20.01.13

Film

Dustin Hoffman fühlt sich wie ein Tenor an der Scala

Dustin Hoffman zeigte in der Deutschen Oper Berlin sein spätes Regiedebüt "Quartett". Und war gerührt über den frenetischen Applaus.

Von Peter Zander
Foto: dpa

Bussi Bussi Regienovize Dustin Hoffman herzt seinen Star Gwyneth Jones
Bussi Bussi Regienovize Dustin Hoffman herzt seinen Star Gwyneth Jones

"Wir sollten nur noch Baby-Konzerte und Filmpremieren machen", sagte der Intendant der Deutschen Oper, Dietmar Schwarz gleich zu Beginn. Denn so viel Applaus wie in den letzten Tagen gäbe es an der Bismarckstraße sonst nie. Das gilt freilich auch im Umkehrschluss: Man sollte vielleicht Filmpremieren nur noch in der Deutschen Oper machen - und nicht mehr in Kinos.

Bei der Deutschlandpremiere von Dustin Hoffmans "Quartett" gestern früh jedenfalls gab es 20-minütige Standing Ovations und Bravo-Rufe, von denen Filmstars am Potsdamer Platz nur träumen können. Der Opern-Besucher ist eindeutigh klatschfester. Und die Stars kamen gar nicht mehr von der Bühne weg.

Ein Heim voller alter Musiker

Das lag zum einen natürlich am Hoffman-Bonus. Der Schauspieler ist schon jetzt eine lebende Legende und könnte es sich eigentlich im Schaukelstuhl bequem machen. Aber noch in hohem Alter hat er etwas gänzlich Neues gewagt und einmal nicht vor, sondern hinter der Kamera gestanden.

Mit 75 präsentiert der Star jetzt sein spätes Film-Regiedebüt. Zum anderen lag der Erfolg aber natürlich am Thema: "Quartett" handelt – wie das gleichnamige Bühnenstück von Ronald Harwood, der auch das Drehbuch geschrieben hat – von einer britischen Altersresidenz für ehemalige Opernsänger und -musiker, die hier weiter ihrer großen Leidenschaft, der Musik, frönen können und sich damit jung halten.

Der Heimsegen gerät ein wenig in Schieflage, als eine der größten Ex-Primadonnen (dargestellt von Maggie Smith, dem Urgestein des britischen Kinos) hier Einzug hält, was ihrem Ex-Mann (Tom Courtenay), der hier schon länger weilt, gar nicht schmecken mag.

Noch weniger schmeckt beiden die Idee, für ein Wohltätigkeitskonzert noch einmal mit zwei ebenfalls hier ansässigen Alt-Stars jenes Quartett aus Verdis "Rigoletto" zu singen, für das sie einst gefeiert wurden. Ein oft rasend komischer, dann auch wieder sehr bewegender Film, der einigen Veteranen des Schauspiels noch mal einen großen Teppich ausrollt.

Selbst Nebenrollen prominent besetzt

An dieser Stelle müssen wir einmal wieder auf das eigentlich unschöne Stilmittel der Altersklammer zurückgreifen. Aber mit Maggie Smith (78), Tom Courtenay (75), Billy Connolly (70) und Pauline Collins (72) findet sich eben eine ganze Riege britischer Theaterlegenden ein. Mit Dame Gwyneth Jones (76) konnte Hoffman auch eine echte Operndiva gewinnen, sogar für eine recht biestige Rolle. Der eigentliche Clou aber erweist sich dem, der bis zum Schluss im Kino sitzen bleibt. Im Nachspann werden nämlich auch alle Nebendarsteller als Musiker und Sänger aus früheren Tagen entschlüsselt.

Vielleicht bedurfte es eines Regisseurs dieser Altersklasse, um genau zu verstehen, wie man die Generation 70+ im hektischen Drehbetrieb bei Laune hält und auf Hochtouren bringt. "Quartett" ist – nach "Und wenn wir alle zusammenziehen?", "Best Exotic Marigold Hotel" und Michael Hanekes "Liebe" – ein weiterer Film, der von älteren Menschen handelt, die im heutigen Kino kaum noch eine Rolle spielen. Und der einmal mehr der These kaltherziger Studiobosse, alte Menschen seien Kassengift, vehement widerspricht.

Gwyneth Jones kokettiert mit Filmkarriere

In der Deutschen Oper jedenfalls rief nicht nur die Silberhaarfraktion Bravo, es waren gerade die Jüngeren, die ihre Handys zückten, um die Stars zu fotografieren. Und die waren – von Courtenay über Dame Jones bis hin zu dem Regienovizen – zu Tränen gerührt ob des Erfolgs. Und den vielen Zwischenapplausen. "Ich fühle mich wie ein Tenor an der Scala", bekannte Hoffman denn auch nach dem Abspann auf der Bühne. Die Vorführung an der Oper sei für ihn ein Testlauf gewesen: Denn auch im Publikum saßen ja ganz viele Musiker und Sänger. Gwyneth Jones aber war doppelt gerührt.

Ihr Debüt an der Deutschen Oper hatte sie 1966 gegeben. Jetzt gab sie hier noch einmal ein Debüt: als Filmschauspielerin. Das könne, sagte sie augenzwinkernd, ja noch eine zweite Karriere werden. Ihr ist es übrigens auch zu verdanken, dass Hoffman die Reise über den großen Teich angetreten hat: Sie hat ihn solange angerufen und beschworen, er müsse kommen, bis er endlich zugesagt hat.

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