06.01.13

TV-Dreiteiler

Was das Berliner Hotel Adlon zum Mythos macht

Das Luxushotel in Berlin-Mitte ist etwas Besonderes, vor allem durch seine Gäste. Das ZDF startet am Abend einen Dreiteiler über den Mythos.

Von Sven Felix Kellerhoff
Foto: STEPHANIE KULBACH

Glamouröser Besuch im Adlon: Josephine Baker (gespielt von Ligia Manuela Lewis) hat ihren extravaganten Auftritt mit Straußenkutsche, die Fotografen sind schon da
Glamouröser Besuch im Adlon: Josephine Baker (gespielt von Ligia Manuela Lewis) hat ihren extravaganten Auftritt mit Straußenkutsche, die Fotografen sind schon da

Das Hotel Adlon ist weder das größte noch das luxuriöseste Fünf-Sterne-Haus Berlins, nicht einmal das teuerste. Aber es ist unbestritten die erste Adresse der Hauptstadt – vor allem wegen seiner Lage: Unter den Linden 77 direkt am Pariser Platz, vis-à-vis vom Brandenburger Tor. Besser geht es nicht.

Der Mythos "Adlon" lebt seit hundert Jahren. Und das, obwohl der Hotelbetrieb nur die Hälfte dieser Zeit überhaupt stattfand, genau genommen von 1907 bis 1945 und wieder seit 1997.

Der TV-Dreiteiler, der an diesem Sonntagabend im ZDF in der Regie von Uli Edel beginnt, macht den Mythos greifbar.

Der Gründer

Lorenz Adlon wollte immer an die Spitze, obwohl der als "Laurenz" im Jahr 1849 geborene sechste Sohn eines Mainzer Schuhmachers und einer Hebamme kaum Aussichten auf einen gesellschaftlichen Aufstieg mitbrachte. Die Lehre als Tischler jedenfalls vermittelte ihm nicht, wie man ein Hotel führt. Doch Lorenz zog es schon in seiner Jugend ins erste Haus seiner Heimatstadt, den "Holländischen Hof", um die vornehmen Gäste beim Speisen zu beobachten. Als Soldat im Krieg gegen Frankreich 1870/71 lernte er französische Lebensart kennen, öffnete bald darauf ein erstes Lokal und erarbeitete sich ab 1880 Schritt für Schritt den Ruf, Berlins erfolgreichster Gastronom zu sein.

Die Lage

Die Adresse zählt – für Lorenz Adlon war das ein Glaubensbekenntnis. Deshalb kaufte er das Luxusrestaurant "Hiller" Unter den Linden, errichtete am Neuen See im Tiergarten ein prächtiges Ausflugslokal, etablierte seine Weinhandlung in der Wilhelmstraße. Und deshalb erwarb er 1905 zwei Grundstücke am Pariser Platz, um hier Berlins bestes Hotel zu errichten. Möglich war das dank Kaiser Wilhelm II. Denn eigentlich hätte der Eigentümer, Innozenz Graf Redern, überhaupt nicht verkaufen dürfen. Das schloss die Erbschaftsregelung aus, der er seinen Besitz verdankte. Außerdem war das einst von Karl Friedrich Schinkel umgebaute Palais denkmalgeschützt. Doch an derlei Kleinigkeiten fühlte sich der Monarch nicht gebunden. Also bekam Adlon die Grundstücke und eine Baugenehmigung.

Das Gebäude

Nicht einen einzigen Stein hat das heutige Adlon gemeinsam mit dem Ursprungsbau von Lorenz Adlon. Dennoch verbindet beide Häuser derselbe Geist: Sie entsprachen, als sie entstanden, gerade nicht dem Zeitgeist. Als vor 107 Jahren die Planen um den Neubau fielen, waren die Berliner erstaunt, nicht einen neobarocken Palast nach dem Geschmack des Kaisers zu sehen, sondern eine feine neoklassizistische Fassade mit dezentem Jugendstildekor. Und seit 1995 die Pläne für den Neubau vorgestellt wurden, lästern Architekten über den angeblich "rückwärtsgewandten", historisierenden Entwurf.

