20.04.13

Theater

Friedrich-Luft-Preis für die Inszenierung "Die Räuber"

Die Inszenierung "Die Räuber" vom Maxim-Gorki-Theater wird am Dienstag mit dem Friedrich-Luft-Preis der Berliner Morgenpost ausgezeichnet. Der Berliner Michael Klammer spielt darin den Karl – und einiges mehr.

Von Stefan Kirschner
Foto: JOERG KRAUTHOEFER

Hat am Gorki gekündigt, weil er in Berlin bleiben will: Michael Klammer ist eben erst richtig hier angekommen und will nicht mit dem Intendanten Armin Petras nach Stuttgart wechseln.
Hat am Gorki gekündigt, weil er in Berlin bleiben will: Michael Klammer ist eben erst richtig hier angekommen und will nicht mit dem Intendanten Armin Petras nach Stuttgart wechseln.

Es klingt wie ein großer Irrtum: Michael Klammer hatte das Talent zum Profi-Fußballer, aber eigentlich wollte er in Filmen mitspielen. Heute ist er ein erfolgreicher Bühnenschauspieler – und schaut sich den FC Bayern im Münchner Olympiastadion an.

Das ist jetzt natürlich alles ganz verknappt. Es soll nicht unterschlagen werden, das Michael Klammer schon einige Film- und Fernsehproduktionen gemacht hat. Aber bekannter ist er als Theaterakteur, er hat seit 2006 in vielen Produktionen des Maxim Gorki Theaters gespielt. Das soll sich in Zukunft ändern. Deshalb hat Klammer, der 1980 in Südtirol geboren wurde, am Gorki gekündigt, er spielt dort seit dieser Saison als Gast: "Ich wollte freiberuflich tätig sein, um mir Freiräume fürs Drehen zu schaffen."

Keine Zeit fürs Filmen

Denn als Ensemble-Mitglied kommt man schwerer an Film- und Fernsehengagements, weil die Produktionsfirmen denken, dass "man eh keine Zeit hat." Und um das Gesagte zu untermauern, erzählt Klammer beim Gespräch – er redet anfangs überraschend leise –, dass ihn gerade eine Absage erreichte. An zwei Tagen sollte in einem Stadion gedreht werden, dummerweise hat der Schauspieler an einem davon einen Auftritt im Theater.

Am kommenden Dienstag steht Klammer in "Die Räuber" auf der Bühne, die Inszenierung wird an diesem Tag als beste Berliner Aufführung des vergangenen Jahres mit dem Friedrich-Luft-Preis 2012 der Berliner Morgenpost ausgezeichnet. Regisseur Antú Romero Nunes hat den Klassiker von Friedrich Schiller mit nur drei Schauspielern inszeniert, die treten mit ihren Monologen nacheinander auf.

Einen ganzen Abend allein bestritten

Klammer beschließt den Abend, er spielt überwiegend die Rolle des Karls. Vor ein paar Monaten, als sein Kollege Paul Schröder krankheitsbedingt ausfiel, hat er den Abend (der Auftritt von Aenne Schwarz, die den Mittelteil bestreitet, wurde nach Rücksprache mit dem Regisseur ebenfalls gestrichen) allein bestritten: "Das erste Mal rettete mich das Adrenalin, beim zweiten Mal wusste ich, was mich erwartet", sagt Klammer. Es klingt nicht so, dass er es gern wiederholen möchte.

Michael Klammer hat am Maxim Gorki eine bemerkenswerte Entwicklung gemacht: Von einem erfüllenden zu einem gestaltenden Schauspieler. Er lässt seine Ideen in Inszenierungen einfließen, seit er gemerkt hat, dass die gefragt und geschätzt werden, "das fühlt sich am allerbesten an".

Irgenwann kapiert man gar nichts mehr

Und Regisseure wie Armin Petras, den Gorki-Intendanten lernte Klammer in Wien kennen und folgte ihm dann nach Berlin, und Antú Romero Nunes setzen auf mitdenkende Akteure. Nunes forderte ihn bei den Proben zum Improvisieren auf. Klammer hatte Zweifel, Nunes ermunterte ihn, weiter zu machen. Assistenten schrieben die Texte auf, der Regisseur integrierte das ins Schiller-Drama und versuchte, die zu erwartenden Publikumsreaktionen zu antizipieren. Klammer war überrascht, das es in der Vorstellung so gut funktioniert.

