14.01.13

Film

Zwei Österreicher lassen Hollywood blass aussehen

Christoph Waltz und Michael Haneke siegen bei den Golden Globes. Beide können nun auch auf einen Oscar hoffen.

Von Peter Zander
Foto: dapd

Schon wieder: Zum zweiten Mal bekommt Christoph Waltz einen Golden Globe für einen Tarantino-Film
Schon wieder: Zum zweiten Mal bekommt Christoph Waltz einen Golden Globe für einen Tarantino-Film

Er stand schon einmal hier. Drei Jahre ist es her. Da war Christoph Waltz in Hollywood noch ein nahezu Unbekannter, den aber Quentin Tarantino mit seinen "Inglourious Basterds" fürs Weltkino entdeckt hat. Nun stand der Österreicher auf derselben Bühnee, und wieder für einen Tarantino-Film: "Django Unchained". Traditionell werden die Golden-Globe-Verleihungen in Los Angeles mit dem Preis für den besten Nebendarsteller eingeleitet; gleich die erste Auszeichnung ging also an den Österreicher. Und wie 2010 dankte der 56-Jährige seinem Regisseur: "Quentin, du weißt, dass meine Schuld dir gegenüber und meine Dankbarkeit in keine Worte zu fassen sind."

Der Terminator und der Intellektuelle

Er stand auch schon einmal hier. Ebenfalls vor drei Jahren. Da bekam Michael Haneke für sein Meisterwerk "Das weiße Band" den Golden Globe für den Besten Nicht-Englischsprachigen Film. Sein neuer Film "Liebe" hat bereits die Goldene Palme von Cannes und vier Europäische Filmpreise gewonnen – und für den Oscar ist er gerade, sensationell für einen europäischen Film, fünf Mal nominiert worden. Nun hat der 70-Jährige wieder einen Globe eingeheimst. Die Kategorie Bester Auslands-Film wurde ausgerechnet von zwei Action-Stars präsentiert: Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger. Da konnte man schon ahnen, wer den Preis kriegen würde, den denn auch Schwarzenegger an Haneke überreichte.

Ein größerer Gegensatz im Kino ist zwar kaum denkbar. Hier der Muskelmann, der für Popcorn-Entertainment und Blockbuster-Kassenhits steht, da der Intellektuelle, den man mit Arthouse-Produktionen, Filmfestivals und Preisen in Verbindung bringt. Aber beide sind Österreicher. Es war ein hochironisches Bild, wie der Terminator aus der Steiermark dem Weißhaarigen aus Wien die Trophäe überreichte. "Ich hätte nie gedacht", bekannte Haneke, "einen Preis in Hollywood von einem Österreicher zu bekommen."

Große Chancen für die Oscars

Es war mithin die Stunde der Österreicher. Wie 2010. Ein Déjà-vu. Waltz und Haneke sollen sogar über viele viele Ecken miteinander verwandt sein; wie viele, das vermag freilich keiner genau zu sagen. Da die Golden Globes immer auch als Gratmesser für die Oscars gelten (die in diesem Jahr am 25. Februar verliehen werden), können Waltz und Haneke sich auch da Hoffnungen machen.

Die Globes, die Sonntag abend (Ortszeit) bereits zum 70. Mal verliehen wurden, vergibt Hollywoods Auslandspresse. Das muss sich nicht zwingend mit den Oscar-Entscheidungen der Film Academy aus Hollywood decken: Bei Waltz hat das vor drei Jahren funktioniert, bei Haneke nicht. Aber die Film Academy besteht zu einem Großteil aus Oscar-Siegern, die weit über 65 sind. Die gehen nicht mehr so regelmäßig ins Kino und lassen sich gerne inspirieren von anderen Filmpreisen. Und bei denen hat ein Altersdrama wie Hanekes "Liebe" wohl die besten Chancen.

Ein bisschen Globe-Glanz strahlt für Berlin

In beiden Fällen kann sich auch Berlin ein bisschen über die Globes mitfreuen. Über "Django Unchained", weil Tarantino ja seine "Basterds" mit Waltz in Berlin gedreht hat und durch den Kontakt mit Deutschland auf die Idee kam, seinen Spaghettiwestern mit einem deutschen Kopfgeldjäger und dessen Nibelungen-Erzählungen zu bereichern. Und über "Liebe", weil dies eine deutsch-französische Koproduktion ist, an der die Berliner Firma X Filme beteiligt ist.

Ansonsten gab es viele überraschte und auch viele lange Gesichter bei der 70. Globe-Verleihung. Eigentlich hätte der Abend das große Duell zwischen Steven Spielbergs "Lincoln" und Tarantinos "Django Unchained" werden sollen. Doch obschon kein Geringerer als Ex-Präsident Bill Clinton als Überraschungsgast des Abends Spielbergs Präsidenten-Biographie umwarb, konnte der siebenfach nominierte Film am Ende lediglich eine Trophäe ergattern: für Daniel Day-Lewis als besten Schauspieler.

Der Hauptsieger heißt "Les misérables"

Auch "Django Unchained", immerhin fünf Mal nominiert, bekam außer der Auszeichnung für Waltz nur noch eine zweite Trophäe für das beste Drehbuch. Als bester Regisseur aber wurde nicht Tarantino und nicht Spielberg ausgezeichnet, sondern Ben Affleck. Und "Argo", Afflecks Politthriller über die Befreiung amerikanischer Diplomanten aus dem Irak nach der Besetzung der Botschaft in Teheran 1979 wurde auch gleich noch zum Besten Drama gekürt.

Der heimliche Hauptsieger aber war "Les misérables". Im Gegensatz zu allen anderen Filmpreisen wird beim Golden Globes in den Hauptkategorien zwischen E und U, ergo zwischen Drama und Komödie/Musical unterschieden. Und die monumentale Verfilmung des Musical-Klassikers kam am Ende auf drei Trophäen: Anne Hathaway als beste Nebendarstellerin, Hugh Jackman als bester Hauptdarsteller. Und der Film als Bestes Musical. Ein Sieg nach Punkten.

Jodie Fosters Lesben-Bekenntnis

Für eine Überraschung sorgte bei der Globe-Verleihung Jodie Foster, die für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde und sich in ihrer Dankesrede so offen wie noch nie zu ihrer Homosexualität äußerte. "Das hier ist keine Coming-out-Rede, denn mein Coming-out hatte ich schon vor etwa 1000 Jahren, damals im Steinzeitalter", sagte sie.

Sie betonte stattdessen, wie sie gelernt habe, ihr Privatleben lange geheim zu halten. "Wenn ihr für ein Leben hättet kämpfen müssen, das sich real und ehrlich und trotz aller Hindernisse normal anfühlt, dann würdet ihr dies vielleicht ebenfalls als das Wichtigste bewerten." Foster, obwohl erst 50 Jahre alt, steht bereits seit 47 Jahren vor der Kamera. Mit ihren Worten sprach sie wohl allen Stars im Saal aus dem Herzen.

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