25.02.13

Komische Oper

Tschaikowskys Kriegsdrama im russischen Pelzmantel

Ivo van Hove hat Tschaikowskys "Mazeppa" an der Komischen Oper inszeniert. Bei dem Berliner Regiedebüt blieb der Komponist auf der Strecke.

Von Klaus Geitel
Foto: Monika Rittershaus

Tragische Liebe: Robert Hayward (Mazeppa) umarmt Asmik Grigorian (Maria) in Tschaikowskys Oper „Mazeppa“, die jetzt an der Komischen Oper Premiere hatte
Tragische Liebe: Robert Hayward (Mazeppa) umarmt Asmik Grigorian (Maria) in Tschaikowskys Oper "Mazeppa", die jetzt an der Komischen Oper Premiere hatte

Das Meer ist voller ungespielter Opern: Mitunter taucht die eine oder andere in unternehmungslustigen Spielplänen zur Überraschung des Publikums auf, lässt sich bestaunen und verschwindet bald wieder. Das wird wohl auch mit Tschaikowskys "Mazeppa" geschehen, den die Komische Oper jetzt in einer hervorragenden Aufführung zeigt. Allerdings kann auch ihre Vorzüglichkeit nicht die Schäden die drei Stunden lang übertünchen, die Tschaikowsky seinem Werk einkomponiert hat. Er ist nun einmal kein Musikdramatiker, sondern ein Lyriker durch und durch.

Hervorragendes Orchester

Aber gerade seine Lyrik findet im Kriegsdrama "Mazeppa" wenig Platz. Von Anfang hat das Orchester das große Sagen. Henrik Nanasi steht ihm mit geradezu mit Ausdrucksfuror vor. Die Musiker spielen mit einer Vorzüglichkeit und Hingabe, wie man sie in der Komischen Oper selten mit vergleichbarer Intensität erlebte. Das macht Lust und Hoffnung, nur hält ausgerechnet Tschaikowsky mit dieser Hoffnung nicht auf die Dauer Schritt.

Dabei versucht Ivo van Hove, der hochbegabte Regisseur, diesen Niedergang auszuhalten. Er führt wüste Kriegsprojektionen ins Feld, die streckenweise das Dekor überfluten und es geradezu auslöschen. Vielleicht hätte sich der Regisseur doch ein wenig stärker auf das innere Geschehen der Handlung konzentrieren können. Da ist der alte Mazeppa, "Hetmann", wie es so schön heißt, der ukrainischen Kosaken.

Das ist eine haushohe Position, aber der alte Kämpe will noch höher steigen. Er visiert, die Ukraine von Russland zu trennen und aus ihr ein eigenes, unabhängiges Reich zu machen. Sein Gastgeber, der steinreiche Gutsbesitzer Kotschubej, sieht darin nichts als Hochmut und Angeberei, ein Verbrechen überdies gegen den Zaren.

Gefoltert und hingerichtet

Bei dem aber denunziert Mazeppa nun ausgerechnet seinen Gastgeber, den der Zar sofort in Gefängnis werfen, foltern und hinrichten lässt. Dabei ist die süße Maria, die Tochter des Ermordeten, bis über beide knusprigen Ohren in den Gewalttäter verliebt und jagt deswegen auch Andrej, den kräftigen jungen Tenor, auf und davon, bloß um dem alten Mazeppa die Treue halten zu können.

Mazeppa verliert die entscheidende Schlacht gegen das Heer des Zaren. Mit ihm ist es vorbei wie mit allen andern auch. Allein Maria, die inzwischen gründlich geistig verstörte, singt noch ein wenig vor sich, bis in anhaltendem Schweigen der Vorhang endgültig fällt. Der reiche Beifall gilt wohl eher der Inszenierung und der ausgezeichneten Sängerschar, als Tschaikowskys Ingenium. Es entwickelt sich in "Mazeppa" nur sparsam.

Ein gedemütigter Held

Dabei setzt es dankbare Rollen am laufenden Band. Die liebenswürdige Maria, von Asmik Grigorian glänzend gesungen, darf am Schluss sogar noch ins sängerisch Hochdramatische ausreißen und sich zusätzlichen Lorbeer ersingen. Immer erneut macht der von André Kellinghaus studierte Chor glänzend Figur und darf sich üppig ins Geschehen werfen.

Robert Hayward singt mit stolzem Nachdruck die Titelpartie und agiert sie so auch: ein Herr der ukrainischen Heerscharen, der sich von Gott auserwählt hält, darüber hinaus zu wachsen und mehr zu werden, als es Gott für ihn vorgesehen hat. Er geht prompt zu Grunde, doch trägt er das Haupt bis zuletzt hoch.

Das tut auch der blutende, gefolterte, hingerichtete Alexey Antonow als Kotschubej, er ist die erbarmungswürdigste Kreatur der Oper und gibt ihr dennoch Größe. Er ist vielleicht der gedemütigste Held der weltweiten Opernliteratur. Wenn er sonst vielleicht alles verloren hat, so doch nicht die Stimme. Er singt seinen Part makellos, und das tut im Pelzmantel der Hausherrin auch Agnes Zwierko. Sie alle können sich an diesem Abend hören und sehen lassen - bis auf Tschaikowsky.

Komische Oper, Behrenstr. 55-57, Mitte. Termine: 2./3.2., 7., 30.3.; 5.4., 2.7.

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