Der Schauspieler charakterisiert die sechswöchige Probenphase bei Nunes, mit dem er insgesamt drei Inszenierungen gemacht hat, so: "Man fängt an, hat Spaß, weiß ganz lange nicht, was man treibt, wird dann irgendwann nervös, kapiert gar nichts mehr. Dann gibt es einen Wendepunkt kurz vor der Premiere – und es wird gut. So war es jedes Mal."

Schlimm, aus der Pfütze saufen zu müssen

Er schätzt an Nunes auch dessen große Ruhe bei der Probenarbeit; bei einem 29-jährigen Regisseur würde man das nicht unbedingt erwarten. Die beiden verbindet die Fähigkeit zur Relativierung: Ein misslungener Theaterabend ist ein misslungener Theaterabend, aber eben keine Katastrophe. Oder wie Klammer es ausdrückt: "Wenn Menschen aus einer Pfütze saufen müssen, das ist schlimm."

Klammers Vater stammt aus Afrika, der Sohn wuchs bei der alleinerziehenden Mutter in Aicha auf. Er ist gelernter Buchhalter – und lacht, wenn man ihn darauf anspricht. "Ich saß halt in Tirol rum und dachte, ich müsste Abitur haben für die Schauspielschule. Da hab' ich dann eben die Handelsoberschule besucht, da sind meine Freunde auch hingegangen". Mathe und BWL war der Schwerpunkt, er hat das abgeschlossen und dann noch ein Jahr in der Tourismusbranche gearbeitet, um Geld für die Schauspielschule zu verdienen.

Jetzt richtig in Berlin angekommen

Die eigentliche Wunschausbildung hat er dann in Salzburg gemacht und sich dort auch bei einem Fußballklub fit gehalten. Um am Wochenende bei seinem Heimatverein Schaps in Südtirol zu spielen, die Fahrten wurden bezahlt, ein Handgeld gab's wohl auch. Für den Sprung zu den Profis "hätte es in der Jugend vielleicht gereicht".

Dann hat er sich das Knie verletzt, räumt aber ein, dass die mögliche Fußball-Karriere auch daran gescheitert sei, weil es ihm als Jugendlicher an der nötigen Disziplin mangelte: "Mit Talent kommste weit, aber irgendwann muss man anfangen zu arbeiten."

Pendeln nach Stuttgart

Wenn im Sommer die Intendanz von Armin Petras endet, wird Michael Klammer nicht mehr am Gorki auftreten. Aber gelegentlich in Stuttgart, dessen Staatsschauspiel Petras übernimmt. "Die Räuber" werden dort ins Repertoire genommen, aber ein Umzug in den Süden ist für den Schauspieler kein Thema: "Ich bin jetzt richtig angekommen in Berlin, seit mein Sohn in der Kita ist." Er wird also pendeln.

So wie am vergangenen Wochenende, wo er am Freitagabend eine Vorstellung im Münchner Residenztheater hatte, wo er gerade "4-5 Mal im Monat" den Ferdinand aus "Kabale und Liebe" spielt, Amelie Niermeyer hat dieses Schiller-Drama inszeniert. Klammer ist dann einen Tag länger geblieben, um mit dem Kollegen Max Simonischek, der vor seinem Wechsel nach München ebenfalls am Gorki engagiert war, ins Stadion zu gehen: das bayrisch-fränkische Prestige-Duell.

Spielfrei beim Champions-League-Finale

Natürlich hatten die Nürnberger keine Chance gegen den FC Bayern. Klammer ist Bayern-Fan seit seiner Jugend, als der Vater eines Freundes die Jungs gelegentlich zu Spielen mitnahm. "Die können auch Barcelona schlagen", sagt Klammer, der in diesem Jahr auf ein rein deutsches Champions-League-Finale Ende Mai im Londoner Wembley-Stadion hofft. Er hat spielfrei an diesem Abend.

Der Friedrich-Luft-Preis wird am am 23. April 2013 im Maxim Gorki Theater verliehen, nach der Vorführung der "Räuber".

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