21.01.2013, 13:46

Komische Oper La Lemper singt sich in Berlin durch Stationen ihres Lebens


Die Berliner waren selig, dass „ihre“ Ute mal wieder bei ihnen vorbei geschaut hat

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Die Berliner waren selig, dass „ihre“ Ute mal wieder bei ihnen vorbei geschaut hat Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Von Peter Zander

Der Weltstar bot Chansons und Couplets dar, die man eigentlich nicht mehr hören kann. Aber sie nahm sie komplett auseinander.

Eine hat ihren Weill schon hinter sich. Wobei das natürlich ein bisschen Etikettenschwindel ist. Ute Lemper tourt gerade mit ihrem aktuellen Programm "Last Tango in Berlin" durch Europa. Und kam damit auch an die Komische Oper, so ziemlich die letzte Bühne der Stadt, in der sie noch nie aufgetreten ist, zu deren Weill-Woche.

Sie singt sich da durch die Stationen ihres Lebens und ihrer Karriere, da darf Weill natürlich nicht fehlen, aber sie singt eben auch Brel, Piaf, Hollaender und Piazzolla. Egal. Der Weltstar kommt selten genug aus New York zurück. Da freut man sich immer, wenn sie mal wieder vorbeischaut. Und die große Krise zwischen Berlin und seinem Star scheint auch endgültig überwunden.

Dass sie noch einen Koffer in Berlin habe, sagt sie einmal, das erzähle sie bei all ihren Konzerten rund um den Globus. Hier müsse sie das ja keinem sagen. "Und wenn ich mal Sehnsucht habe", umarmt sie ihre hiesigen Fans, "dann komme ich einfach zu euch zurück."

In ihrem Koffer ist nicht viel, eine rote Federboa und eine schwarze Melone. Mehr braucht sie nicht an Requisiten. Und als Musiker hat sie lediglich den Pianisten Vana Gierig und den Bandeonisten Marcelo Nisinman an ihrer Seite. Eine ganz intime Atmosphäre also. Doch das genügt.

Ute Lemper ruft Publikum zum Mitmachen auf

Ute Lemper singt lauter Chansons und Couplets, die man zu oft gehört hat und eigentlich nicht mehr hören kann. Aber sie nimmt sie eben, und das ist ihre große Kunst, komplett auseinander. Setzt sie völlig neu zusammen. Und singt sie tatsächlich so, wie man sie noch nie gehört hat. Klassiker wie "Ich bin von Kopf bis Fuß", Piafs "Milord" oder eben auch der "Bilbao-Song" von Weill werden plötzlich zu Tangos, als seien sie von Piazzolla.

Dann verfremdet sie das wieder mit jazzigem Scat-Gesang. Und tänzelt dabei lasziv in ihrem schulterfreien Paillettenkleid. So wird selbst "Mackie Messer", das ausgelutschteste aller Couplets, wieder zum Ereignis. La Lemper macht dabei etwas, wovor es dem Publikum gewöhnlich graust, sie ruft zum Mitmachen auf. Aber nein, der Saal ist selig – und pfeift mit ihr. Auf Weill.

Ein, zwei lange Gesichter mag es gegeben haben, die einen reinen Weill-Abend erwartet hatten. Die restlichen Zuschauer waren selig, dass "ihre" Ute mal wieder in Berlin vorbeigeschaut hat. Die Stadt und ihr Star, sie geizten wahrlich nicht an gegenseitigen Liebeserklärungen.

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