23.01.13

Film

Tim Burton macht einen Hund zum Frankenstein-Monster

Einst flog er bei Disney raus, weil seine Fantasie zu düster war. Jetzt darf er dort einen alten Kurzfilm neu drehen: "Frankenweenie".

Von Peter Zander
Foto: picture alliance / dpa

Horrorfilm light: Victor und sein Hund Sparky nach dessen Re-Animation
Horrorfilm light: Victor und sein Hund Sparky nach dessen Re-Animation

Tim Burton und Disney – das ist alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Tim Burton wuchs zwar in Burbanks auf, also quasi vor den Toren des Micky-Maus-Imperiums. Und im zarten Alter von nur 19 Jahren wurde er dort angestellt. Aber seine Mitarbeit an den Trickfilmen "Cap und Capper" und "Taran und der Zauberkessel" hat ihn eher gelangweilt. Und seine eigenen Kurzfilme, "Vincent" (1981) und der Halbstünder "Frankenweenie" (1984) lösten bei der Studioleitung Entsetzen aus: zu düster, zu abgründig, nicht kindgerecht.

So verließ Burton das Studio anno '85. Der große Kultfilmer, der Autorenfilmer des Makabren, des Abgründigen, des Schrägen wurde Tim Burton dann bei anderen Studios. Spätestens mit seinem "Batman" war sein Stil mainstream-kompatibel. Das mag Disney ganz schön gewurmt haben.

Umso größer die Überraschung, als es 25 Jahre danach einen neuen Vertrag gab zwischen dem Studio und seinem einstigen Zeichner. Burton sollte "Alice im Wunderland" neu verfilmen. Dafür durfte er auch noch einen zweiten Film bei ihnen drehen.

Der Hund wird zur Kreatur

"Alice" war 2010 ein klassischer Burton, mit vielen abgründigen Ideen und finsteren Figuren, die man so in Disneys altem Trickfilmklassiker von 1951 nie gesehen hat. Und doch war die Fabelwelt irgendwie zu bunt, zu knallig, zu wenig schwarzweiß, zu wenig burtonig.

Die eigentliche Sensation aber: Als seinen zweiten Disney-Film legt Burton jetzt ausgerechnet "Frankenweenie" neu auf. Den alten Kurzfilm, der den Konzern so entsetzte. Und diesmal ist auch der Disney-Burton ein echter Burton.

Irgendwie ist die Geschichte im Film ja auch die seiner Genese. Geht es doch um einen Jungen, Victor, und seinen geliebten Hund Sparky, der eines Tages unter die Räder kommt. Hier beginnt die typische Gothic-Fantasie des kauzigen Filmregisseurs: Denn der Junge tüftelt an einer Apparatur mit vielen vielen Drähten und Stöpsen. Und mittels Elektrizität macht er mit seinem Hund das, was sein Kollege Frankenstein mit der Kreatur gemacht hat: Er erweckt ihn zu neuem Leben. Und das schockt die Nachbarschaft.

Totgesagte leben länger

Der Halbstünder 1984 war noch ein Spielfilm mit echten Schauspielern. Mit liebevoll unbeholfenen Tricks – mehr gab das Budget nicht her. Das "Remake" dagegen ist jetzt ein abendfüllender Trickfilm, aufwendig und natürlich in angesagtem 3D produziert. Und doch hat Burton – wie zum Trotz – auf die alte, längst totgesagte Stop-Motion-Animation gesetzt, in der reale Figuren Bild für Bild bewegt werden und nicht virtuell im Computer zum Leben gepixelt werden.

Das Ganze ist denn auch, um gar nicht erst Missverständnisse aufkommen zu lassen, in Schwarzweiß gedreht, wie der Kurzfilm einst auch. Und das berühmte Cinderella-Schloss, das vor einem jeden Disney-Film im Vorspann erscheint, ist hier auch in gräuliches Licht getüncht und wird von düsteren Orgelklängen eingeläutet. Burton ist jetzt erst gänzlich bei Disney angekommen. Oder anders gesagt: Disney hat Burton diesmal gelassen.

Und siehe da: Es ist das Beste, was dem Konzern passieren konnte. Der letzte eigene Disney-Trickfilm, "Ralph reicht's", war eine unverhohlene Werbung für Spielotheken, gerade auch für die ganz Kleinen, was nicht wenige Eltern verärgert hat. Das erfolgreichere Konkurrenzstudio Pixar, das Disney sich zur Sicherheit längst einverleibt hat, hat dagegen mit "Merida" zuletzt einen Trickfilm vorgelegt, wie er von Disney selbst hätte stammen können. Das typisch Pixarische scheint sich auch schon abzunutzen.

Burton, der Gothic-Disney

Da kommt der Disney-Burton gerade recht. Burton ist ja so etwas wie ein Gothic-Disney: Auch er im Grunde ein ewiges Kind, das seine Kindheitsfantasien auslebt, nur dass die eben immer unverkennbar makaber und schräg sind Wie sein Victor re-animiert Burton seinen alten Sparky. Mit ganz alten Techniken. Und doch sprühen beide, der Monster-Hund wie der Film selbst, danach Funken, die alle moderneren Computeranimationen ziemlich alt aussehen lassen.

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