26.02.13

Haus der Kunst

Berlin streitet über Museum im einstigen Breker-Atelier

Arno Breker galt als Vorzeige-Bildhauer der Nazis. Künstler nutzten seine Werkstatt als Atelier. Jetzt soll dort ein Museum entstehen.

Foto: dpa

Ein Büste von Richard Wagner mit „steinerner Miene“ des Bildhauers Arno Breker in der Nähe des Festspielhauses auf dem Grünen Hügel in Bayreuth (Oberfranken)
Ein Büste von Richard Wagner mit "steinerner Miene" des Bildhauers Arno Breker in der Nähe des Festspielhauses auf dem Grünen Hügel in Bayreuth (Oberfranken)

Die Werkstatt des früheren NS-Bildhauers Arno Breker (1900-1991) am Käuzchensteig im Berlin-Zehlendorf soll zu einem Museum umgebaut werden. Im einstigen Atelier Brekers, der mit seinen Monumentalplastiken und Büsten von Adolf Hitler und Richard Wagner zu den Vorzeigekünstlern des NS-Regimes gehörte, soll Kunst der Nachkriegszeit präsentiert werden.

Das Projekt, das mit 160.000 Euro vom Land Berlin gefördert werden soll, sorgte am Montag im Berliner Abgeordnetenhaus für heftige Debatten.

Die Grünen-Kulturpolitikerin Sabine Bangert warf dem Senat vor, ein neues Museum "durch die kalte Küche" einrichten zu wollen. Der Linke-Abgeordnete Wolfgang Brauer sagte, für ein Museum biete der Ort zu wenig Platz und sei im Stadtteil Dahlem am Rande des Grunewalds schwer erreichbar. Die Piraten kritisierten eine fehlende Transparenz bei der Fördermittel-Vergabe.

Dagegen sprach Kulturstaatssekretär André Schmitz von einem "historischen Ort". Das Museum sei lange geplant, die Gelder dafür bereits im Haushalt vorgesehen. Der Wegfall von zehn Ateliers, die bisher im Breker-Atelier untergebracht waren, sei angesichts des Senatsprojekts, 100 Ateliers in der Stadt zu schaffen, verschmerzbar.

Atelier soll in seinen historischen Zustand zurückversetzt werden

Die Bernhard-Heiliger-Stiftung, die den Nachlass des Bildhauers und Breker-Schülers Bernhard Heiliger (1915-1995) pflegt, will das Backsteingebäude für rund 1,4 Millionen Euro in seinen historischen Zustand zurückversetzen. Dafür hatte schon die Lotto-Stiftung Mittel zugesprochen.

Dagegen wehrt sich eine Initiative, die in dem Atelier ein "Haus der Kunst" einrichten will. Zeitgenössische Künstler sollen Arbeits- und Ausstellungsräume erhalten, als "Labor und Werkstatt" soll hier auch das Verhältnis von Kunst und Macht beleuchtet werden.

Das Designbüro Büro Delbruegge & Moll hatte dafür ein Konzept vorgelegt. Unterstützt wird dieses Projekt vom Bundesverband Bildender Künstler (BBK), das sich gegen eine "Musealisierung des Standortes" wehrt, wie Geschäftsführer Bernhard Kotowski bei der Anhörung im Ausschuss erklärte.

Der Kurator Marc Wellmann von der Heiliger Stiftung wehrte sich gegen die Kritik, in dem Gebäude solle ein Heiliger-Museum entstehen. Das Haus habe "enormes Potenzial", Geschichte vor Ort zu vermitteln.

Heiliger gilt als einer der wichtigsten deutschen Bildhauer der Nachkriegszeit. Von ihm stammt "Die Flamme" am Berliner Ernst-Reuter-Platz. An der Hochschule der Künste lehrte er 37 Jahre als Professor. Nach dem Krieg übernahm er Brekers Atelier am Käuzchensteig im Berlin-Zehlendorf.

Quelle: dpa/sei
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