17.01.13

Kulturpolitik

Berliner Bauhaus-Archiv erhält einen Neubau

Das Museum am Landwehrkanal ist so gut besucht wie nie zuvor. Allerdings platzt es aus allen Nähten. Bis 2019 soll es endlich erweitert werden.

Von Gabriela Walde
Foto: Amin Akhtar

Markant mit den Shed-Dächern: Das von Walter Gropius entworfene Bauhaus-Archiv am Berliner Landwehrkanal
Markant mit den Shed-Dächern: Das von Walter Gropius entworfene Bauhaus-Archiv am Berliner Landwehrkanal

Klingt kurios, aber das Berliner Bauhaus-Archiv am Landwehrkanal leidet heute noch an seinem Geburtsfehler. Als das markante Haus mit den halbrunden Shed-Dächern, entworfen von Walter Gropius, 1979 endlich fertig wurde, war es bereits zu klein. Kommt uns irgendwie bekannt vor. Mit rund einer Million Exponate aus allen Bereichen der bekannten Designschule, weltweit die größte Sammlung, platzt also aus allen Nähten und bleibt daher leider ausstellungstechnisch unter seinen Möglichkeiten. Rund 700 Quadratmeter stehen zur Verfügung.

In den Sälen drängen sich nicht nur die Besucher, die rund 2300 Forscher, die pro Jahr hier anfragen, haben keinen Platz für Recherche in der Bibliothek. Auch der Museumspädagogik mangelt es an Raum. Hier mit einer Schulklasse und 32 Kindern Unterricht zu machen, ist kein Spaß.

Nur Bruchteile des Bestandes können demnach gezeigt werden, viele Highlights schlummern im Depot. Dabei gäbe es viel zu zeigen: die Gemälde der Meister wie Klee, Kandinsky und Schlemmer, die herausragende Möbelsammlung mit den Klassikern, die Metall-Ikonen von Marianne Brandt oder etwa der Nachlass von Walter Gropius. Aus Platzgründen werden oft nur Fotos gezeigt, das reicht aber nicht, denn "die Leute wollen das Flair, die Atmosphäre der Schule und der Zeit nacherleben. Sie fragen danach", erzählt Annemarie Jaeggi, Direktorin des Hauses.

Verständlich, Marcel Breuers Stahlrohrstühle möchten die Besucher halt im Original sehen, die Abbildungen kennt ja jeder. Vergangenes Jahr präsentierte sich das Berliner Museum zur Olympiade im Barbican Centrum in London. Seitdem kursiert im Haus der von Galgenhumor getragene Satz: "Wir müssen nach London fahren, um unsere Sammlung zu sehen."

Kooperation mit Weimar und Dessau

"Das Haus hat so keine Zukunft!", bringt Jaeggi es auf den Punkt. Die Chefin will keine Extravaganzen, schlicht nur mehr Platz in Gestalt eines Neubaus. Das will sie eigentlich schon seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2003, übrigens wurde sie eigens für dieses Neubauprojekt, dass damals unterirdisch geplant war, ans Haus geholt. Aber wie das oft in Berlin geschieht, platzten die Pläne, die Kulturpolitik haderte. Heute weiß Jaeggi, dass ihr Haus nie auf der Prioritätenliste des Regierenden Bürgermeisters stand.

Vor einigen Jahren verlor sie schon einmal gegen sein Lieblingsprojekt, die Kunsthalle, für diesen Bau waren damals 30 Millionen Euro veranschlagt, Geld, das dem Bauhaus fehlte. Heute ist die geplante Zentral- und Landesbibliothek die Konkurrenz. Doch Jaeggi plant unverzagt. Bis 2019, sagt sie, zum hundertsten Bauhaus-Jubiläum muss der Erweiterungsbau stehen. "Sonst ist das für Berlin, ja Deutschland eine verpasste Chance." Ein engagierter Plan.

Doch dieses Mal scheint sie mehr Rückendeckung zu haben, zumal dieser Geburtstag international gefeiert werden soll. Deutsches Design gilt als Aushängeschild im Ausland und die drei Bauhäuser Berlin, Weimar und Dessau kooperieren seit einigen Jahren verstärkt, haben gemeinsam ein inspirierendes "Bauhaus Reisebuch" (Dumont) herausgegeben. Ende des Jahres wurde zudem der Bauhausverbund 2019 gegründet, dem bislang fünf Länder angehören. Kulturstaatssekretär André Schmitz bedauert mittlerweile die Versäumnisse bei der Erweiterung am Landwehrkanal: "Das ist seit vielen Jahren eine Achillesferse der Berliner Kulturpolitik", gibt er zu. Diese Aussage darf Jaeggi wohl als positives Signal werten.

Weimar baut sein eigenes Bauhaus-Museum und auch Dessau sucht neue Ausstellungsflächen. Zumal Jaeggi mit stetig wachsenden Besucherzahlen punkten kann. 115.000 Gäste zählte sie vergangenes Jahr, achtzig Prozent sind internationale Touristen. Eine zwölfprozentige Steigerung, die höchste in der Geschichte des Hauses. Den Audio-Guide gibt es mittlerweile in sieben Sprachen, die Chinesen holen auf. Besonders gut vertreten sei die spanischsprachige Welt, erzählt Jaeggi, alles gut gebildete junge Leute.

Jaeggi jedenfals hat längst ein "ausgearbeitetes Raumprogramm" in der Schublade. Angedacht sind insgesamt 7000 Quadratmeter ("Kein Palast") für die Erweiterung, viele Quadratmeter verschluckt allein die moderne Technik rund um Klimatisierung und dergleichen. 2700 Quadratmeter werden für die Ausstellungen berechnet, das wäre eine Vervierfachung der jetzigen Fläche.

Jaeggi plant dabei eine Neukonzeption. Der denkmalgeschützte Gropius-Bau, der saniert werden muss, soll dem Archiv und der Forschung zugeschlagen werden, der Neubau wäre frei für Dauerausstellung und die Sonderschauen. Damit könnten auch die Besucherströme besser gelenkt werden. Der herausragende Museumsshop, in dem Klassiker und junges Design lockt, soll ausgebaut und vergrößert werden. Als nächstes steht die Ausschreibung eines Architektur-Wettbewerbs an.

Hinzu kommt, dass Jaeggi ihr Haus für die Zukunft breiter aufstellen möchte. Es genügt nicht mehr, sagt sie, sich ausschließlich auf das historische Bauhaus zu konzentrieren, sie möchte das Museum zum "Kompetenzzentrum für Design" ausbauen, ein Forum für aktuelle Entwicklungen in dem Bereich bieten. Die Bauhaus-Künstler waren als Avantgarde ihrer Zeit weit voraus, das könnte auch Inspiration für die Gegenwart sein.

Insgesamt rechnet sie mit einer Bausumme rund 37,5 Millionen Euro. 4,5 Millionen entfallen für die Sanierung des Gropius-Baus. Die Chefin hofft auf eine Mischfinanzierung durch Bund und Land. Während des Um- und Erweiterungsbaus würde das Museum temporär schließen.

Die Planung ist also gemacht: Nächsten Montag wird der Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses zu Gast sein am Landwehrkanal. Für die Sitzung wird Annemarie Jaeggi extra eine Ausstellungshalle leer räumen lassen, es gibt nämlich im Haus keinen Konferenzraum dieser Größe. Vielleicht ist das ein Argument für die Politiker. Praxis ist alles.

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