05.01.13

Oliver Mommsen

Zu Fuß mit dem Textbuch in der Hand quer durch Berlin

Als "Tatort"-Ermittler kennt ihn die TV-Nation. Jetzt spielt Oliver Mommsen in Berlin Theater. Dafür muss er sich bewegen.

Von Stefan Kirschner
Foto: Buddy Bartelsen

Im Theater: Oliver Mommsen spielt in dem Stück „Eine Sommernacht“ an der Komödie am Kurfürstendamm. Der Schauspieler lebt mit seiner Familie in Berlin
Im Theater: Oliver Mommsen spielt in dem Stück "Eine Sommernacht" an der Komödie am Kurfürstendamm. Der Schauspieler lebt mit seiner Familie in Berlin

Oliver Mommsen spielt wieder Theater: Er tritt gemeinsam mit Tanja Wedhorn in "Eine Sommernacht" in der Berliner Komödie am Kurfürstendamm auf. Sie spielt eine Scheidungsanwältin, er einen Kleinkriminellen, beide begegnen sich nach einem One-Night-Stand zufällig wieder.

Am 6. Januar 2013 hat das Stück von David Greig und Gordon McIntyre unter der Regie von Folke Braband Premiere.

Einem großen Publikum bekannt wurde der Schauspieler, der in Düsseldorf geboren wurde und seit vielen Jahren mit seiner Familie in Kreuzberg lebt, als Ermittler Nils Stedefreund im "Tatort" aus Bremen. Die Berliner Morgenpost sprach mit Oliver Mommsen.

Berliner Morgenpost: Herr Mommsen, spielen Sie jetzt Theater, um Ihren Abschied vom Bremer "Tatort" vorzubereiten?

Oliver Mommsen: Wenn ich jetzt Ja sagen würde, dann hätten Sie eine gute Story, oder? (lacht) Im Februar wird der neue Fall ausgestrahlt, danach können Sie mir die Frage gern noch mal stellen. Nils Stedefreund hat da eine große Sinnkrise und verabschiedet sich – und wir wissen nicht, ob er wiederkommt. Aber darüber kann ich jetzt noch nicht reden. Theater spiele ich, weil das ein Riesenglücksgriff war. Ich hatte ein Comeback hier am Kudamm mit dem Stück "Gut gegen Nordwind", davor hatte ich neun Jahre lang kein Theater mehr gespielt.

Sie haben Ihre Karriere in den 90er Jahren im Off-Bereich begonnen, beim Theater Affekt unter Regisseur Stefan Bachmann.

Aber dann ging es irgendwie nicht weiter. Das Staatstheater war keine Option, ich habe nicht verstanden, was die da gemacht haben. An die Volksbühne habe ich mich definitiv nicht getraut, und Frank Castorf hat auch nicht angerufen. Also bin ich dann in eine Krankenhausserie verschwunden.

In der Reihe "Dr. Monika Lindt".

Es war meine erste Rolle im deutschen Fernsehen. Ich weiß noch genau, als wir uns die Erstausstrahlung, eine Doppelfolge, angeschaut haben. Da war ein alter Kumpel zu Besuch und der sagte nach 20 Minuten: Müssen wir uns den Scheiß zu Ende angucken? Es dauerte relativ lange, bis ich die Filme, in denen ich dabei war, auch meinen Freunden zeigen konnte.

Mit dem "Tatort" erreichen Sie ein Millionenpublikum. Ein superpopuläres Format.

Das Produkt wird von der ARD enorm geschätzt. Die besten Leute sind dabei. Und ich finde es gut, dass die Grenzen immer wieder ausgelotet werden, dass die Erzählweise immer mehr verdichtet wird. Der nächste Bremer "Tatort" ist ein hervorragender Film, aber ein großes Fragezeichen wird wohl bleiben. Wir haben uns an die Tagespolitik gehängt und machen die große Weltverschwörung.

Der "Tatort" scheint die klassische Sonnabend-Familienunterhaltungssendung abgelöst zu haben. Sitzen Sie sonntags gemeinsam mit Frau und Kindern vor dem Fernseher?