Die Familie

Zu jedem Mythos gehören Menschen. Neben Lorenz waren das vor allem sein Sohn Louis Adlon und dessen zweite Frau Hedda. Sie führten das Hotel in seiner ersten Phase, von der Eröffnung mit dem Kaiserpaar im Oktober 1907 bis zum nie aufgeklärten Großbrand in der Nacht zum 3. Mai 1945. Als Hotelier alten Schlages prägte Louis Adlon das Haus mehr als ein Vierteljahrhundert. Vom Untergang seines Schatzes erfuhr er nie, denn er war von vorrückenden Rotarmisten auf seinem Landsitz festgenommen worden und starb am 7. Mai. Seine Witwe Hedda setzte dem Haus mit ihrem Buch "Hotel Adlon" von 1955 ein Denkmal. Und selbstverständlich kam Louis Adlons Urenkel, der Regisseur und Schauspieler Felix, zum 100. Gründungstag des Hotels.

Der Komfort

"Moderne Einrichtung" und "großen Komfort" versprachen die Anzeigen, die Lorenz Adlon zur Eröffnung seines fast 20 Millionen Goldmark teuren Traumes schalten ließ. Das hieß: "Fließendes heißes und kaltes Wasser, Fernsprecher und Normalzeit in jedem Zimmer". Das war einzigartig in ganz Deutschland. Die damals 305 Zimmer, von denen nur 140 eigene Bäder hatten, würden heute höchstens zwei Sterne bekommen.

Die Preise

Geschmack zu haben war schon immer etwas teurer: Mindestens 20 Mark pro Nacht kostete ein Doppelzimmer mit Bad schon im Eröffnungsjahr. Einzelzimmer mit Waschgelegenheit für mitreisende Diener gab es ab sechs Mark. Heute sind mindestens 240 Euro pro Nacht fällig. Dienstbotenräume gibt es nicht mehr; Begleitpersonal und Sicherheitsbeamte schlafen in normalen Doppelzimmern. Wie viel Lorenz Adlon dem oft hier logierenden Kaiser Wilhelm II. tatsächlich berechnete, ist nicht überliefert. Die heutige Royal Suite kostet pro Nacht 15.000 Euro; wer hier schläft, ist nicht bekannt.

Die Gäste

Wer zur Prominenz gezählt werden will, muss im Adlon absteigen. Von Anfang an war das Publikum höchst international: Der Erfinder Thomas Alva Edison wohnte hier ebenso wie der Startenor Enrico Caruso, der Milliardär John D. Rockefeller, Charlie Chaplin oder der junge John F. Kennedy. Thomas Mann logierte 1929 dort auf dem Weg nach Stockholm zur Nobelpreisverleihung. Selbst in der Nazizeit blieb das Hotel am Pariser Platz der weltoffenste Teil der Reichshauptstadt: Hier plauderten US-Diplomaten bis Ende 1941 über Politik; zwar auf Englisch, das aber viele der deutschen Gäste verstanden und das Personal sowieso. Unter den knapp zwei Millionen Übernachtungsgästen seit der Neueröffnung 1997 waren auch Queen Elizabeth II. und der damalige Präsidentschaftsbewerber Barack Obama.

Die Küche, die Weine

Mit erlesenem Essen hatte Lorenz Adlon seinen Durchbruch erzielt. Der große Speisesaal war die beste Adresse für ein gepflegtes Mittagessen, im Adlon schon immer gern "Lunch" genannt. Legendenumwobenen waren die nächtlichen Feste im Terrassenrestaurant, einem der heißesten Orte der im Adlon tatsächlich Goldenen Zwanziger. Heute bietet das Restaurant "Quarré" 120 Gästen Platz, noch einmal so vielen im Sommer auf der Terrasse zum Pariser Platz hin. Den Namen des Gründers trägt ein exklusives "Esszimmer" mit zwei Michelin-Sternen. Lorenz Adlon ließ edle Tropfen bei hervorragenden Winzern fassweise kaufen und im eigenen Keller unter eigenem Etikett abfüllen. Bis zu 500 Eichenfässer waren eingelagert. Die Preise begannen 1907 moderat – bei drei Mark für einen frischen Riesling aus dem Rheingau. Die jetzige Weinhandlung lässt immer noch unter eigenem Etikett abfüllen.

Die Sendetermine: Teil 1: Sonntag, 6. Januar 2013, 20.15 Uhr, Teil 2: Montag, 7. Januar 2013, 20.15 Uhr, Teil 3: Mittwoch, 9. Januar 2013, 2015 Uhr. Im Anschluss an die erste Folge zeigt das ZDF die 45-minütige Dokumentation "Das Adlon".

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