanzkompanie nicht höhere Subventionen erhält, eine neue kulturpolitische Diskussion ausgelöst. Seither hüllt sich Sasha Waltz in Schweigen. Im Oktober rechnen alle mit einer Entscheidung, wie es mit Sasha Waltz & Guests in Berlin weiter gehen wird.

Die nächste Saison eröffnet Daniel Barenboim – traditionell am 3. Oktober – mit Rimsky-Korsakows hierzulande selten gezeigter Oper "Die Zarenbraut" in der Regie von Dmitri Tcherniakov. Und mit Janáceks "Katja Kabanowa" kehrt Regisseurin Andrea Breth zurück, es dirigiert Philharmonikerchef Simon Rattle.

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(vbl)
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