09.04.13

Klassik

Startenor Rolando Villazón muss mitten im Konzert aufhören

Der mexikanische Sänger Rolando Villazón wollte im Konzerthaus eigentlich Lieder des amerikanischen Komponisten Elliott Carter aufführen. Aber nach zwei Mozart-Arien war bereits Schluss. Grund: eine Erkältung.

Von Volker Blech
Foto: Holger Kettner

Zu Gast in Berlin: Der mexikanische Startenor Rolando Villazon ist in diesen Wochen mehrfach in Konzerten der Staatskapelle Berlin anzutreffen
Zu Gast in Berlin: Der mexikanische Startenor Rolando Villazon ist in diesen Wochen mehrfach in Konzerten der Staatskapelle Berlin anzutreffen

Gerade mal zwei Mozart-Arien, dann kann Rolando Villazón nicht mehr weiter singen. Es muss der Albtraum eines jeden großen Sängers sein, Villazon hat ihn in seiner Karriere mehrfach durchleben müssen. An diesem Montag tritt Stardirigent Daniel Barenboim nach der Pause vors Publikum im Konzerthaus und entschuldigt den Startenor, der an der Seite von Anna Netrebko weltberühmt wurde.

Rolando Villazón sei seit einer Woche erkältet, sagt Barenboim, und jetzt ginge es eben nicht mehr. Eigentlich standen noch als europäische Erstaufführung sechs Lieder von Elliott Carter auf dem Programm. Aber die habe man gerade am Vormittag als CD eingespielt. Da lief noch alles gut. Barenboim verspricht dem Publikum im Saal, dass jeder, der sich an die Staatsoper wende, diese Carter-CD zugeschickt bekommt. Das ist eine schöne Geste, wenngleich sie wohl nicht viele Musikfreunde in Anspruch nehmen werden. Der Amerikaner Carter, der kürzlich 103-jährig verstorben ist, bleibt hierzulande ein Außenseiter. Auch wenn Barenboim ihn seit Jahren mit Aufführungen maßgeblich fördert.

Publikum nimmt Absage freundlich auf

Das Publikum wirkt nicht wirklich überrascht über Villazons kurzfristige Absage, es gibt jedenfalls keine Bedauerns-Rufe oder gar Empörung. Die Absage wird freundlich hingenommen. Natürlich passt er mit seiner Disposition nicht in dieses Programm, in dem Barenboim Mozart mit Carter kombiniert. Es ist ein Abend voller Leichtigkeit, gepaart mit virtuoser Spiellust. Die Staatskapelle mit seinen Orchestersolisten lebt es genussvoll aus.

Selbst das Carter-Concertino für Bassklarinette kommt augenzwinkernd herüber. In seinen besten, vergangenen Zeiten wäre Villazón das Sahnehäubchen gewesen, wie er voller Charme und verschwenderisch seinen Tenor aufsteigen lässt. An diesem Abend wirken die Höhen gepresst, er hat hörbar Mühe, seinen Tenor überhaupt in der Linie zu halten.

Es ist ein alter Trugschluss, dass jeder Verdi-Zauberkünstler gleichsam Mozart hinlegen kann. Während Verdi von der Übertreibung, den Schluchzern zehrt, braucht Mozart die Klarheit, die Leichtfüßigkeit, die immer nach einer Struktur sucht. Villazón wirkt bei "Per pietà, non ricercate" KV 420 und "Or che il dover - Tali e contanti sono" KV 36 wie in der Konzentration gefangen.

Absagen begleiten seine Karriere

Absagen haben Villazon in seiner Karriere aufs Bitterste begleitet, bis die entdeckte Zyste auf seinen Stimmbändern wegoperiert werden konnte. Seit seinem Comeback 2008 steht er psychisch unter Druck. Er müsse "zwischendurch durchatmen" und sich konzentrieren, "um die Ängste zu überwinden", sagte er kürzlich im Interview mit der Morgenpost.

Villazon zeigt sich kämpferisch. Das Konzert am Dienstagabend in der Philharmonie hat er gesungen, die Carter-Lieder zuerst.

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