Wenn der Sonntagabend unser Familienfernsehtag wäre, würde es bestimmt passieren. Aber da ist die nächste Woche schon so nah, dass jeder mit anderen Dingen beschäftigt ist. Als Familiensendung halte ich den "Tatort" nur bedingt für geeignet, weil er so realistisch daherkommt. Meiner zehnjährigen Tochter würde ich das nicht zumuten wollen. Was uns in den letzten Wochen gemeinsam vor der Fernseher geholt hat, war "Voice of Germany".

Schauen Sie sich denn Ihre "Tatort"-Kollegen an?

Jedes Team mindestens ein Mal, ich will ja sehen, wie die aufgestellt sind. Ansonsten ist das auch ein bisschen Arbeit, deutsche Filme zu gucken. Hat auch etwas damit zu tun, dass man denkt, oh, warum darf der denn schon wieder so was spielen, ich war beim Casting doch auch dabei…

Sie kommen mit der U-Bahn zu den Proben. Werden Sie unterwegs schon mal als Nils Stedefreund angesprochen?

Da gibt es ganz viele Varianten. Ehefrauen, die ihrem Mann in die Rippen hauen und mit dem Finger auf mich zeigen: Stedefreund! (lacht) An der Ostsee kam mir mal eine muntere Walking-Gruppe entgegen. Ich gehe an denen vorbei, drehe mich nach ein paar Sekunden um und blicke auf so acht Damen um die 50, die mir zuwinken. Kürzlich hat mich auch eine Frau im KaDeWe angesprochen: Ich finde das so gut, was Sie da im "Tatort" machen. Also gestern waren sie wieder spitze. Musste ich leider sagen: Tut mir leid, ich bin in Bremen, ich darf bei Frau Furtwängler leider nicht mitspielen.

(Mommsens Handy klingelt, der Regisseur ist dran)

Herr Braband, kann ich Ihnen weiterhelfen? Nee, das ist nicht meine Lieblingsfrau. Und geben Sie nicht wieder die ganze Gage aus…

Sie könnten sich bei Frau Furtwängler bewerben, sie spielt ja demnächst auch hier.

Aber die haben nach uns Premiere.

Kennen Sie Ihre Kollegin?

Nee, sie ermittelt ja in Niedersachsen.

Haben Sie sie nicht auf der "Tatort"-Jubiläumsfeier getroffen?

Muss ich mal nachdenken: Ich glaube, die war nicht da.

Das wäre Ihnen doch sicher aufgefallen?

Ohne meinen Anwalt sage ich jetzt gar nichts mehr.

Wie lernen Sie Ihren Text?

Ich gehe mit dem Textbuch in den Copyshop und kopiere das runter auf eine handliche Größe, so dass ich nicht als Staatsschauspieler zu erkennen bin. Wenn es ums Textlernen geht, muss ich in Bewegung sein. Da ich absoluter Berlin-Liebhaber bin, habe ich mir hier schon einiges erlaufen. Im Kopf den Text repetieren und gleichzeitig hast du die Erlebnisse, die so ein Berliner Straßentheater dir bietet. Das vermischt sich unheimlich, das liebe ich. Ein Spaziergang kann bis zu sechs, sieben, acht Stunden dauern, ich laufe dann so von Kreuzberg über Schöneberg, Charlottenburg, Tiergarten und über den Prenzlberg wieder zurück.

Dann haben Sie ja den Wandel der Stadt direkt vor Augen.

Eines der klassischen Sachen war die Friedrichstraße, dieses Riesenloch, das mit Palästen gefüllt wurde. Früher war da nichts los, da wehten die Staubfahnen wie im Western. Heute wird man dort totgetrampelt. Oder wie Stadtviertel anfangen zu blühen, Beispiel Neukölln. In Mitte tragen alle Mädels die Hosen in den Stiefeln, in Charlottenburg fallen schiefgelaufene Haarmischungen auf, vorzugsweise in Lila- oder Rottönen. Im Sommer laufe ich gern die Oranienstraße und freue mich, dass die Türkei so nah ist, dass der Süden hier so lebt. Das ist für mich Großstadt.

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